Auch das kann passieren!

 

D A S   W A S S E R   K O M M T !

 

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MOLDAU      30. Mai - 06. Juni 2013

 

 

 

Teilnehmer:       Franz Fischer, Martina Pauli + Bernd Detsch (+ Aaron), Nobbi Beliawski (+ Cajus) + Iris,

 

Susanne + Dirk, Roland Hoffmann, Michael + Sylvia (ab Freitag),

 

Beate + Walter Weichsel, Wolfgang Federlein, Karla + Peter Str. (+ Hund), Manuela +

 

Herbert Kraus, Friedrich Blase, Kalle Krome (+ Wind), Martin Borgolte, Claus Hinder (ab

 

Samstag), Johannes Fischer + Frau (ab Sonntag), Dirk Stephan (ab Montag)

 

 

 

Basislager:        Kemp Koruna in Zlatá Koruna

 

 

 

Do., 30.05.13 / Fr., 31.05.13          

 

 

 

Als wir gegen 18:15 Uhr von zu Hause aufbrechen, ist uns das Wetter noch wohlgesonnen, doch ab Fulda beginnt der Himmel zu weinen. Je weiter wir uns der tschechischen Grenze nähern, desto heftiger hat der Regen die Welt im Griff.

 

Nach mehreren Pausen und fast ebenso vielen Cappuccinos sowie einem Zwischenstop in Soumarský Most, wo sich die Warme Moldau gut gefüllt zeigt,  erreichen wir Zlatá Koruna gegen 6:30 Uhr. Und es fällt kein Tropfen mehr von oben! Aber leider nicht sehr lange, sanfte Feuchtigkeit beginnt bald wieder herab zu rieseln. Wir schaffen es gerade noch, das Tipi aufbauen, bevor sich der Regen wieder steigert.

 

In Český Krumlov ist noch alles beim Alten - bis auf das Wehr an der Mantelbrücke. Eine Totalsperrung aufgrund der immer noch währenden Umbaumaßnahmen lässt keine Befahrung zu.

 

Zu Dirks Geburtstag gibt es nachmittags Schwarzwälder Kirschtorte. An dieser konnte Michael beim Einkaufen nicht vorbeigehen, um die Torte Dirk als Geschenk zu kredenzen – natürlich nicht ohne Eigennutz.

 

Sa., 01.06.13 Der Tag, als der Dauerregen kommt oder: Die Flucht vor der Moldau

 

Der Morgen lässt hoffen! Kein Regen und die Sonne blinzelt sogar mal durch die Wolkendecke. Bis zur Ankunft der Anderen vertreiben wir uns die Zeit mit einem kleinen Rundgang durch die Altstadt Český Krumlovs.

 

Wieder zurück auf dem Campingplatz in Zlatá Koruna fängt das Unheil an. Es wird nass und nasser, und der Moldau kann beim Ansteigen zugesehen werden. Noch ahnen wir allerdings nichts Böses und fühlen uns unter den Tarps am Feuer recht wohl. Wir staunen nur, wie wacker der kräftige Regen durchhält.

 

So., 02.06.13   Wasserspiele

 

Ein erholsamer Schlaf will sich einfach nicht einstellen, denn Regen und Windböen sind dagegen. Endlich eingeschlafen, schallt es ins Zelt: „Policie! Policie! Das Wasser kommt! Alles räumen!“ und ein großer Scheinwerfer beleuchtet die gespenstische Szene. Es ist gerade erst viertel nach vier Uhr morgens. Erst glaube ich zu träumen, dann sind Michael und ich hellwach, und wir trauen unseren Augen kaum. Die Moldau hat sich bereits über die untere Zeltwiese bis zum Weg vorgearbeitet und vom Wald her drückt ebenfalls Wasser herauf.

 

Es erübrigt sich wohl die Frage: „Wie viel Zeit haben wir noch?“ Ruckzuck ist alles abgebaut und eingepackt – Chaos hoch drei im Auto! Aber keine Minute zu früh, denn bald danach bahnt sich die Moldau schon ihren Lauf über den Weg zur oberen Wiese, auf der kurz zuvor unsere Zelte und Autos noch standen.

 

Nachdem unsere Siebensachen aus der Gefahrenzone heraus sind, haben wir zum Frieren keine Zeit, obwohl es nach wie vor in Strömen gießt. Es wird tatkräftig mit angepackt, um die Bänke und Tische des Campingplatzes in Sicherheit zu bringen. Der anschließend spendierte Kaffee und Früchtetee lässt die trotz allem gute Stimmung nicht sinken. Ein besonderer Dank kommt noch völlig unerwartet: die Erlassung der Campingplatzgebühren!

 

Nässe von oben und von unten. Für den einen oder anderen ist das wohl doch zu viel. Dem Wunsch nach Wärme und Trockenheit folgend, verabschieden sich Einige doch lieber. Große Hoffnung, dass die Moldau in den nächsten Tagen wieder paddelbar sein wird, besteht eher nicht. Laut Dana, der Chefin ist der Fluss unberechenbar geworden, und ein Gasthaus in Český Krumlov ist bereits den Fluten zum Opfer gefallen.

 

Ein kleines Grüppchen will durchhalten, und wir machen uns auf den Weg zum Lipno-See. Allerdings hat die kleine, inzwischen reißend gewordene Polečnice, die in Český Krumlov in die Moldau mündet, den direkten Weg zum Stausee und zur deutschen Grenze versperrt. So bleibt uns nur, die Straße entlang der Moldau über Vyššý Brod zu fahren – mit einem etwas mulmigen Gefühl, denn auf dieser Strecke hat sich der Fluss schon so manches Mal ausgetobt und entsprechende Schäden hinterlassen. Wir haben Glück, noch ist die Straße nicht gesperrt, aber manch kleiner See bildet sich bereits, hauptsächlich hervorgerufen durch die zahlreichen, eigentlich normal kaum Wasser führenden Zuflüsse.  Diese Bäche sorgen für die katastrophalen Zustände an den Moldauufern. Der Campingplatz Branná z.B. ist völlig von der Zufahrt abgeschlossen, und die Leute dort werden gerade mit Schlauchbooten evakuiert.

 

Noch ist der Lipno-Stausee nicht abgelassen worden, obwohl auch gut gefüllt ist. Es heißt aber, dies werde wohl geschehen, sobald sich die Moldau etwas beruhigt habe.

 

Wir steuern den ersten Campingplatz in Lipno an und überbrücken die Wartezeit bis der Chef um 11:30 Uhr kommt mit einem Frühstück und der Platzbesichtigung. Von dem See haben wir wohl nichts zu befürchten, aber auch hier steht das Wasser (von oben) auf dem Platz, und es regnet, regnet, regnet. Was nun? Franz, Martina und Bernd verabschieden sich nun doch lieber, und unsere kleine Gruppe dezimiert sich nochmals. Nobbi, Manuela, Herbert und wir entscheiden uns nach Česke Budĕjovice zu fahren, da Nobbis Auto dort bis Montag in der Werkstatt steht. Auch das überaus preiswerte Angebot von 400,- Kč Ü/HP á Person im Hotel kann uns jetzt nicht mehr davon abbringen.

 

Also zurück über Vyššý Brod inklusive der Einkehr im „Panský Dům“ – wenigstens einem Highlight des Tages. Herabstürzende Wassermassen überfluten die Straße nach  Český Krumlov und werden wohl bald dafür sorgen, dass auch diese Verbindung bald gesperrt werden muss.

 

Und es ist kaum zu glauben, es regnet weniger, zeitweise sogar überhaupt nicht, und in  Česke Budĕjovice können wir uns auf dem Campingplatz „Dlouhá louka“ endlich wieder einrichten.

 

Mo., 03.06.13

 

Was erwartet uns wohl am Morgen? Regen! Soll es doch! Wir statten der Budweiser Altstadt einen kurzen Besuch ab. Hier haben Moldau und Malše ihren Hochwasserzenit wohl noch nicht erreicht. Neugierig wie es inzwischen in Zlatá Koruna aussieht, zieht es uns für eine Kaffeepause dorthin – sehr zur Freude von Dana. Hier geht das Wasser allmählich zurück, Weg und obere Wiese sind teilweise aus den Fluten wieder aufgetaucht.

 

Auch in Český Krumlov hat sich die Lage teilweise wieder entspannt. Ein Bummel durch die Altstadt ist wieder möglich, die Straße zur Brauerei Eggenberg allerdings noch gesperrt. Die Polečnice zeigt sich immer noch breiter als sie eigentlich ist und die Moldau jagt immer noch rasant durch das Omega um die Altstadt sowie über die Wehre. Dank der wieder trockenen Altstadt können wir uns im Steakrestaurant „Maštal“ kulinarisch verwöhnen lassen, bevor wir nach Boršov aufbrechen.

 

Bei der dortigen Wehrbesichtigung staunen wir doch etwas, denn die Moldau hat dieses überdimensionale Wehr fast geschluckt und fast fahrbar gemacht, wenn die reißenden D-Zug-Kehrwasser nicht wären. Ein Ausstieg vor der Barriere ist tatsächlich möglich, problematisch wäre aber der Einstieg hinter dem Wehr.

 

Noch etwas erfreuliches zum Ausklang des Tages: Es regnet nicht mehr!

 

Di., 04.06.13   Auf kulturellen Pfaden

 

Vormittags besuchen wir Hluboká nad Vltavou – eine kleine Stadt mit einem prächtigen Schloss, das in seiner hellen Pracht seit dem 19. Jahrhundert auf einer Anhöhe über der Moldau wacht.

 

Es begleitet uns zwar ein leises Nieseln, aber wen stört das schon nach den zuvorigen Himmelsergüssen.

 

Nachmittags bummeln wir durch den kleinen Ort Týn nad Vltatvou. Es wird nur ein kurzer Bummel, denn viel zu sehen außer dem Marktplatz mit seinen alten Gebäuden gibt es hier nicht. Auch hier hat die Moldau ihre Spuren hinterlassen, denn mit ihrem allmählichen Rückzug hinterlässt sie Unrast, Gestrüpp und Baumleichen als Mahnung am Ufer ab.

 

Wieder zurück in Česke Budĕjovice beschließen wir den Tag im nahe gelegenen Restaurant „Pegast“ - eine gute Entscheidung und einen wiederholenden Besuch wert.

 

Mi., 05.06.13   Endlich auf die Moldau!

 

Luxus am Morgen - Frühstück im Sonnenschein! Unser Entschluss steht fest, wir wollen paddeln. Da die Holzbrücke zur Brauerei Eggenberg  in Český Krumlov noch gesperrt ist, setzen wir weiter unterhalb am neuen Campingplatz ein.

 

Rasant nimmt uns die Strömung auf. Wellenreiten und sanfteres Gleiten bieten viel Abwechslung, aber gerade der hohe Wellengang, der die Steinbrocken im Flussbett nur erahnen lässt, fordern auch viel Konzentration. Die flachen Uferbereiche hat die Moldau noch immer fest im Griff. Teilweise zeigen nur in Stromrichtung geneigte Bäume die eigentliche Begrenzung des Flussbettes an.

 

Vor dem Wehr in Zlatá Koruna, dessen Bootsgasseneinfahrt noch immer nicht vom Wasser aus erkennbar ist, gleiten wir ganz entspannt auf das Ufer und beenden hier unsere Abschussfahrt. Als wir hier erfahren, dass die Moldau noch gesperrt ist (z.Zt. 237m³/s anstatt 17-20 normal), verzichten wir schweren Herzens doch lieber auf die morgig geplante Tour und werden nach Hause aufbrechen.

 

Do., 06.06.13  Land unter!

 

Wir müssen einfach nochmal nach Zlatá Koruna. Nach einem Kaffee, der inzwischen vierten Verabschiedung von Dana & Co. sowie der Versorgung mit belegten Baguettes als Reiseproviant, treten wir unsere Heimreise an. Die fast wieder friedlich fließende Polečnice hat in Český Krumlov inzwischen auch die Straße und somit den direkten Weg Richtung deutscher Grenze freigegeben.

 

Ein kurzer Abstecher nach Soumarský Most zur Warmen Moldau oberhalb des Lipno-Sees, eine letzte tschechische Stärkung im dortigen Restaurant und weiter geht’s - bis Deggendorf. Hier geht fast nichts mehr – Land unter! Nach einer weiteren Landpartie über Viechtach kommen wir endlich in Nürnberg auf die Autobahn. Noch ein gemeinsamer Aufenthalt im Autohof Geiselwind, dann heißt es, Abschied voneinander zu nehmen.