Die erste Moldau-Ausfahrt mit dem G-O-C

 

Leider ist es nicht mehr möglich die Moldau oberhalb des Stausees zu befahren (die ersten und letzten Bilder), da diese Abschnitte mittlerweile reglementiert sind. Nichts desto trotz hat sie auch weiterhin ihre Reize, auch wenn die Wehre und einige Flusspassagen z. T. entschärft wurden. Während wir auf dieser Tour die Fahrzeuge noch täglich vorgefahren haben, ist seit einiger Zeit der Campingplatz in Zlata Koruna unser festes Standquartier. Von hier aus fahren wir, abhängig von der Frequentierung vom Wetter die einzelnen Abschnitte.

 

Genusstour auf und entlang der Moldau
1. GOC-Ausfahrt in östliche Gefilde vom 20. – 27. Mai 2006

„Am Grunde der Moldau wandern die Steine…“  Mit diesen Worten beginnt Brechts Vertonung von Smetanas Hymne auf den Fluß, deren Wahrheitsgehalt jeder bestätigen kann, der die Moldau befahren hat. Zahlreiche Steine bedecken den Flussgrund und tragen zu einer abwechslungsreichen Kanutour in einer reizvollen Landschaft bei, in der unsere kleine Gruppe für eine Woche dem Alltagsstreß entfliehen will. Nach einer Tagestour durch den Nationalpark Böhmerwald wird uns die Moldau von Vyšší Brod bis Boršov führen, wobei ein Tag Pause in Tschechiens schönster Stadt Český Krumlov ein kulturelles Vergnügen sein wird.

Ihren Ursprung hat sie in den beiden Quellflüssen Warme Moldau (Teplá Vltava), die im Nationalpark Böhmerwald (Šumava) in einer Höhe von 1175 m entspringt, und der aus Bayern kommenden Kalten Moldau (Studená Vltava). Erst nach deren Vereinigung wird daraus die Moldau (Vltava). Hier befinden wir uns schon mitten im Zentrum der Niederungsmoore, deren Entstehungsgeschichte beginnt, als sich die Eiszeitgletscher aus dem Talkessel der oberen Moldau zurückziehen. Heute gehören sie zu den streng geschützten Naturreservaten.

Unterhalb der Stauseen windet sich die Moldau ab Vyšší Brod durch ein enges, tief eingeschnittenes Waldtal bis Český Krumlov, deren Altstadt sie in einem omegaförmigen Bogen umfließt.


In weiteren Flußschleifen strömt sie anschließend durch eine einsame Waldgegend, deren Ufer markante Felsen säumen. Die zunehmende Strömungsgeschwindigkeit führt über einige reizvolle Schwallstrecken bis Boršov. Einige Wehre unterbrechen die Fahrt, wovon fast alle mit mehr oder weniger fahrbaren Bootsgassen versehen sind, deren Wellen am Ende schon manchem Paddler ein unfreiwilliges Bad beschert haben.

Für die elementaren Grundbedürfnisse wird entlang der Moldau bestens gesorgt, was einige Zitate aus dem Buch  „Essen und Trinken in Böhmen und Mähren“ vortrefflich beschreiben:
 „Die physische Leere des Magens wird hier vollkommen und sehr angenehm ausgefüllt, namentlich in der Kategorie der Mehlspeisen (Semmelknödel, Apfelstrudel, Palatschinken…). Wehe dem, der keinen böhmischen Magen mitbringt! Figur und Cholesterinspiegel sollte man schleunigst vergessen, fasten kann man dann wieder zu Hause!“ Und noch ein Tipp des Autors zum Schluß: „Am besten, Sie bringen Hosen und Röcke schon vor der Reise zum Schneider. Eine Nummer größer dürfte für’s Erste reichen.“                                                                     
Teilnehmer:        Herbert Wiedenmann, Dieter Tichy. Roland Pfersich, Karl-Michael Koch, Friedrich Blase, Ottmar Albrecht, Johannes Fischer,
Irmgard und Thomas Schwarz, Bärbel und Simon Albrecht, Susanne Hiemisch und Manfred Gusik und Sylvia Koch

20.05.06    Treffpunkt: Lenora

Abfahrt:   7:00h in Albaxen            Rast: 10:15-10:45h Autohof Geiselwind
Ankunft: 14:10h in Lenora            Grenze: 14:05h       

Nach und nach trudeln die unterschiedlichsten Canadier samt ihrer Besitzer Friedrich, Roland, Ottmar, Herbert und Dieter am verabredeten Treffpunkt in Lenora ein, bis es reichlich eng wird in der kleinen Straßenausbuchtung.

Gemeinsam geht’s weiter zum idyllischen Biwakplatz Soumarský Most, der sich mitten im Wald entlang einer weiten Kurve der Warmen Moldau ausstreckt. Mittels kreativer Symbolzeichnungen gelingt die Anmeldung problemlos und schon bald zieren unsere „Wohnstätten“ der nächsten Tage das Ufer des Flusses.

Nachdem auch Irmgard und Thomas eingetroffen sind, die zunächst vom gegenüberliegendem Ufer die Örtlichkeiten erkundet haben, kümmern wir uns im nahe gelegenen „Hospoda Soumarský Most“ um das leibliche Wohl. Gekümmert hat sich auch der liebenswerte Kellner, nämlich um uns, so dass keiner über lange Wartezeiten klagen kann – für Nachschub wird stets gesorgt.

21.05.06    Soumarský Most – Pěkná: Im rauschenden Wald

Abfahrt:  11:00h in Soumarský Most          1. Rast:  12:10-12:45h an EB-Brücke
Ankunft: 15:30h in Pěkna            2. Rast:  14:10-15:00h am Zusammenfluß Warmer + Kalter Moldau

Unter Vogelgezwitscher werden die Boote zu Wasser gelassen und sogleich durch die ersten, kleinen Stromschnellen manövriert. In der zügigen Strömung paddeln wir durch die einsame Waldkulisse mit seinen zauberhaft wirkenden Niederungsmooren, deren Krautbewuchs einen weiten Blick in die Landschaft freigibt. Stille umgibt uns. Schmal windet sich die Warme Moldau in engen Kurven ihrem Treffpunkt mit der Kalten Moldau entgegen – ein beliebter Rastplatz der Paddler und eine der wenigen Möglichkeiten im Gebiet der geschützten Moore an Land zu gehen. Auch wir nutzen diesen Ort der Vereinigung für eine ausgiebige Ruhepause, um verbrauchte Energien wieder aufzutanken.

Ausgeruht legen wir wieder ab, um die letzten Kilometer bis zur Brücke von Pěkná auf der breiter gewordenen Moldau zu paddeln. Hält man für einen Augenblick inne und lauscht in den Wald hinein, versteht man, warum der Böhmerwald im Tschechischen Šumava = „Der Rauschende“ heißt. Man kann es hören. Kurz vor unserem Ziel strömt sie noch einmal schwungvoll durch ein paar Kurven, in denen einige Bäume ihre Äste weitgreifend ausgebreitet haben. Schließlich kommt die kleine Brücke in Sicht. Den kleinen Schwall nehmen wir noch mit und landen direkt dahinter am linken Ufer an.

Schnell sind die Autos beladen, ebenso schnell ist unser Lager in Soumarský Most abgebaut, und unsere Karawane zieht an den Stauseen vorbei, um es auf dem Campingplatz „Pod Hrází“ in Vyšší Brod erneut aufzubauen. Hier bekommen wir ein Schauspiel der besonderen Art geboten, wobei die Moldau als Bühne fungiert und das Element Wasser eine wichtige Rolle spielt: Praxisbezogener Schulsport im Kanu – Baden inbegriffen.

Schließlich treibt uns der Hunger ins Zentrum der Stadt, wo zunächst die Geldautomaten einer Dauerbelastung bravourös standhalten und anschließend der Kellner im alten „Hotel Panský dům“ unserer Bestellungslust. Eine der tschechischen Spezialitäten des Hauses sollte man sich hier keinesfalls entgehen lassen: „Topinka“ – geröstete Brotscheiben, die hier mit einem pikanten Gulasch serviert werden! Liebhaber von Desserts erleben ein Gedicht aus Crêpes, Eis, Obst und Sahne, wenn sie noch Platz für den „Kaiserpalatschinken“ haben.

22.05.06    Vyšší Brod – Pod Čerinem: Den Steinen ein Schnippchen schlagen

Abfahrt: 11:00h in Vyšší Brod            Rast:14:00-15:00h in Rožmberk
Ankunft:16:45h in Pod     Čerinem   

Nach dem Warmpaddeln im oberen Moldautal beginnt nun die fortlaufende Tour bis Boršov mit dem heutigen Etappenziel Pod Čerinem. Da die enge Zufahrt zu diesem Biwakplatz für das Wohnwagen-Gespann von Irmgard und Thomas eine äußerst wagemutige Herausforderung darstellt, steht der Entschluß fest, noch einmal in Vyšší Brod zu übernachten. Inzwischen hat sich Johannes unserer Paddelgemeinschaft angeschlossen und sich spontan als Nachtwächter der Boote am Biwakplatz angeboten.

Endlich geht es aufs Wasser. Nach einem ruhigen Start auf der Moldau, sorgt die Einsetzstelle hinter dem Wehr „U Bílého mlýna - Vyšší Brod“ für etwas Aufregung. Ein paar Meter dahinter lauert ein überspülter, mittelprächtiger Felsstein auf unaufmerksame Paddler. Auch die Strömung tut ihr Bestes, damit Kurs auf ihn genommen wird. Bei uns beißt sie auf Granit, diese Hürde wird gemeistert.

Einzelne Steine lockern auf den nächsten drei Kilometern die gleichmäßige Strömung auf - wie geschaffen, um sich aufs Kehrwasserfahren einzustellen. Allerdings können sich beim derzeitigen Wasserstand nur große Steine über der Wasserfläche behaupten.

Das nächste Wehr – „Horní mlýn – Herbertov“ – versperrt die Moldau, hinter dem eine Treppe wieder ins Unterwasser führt. Auch hier behindern Steine die Ideallinie zum Ablegen, so dass wir sofort einen eleganten Bogen um die Störenfriede schlagen.

Wieder beleben einige kleine Stromschnellen und Steine den Fluß, der sich in weiten Schleifen der Stadt Rožmberk entgegen windet. Schon von weitem ist deren gleichnamige Burg sichtbar, die sich hoch über dem Ufer erhebt und auf drei Seiten von der Moldau umflossen wird. Bevor wir die Burg umpaddeln, legen wir erst einmal hinter der Straßenbrücke am linken Ufer an und genießen die klassische, altböhmische Knoblauchsuppe, die sich nicht nur bei den Einheimischen ungebrochener Beliebtheit erfreut.

Kaum abgelegt, müssen wir schon wieder aussteigen, um das Wehr „Dolní mlýn – Rožmberk“ zu überwinden. Während einige bereits die Canadier umtragen, steigt Ottmar wieder ein, um die Bootsgasse zu fahren. Er bekommt allerdings erst das Okay für die Einfahrt, als die Kameras schussbereit sind, damit das Ereignis auch für die Nachwelt festgehalten wird. Unser Applaus für die gemeisterte Befahrung ist ihm gewiß!

Nach einer ruhigen Paddelstrecke durch die einsame Waldlandschaft, auf der nur noch wenige Steine ihr Antlitz zeigen, erreichen wir unser Tagesziel, den Lagerplatz „Pod Čeřínem“.

Als wir wieder in Vyšší Brod eintreffen, werden wir bereits von Susanne und Manfred nebst Hundedame Adelheid erwartet. Allerdings wartet
der Tag auch noch mit einer weniger guten Nachricht auf: Es laufen Bestrebungen, ab nächsten Jahres die Warme Moldau im Nationalpark zu sperren.

23.05.06        Pod Čerinem – Český Krumlov: Heldentaten

Abfahrt: 11:45h in Pod Čerinem            Rast:12:50-13:35h Wehr Papiermühle
Ankunft:15:00h in Český Krumlov   

Während Roland einen Tag Paddelpause einlegt, machen wir uns für die nächste Etappe startklar. Bis Český Krumlov liegt ein ruhiger Flussverlauf vor uns, auf dem nur zwei Wehre für etwas Abwechslung sorgen. Als wir am Wehr „Pečkovský mlýn“ der Papierfabrik von Větřní mit seiner 90m langen Bootsgasse am rechten Ufer anlanden, stürzt sich sofort der Lehrer einer dort pausierenden Schulklasse hoffnungsfroh auf Michael: „Darf ich das Boot runterfahren? Ich habe keine Angst!“ Michael auch nicht, so muß er leider den armen Mann enttäuschen. Mir ist diese lange Gasse allerdings nicht ganz geheuer, obwohl sich am Ende keine Welle auftürmt. Aber das Tempo abwärts…! Wie Susanne, Irmgard, Thomas und Johannes beschränke ich mich aufs Zuschauen und Zujubeln der mutigen Befahrer.

Bereits zwei Kilometer weiter und wenige Meter vor unserem Zielcampingplatz „Nové Spolí“ treibt uns das nächste Wehr aus dem Wasser: das „Konopa - Nové Spolí“ mit seinem 1,5m hohen Abfall und nur 46m langen Bootsrutsche. Auch diese Flussbarriere wird bezwungen – zu Fuß am rechten Ufer entlang, aber auch entsprechend der Funktion der Bootsrutsche von Ottmar und Manfred, unseren „Helden des Tages“!

Eiligst richten wir uns auf dem Campingplatz häuslich ein, denn außer uns sind noch einige Schulklassen gerade eingetroffen, um ebenfalls hier Station zu beziehen. Als die notwendigen Pflichten erledigt sind, zeigen sich auch erste Anzeichen von Leben im Lager der Christian-Löhnert-Truppe, die auch auf der Moldau unterwegs und nur einen Tag vor uns gestartet sind.

Nach einem kurzweiligen Erfahrungsaustausch hat nur noch eins Priorität: Nahrungsaufnahme! So marschieren wir über die alte, tunnelartige Holzbrücke des nur bedingt fahrbaren Wehres „Na Rechlích“ Richtung Stadtzentrum, wo wir uns mal wieder von der tschechischen Küche reichlich verwöhnen lassen.

 

24.05.06    Český Krumlov: Bewältigung der vielfältigen Eindrücke am Abend

Nach einem kurzen Abschiedsplausch mit der Löhnert-Truppe und Johannes, der seinen letzten Tag lieber paddelnd verbringen will, steht die Eroberung Český Krumlovs auf dem Programm, deren unzählige Altstadtgassen sich zu einem verwirrenden Knäuel ständig pulsierenden Lebens verdichten. Die auf Platz Zwei im UNESCO-Verzeichnis hinter Venedig rangierende Stadt hat ihren mittelalterlichen Charakter bestens bewahrt. Renaissancefassaden, bunte Fresken sowie das Familienwappen-Symbol des Fürstengeschlechts Rosenberg, die fünfblättrige Rose, schmückt die zahlreichen kleinen Geschäfte und Restaurants in den schmalen, winkligen Gassen. Oberhalb der Stadt erhebt sich die alles überwachende Festungsanlage mit seinen fünf Innenhöfen, die durch einige Umbauten ihren Schlosscharakter bekommen hat und gerade mal sechs qm kleiner sein soll als der berühmte Prager Hradschin.

Wieder geht es über die alte Holzbrücke auf die andere Seite der Moldau und auf direktem Weg, d. h. hügelauf und hügelab, Richtung Altstadt. Nebenbei wird das nächste Wehr in Augenschein genommen, welches im günstigsten Falle getreidelt werden kann. Nach dessen Überwindung können die folgenden beiden Stadtwehre umgangen werden, wenn man die Boote an der engsten Stelle des Moldaubogens durchs „Mauseloch“ umträgt. Für Schulklassen gilt das nicht unbedingt, denn die Wehre sind beliebte Übungsstellen für die jungen Kanufahrer. Eine Bootsmannschaft nach der anderen versucht die Wellen am Ende der jeweiligen Bootsgasse zu bewältigen – oft führt anschließend nur noch ein Fußmarsch durchs flache Flussbett ans rettende Ufer.

In der „Brauerei Eggenberg“, der berühmtesten der Stadt, erholen wir uns ausgiebig bei den dargebotenen kulinarischen Spezialitäten - zu Preisen, wovon man zu Hause kaum selber kochen kann. Mit rustikalen Gerichten der böhmischen Küche schaffen wir uns die Grundlage zum Genuß der Prazdroj-Brauereikunst. Dermaßen gestärkt widmen wir uns wieder der Stadt und deren weitläufiger Schlossanlage, während sich Ottmar auf dem Weg macht, um seine Frau und seinen Sohn von Passau abzuholen, damit auch sie die Moldau kennen lernen.

Kaum einer marschiert aber zielstrebig durch das Schloßtor. Fast jeder „klebt“ zunächst am Zaun oder bleibt auf der Brücke über dem Burggraben hängen, um einen Blick auf die Bären zu werfen, die in der Tiefe ein eher kümmerliches Zuhause haben, umher trotten und keinerlei Notiz vom neugierigen Volk nehmen. Auf dem Weg zum Schlossgarten genießen wir von der Balustrade der hoch aufragenden Mantelbrücke einen herrlichen Blick auf die Stadt und die Moldau. Direkt unter uns befindet sich eines der vier Stadtwehre, deren hauptsächliche Aufgabe darin besteht, den Fluß zu zähmen. Nach einem weitläufigen Weg erreichen wir den großzügig angelegten Schlossgarten, in dem sich alte und neue Elemente mischen wie das original erhaltene Barocktheater und das moderne Sommertheater mit drehbarem Zuschauerraum.

Ein wenig sensationslustig kehren wir zum Kaffeetrinken im „Restaurace Krumlovy Mlýn“ am Wehr unterhalb des Schlosses ein. Leider kommt kein Paddler mehr vorbei. So lenken wir unsere Sensationsgier, zumindest was Irmgard, Thomas, Roland und mich betreffen, auf das Foltermuseum, welches sich unterhalb des Touristenbüros entlang zieht. In der beklemmen gestalteten Atmosphäre der Kellergewölbe fühlen wir uns sofort ins Mittelalter zurückversetzt, wenn uns ein vor Entsetzen erstarrtes Gesicht aus einer vergitterten Gruft anstarrt oder Folter- und Hinrichtungsszenarien Gestalt annehmen. Währenddessen sitzen Michael, Roland, Herbert und Dieter ebenfalls im Keller, allerdings wesentlich geschmackvoller im eindrucksvollen Gewölbe der „Pivnice Katakomby“, dem Bierkeller des Hotels „Old Inn“, zu dem eine steile, enge Wendeltreppe hinunter führt. Hier treffen wir zusammen, um gemeinsam zum Campingplatz zurückzukehren.

Um die vielfältigen Eindrücke des Tages zu verarbeiten, leistet die 13. Karlsbader Quelle heute Abend das erste Mal richtige Arbeit. Auch Friedrichs als „Mitbringsel“ gedachte Flaschen werden eingezogen. Als uns einsetzender Regen in die Zelte treibt, sind auch diese Flaschen längst geleert.

25.05.06    Český Krumlov – Zlatá Koruna: Ein nasses Vergnügen kurz vor Schluß

Abfahrt: 11:00h in Český Krumlov            1. Rast:13:00-13:35h
Ankunft:15:20h in Zlatá Koruna            2. Rast: 13:50-14:30h „Hacienda“



Um uns den Fußweg durch das „Mauseloch“ zu ersparen, werden wir erst hinter den Stadtwehren Český Krumlovs unterhalb der „Brauerei Eggenberg“ an der Brücke einsetzen. Aber vor dem Vergnügen kommt die Pflicht: die Versorgung mit Becherovka!

Bis Zlatá Koruna bremst kein künstliches Hindernis mehr den Flußlauf der Moldau, die sich in ihrem mal schmalen, mal breiten Flussbett allmählich entfalten kann und sich in weiten Kurven durch die einsame Waldgegend windet. Manche Welle reizt zum Surfen und einige leichte Kehrwasser am Ufer zum „Einparken“. Noch halten die zum größten Teil unter der Wasseroberfläche liegenden Steine große Distanz zueinander, so dass es keinerlei großartiger Manövriertechniken bedarf, um sie ohne Feindberührung hinter sich zu lassen.

Nachdem uns leichte Feuchtigkeit von oben frühzeitig von unserem auserwählten Mittagsrastplatz vertrieben hat, müssen wir natürlich noch einmal rasten. Wie passend, dass die „Hacienda“ an unserem Weg liegt. Gegen Bares wechselt hier so manches Bier und Würstchen seinen Besitzer. Jetzt sind wir auch wieder fit genug, um das Wehr von Zlatá Koruna zu bewältigen, welches nur wenige Meter vor dem Campingplatz liegt.

Wagemutig fahren die Ersten durch die Bootsgasse, voll auf Michaels und Manfreds Worte vertrauend: „Da unten steht keine große Welle.“ Von der Straße aus gesehen scheint dem auch so zu sein. Susanne und ich stehen direkt am Ende der Bootsgasse und staunen nicht schlecht, was für ein „Loch“ mit nachstehender Welle sich da vor uns auftut. Fahrbar ist die Rutsche schon, aber duschen braucht man hinterher nicht mehr! Was auch Bärbel und Simon bestätigen können, die nach Ottmars Anweisungen durch die Wasserwand sausen. Herbert und Dieter, die lieber auf dem Campingplatz warm duschen wollen, staffieren sich entsprechend aus, bevor sie sich an die Abfahrt wagen.

Während die einen noch mit der Entwässerung ihrer Boote beschäftigt sind, setzen Susanne und ich unterhalb des Wehres wieder ein und erreichen in der zügigen Strömung bald darauf den Campingplatz. Am gegenüberliegenden Ufer wacht noch immer das befestigte Zisterzienserkloster aus dem 13. Jh. über Fluß und Ort. Einst diente es dem Schutz der Bevölkerung, heute beherbergt es eine Kunstausstellung. Vor dem Kloster befindet sich ein kleines Restaurant, welches leider keine freien Plätze für den heutigen Abend mehr hat. Aber die Alternative im Zentrum des kleinen Ortes ist auch nicht zu verachten. In Ermangelung einer Speisekarte übersetzt der Wirt persönlich seine angebotenen Gerichte - immer wieder, bis jeder etwas gefunden hat.

26.05.06        Zlata Koruná – Boršov: Rückkehr zum Ursprung im Anschluß

Abfahrt: 11:15h in Zlata Koruná        Rast:12:40-13:15h Dívčí Kámen
Ankunft:14:30h in Boršov

Das „Highlight“ der Tour liegt vor uns. Die Flusskarte der heutigen Etappe ist gespickt mit zahlreichen roten Wellen, die Schwallstrecken unterschiedlichster Länge kennzeichnen und bis kurz vor Březí einen springlebendigen Flußlauf versprechen. Da Friedrich heute schon nach Hause fahren will, entgeht ihm leider der interessanteste Flussabschnitt.

Munter rauscht das Wasser stromabwärts und nimmt uns zügig mit, so dass wir ohne große Muskelkraft vorwärts getrieben werden. Die Moldau steigert sich zu einem quicklebendigen Strom, fließt in unterschiedlich langen Passagen über die im Wasser versammelten Steine. Manches Mal schauen ihre Kuppen noch vorwitzig aus dem Wasser heraus, aber selten laden Wellen zum Surfen und Kehrwasser zum Einfahren ein. Trotzdem wird es eine abwechslungsreiche Tagestour - auch aus künstlerischer Sicht. Teilweise beherrschen bizarre Steinskulpturen ganze Uferregionen der prächtigen Naturkulisse und zeugen von der Kreativität der Tschechen, aus einfachsten Mitteln Dekoratives zu gestalten.

Schließlich beruhigt sich die Moldau wieder und bewegt sich nur noch langsam auf das zerfallene Wehr „U Rybů“ zu. Aber wo ist der Absatz, der die in die Zunge einfahrenden Paddler kurzzeitig außer Sicht bringt? Wo sind die sich auftürmenden Wellen, die manches Boot in eine Badewanne verwandeln können? Nichts davon ist mehr da! Der derzeitige Wasserstand hat alles geschluckt bzw. geglättet, so dass nur ein Bruchteil des schönen Schwalls übrig geblieben ist, der auf diese Art alle trocken durchs Wehr geleitet. Knapp 100m dahinter türmt sich die große Wehranlage „Zátkův mlýn –Březí“ vor uns auf, die links umtragen werden muß, da keine Bootsgasse zwischen den diversen schrägen und senkrechten Abfällen ins Unterwasser führt. Noch wenige Meter sind zu paddeln, und wir haben unsere Aussetzstelle in Boršov erreicht.

Sollte sich die angekündigte Sperrung der Warmen Moldau im nächsten Jahr durchsetzen, wollen wir noch einmal die Möglichkeit nutzen, durch den Nationalpark zu paddeln – vielleicht das letzte Mal. Nachdem sich Irmgard und Thomas von uns verabschiedet haben, fahren wir nochmals nach Soumarský Most, begleitet von äußerst feuchten Himmelsgrüßen.

Michael und Herbert begeben sich sofort auf die Suche nach einer Einsetzstelle oberhalb von Lenora und präsentieren anschließend zwei Möglichkeiten:

1. Einsetzen in den Schwarzenberg-Kanal, der oberhalb des Flusses entlangführt und ein herrlichen Blick auf das Moldautal bietet, aber einen Anmarschweg von 200-300m nötig hat;
2. Einsetzen in Horní Vltavice, ca. drei Flusskilometer vor Lenora.

Einen Anmarschweg brauchen wir nicht unbedingt, so entscheiden wir uns für die zweite Alternative. Nachdem das geklärt ist, wird noch einmal das bereits bekannte Restaurant aufgesucht. Wir marschieren los im strömenden Regen, wir kehren zurück im strömenden Regen, der inzwischen für reichlich Wasserzufuhr gesorgt hat und die Moldau schon etwas über die flachen Ufer treten lässt.

27.05.06    Soumarský Most – Pěkna: Noch einmal durch die Moore

 


 

Abfahrt:  10:15h in Soumarský Most            Ankunft: 13:00h in Pěkna     

 

 

Welch ein Anblick am Morgen! Die Moldau hat inzwischen schon einiges Land der Uferregionen in Besitz genommen, so dass wir vor unserer Abfahrt vorsichtshalber die Zelte in sichere Zonen umsetzen. Obwohl es trocken ist, verspricht der triste Himmel über uns nichts Gutes. Grund genug für Manfred und Susanne, um noch heute die Heimreise anzutreten. Auch Roland will heim, hilft aber noch beim Autoumsetzen.

 

 

 

So bricht eine stark reduzierte Gruppe frohgemut zur letzten Tagestour auf. Auf der Fahrt zum Einsatzort Horní Vltavice besichtigen wir das Wehr Lenora, welches dank der Wassermenge fahrbar ist. Bedenklich stimmen uns allerdings die engen Kurven in der Umgebung der Straßenbrücke Lenoras, die wir uns vorsichtshalber genauer ansehen. Als wir die rasante Strömung ins Visier nehmen, die um enge 180°-Grad-Kurven rauscht, verwerfen wir ganz schnell unseren Plan und kehren nach Soumarský Most zurück, um von dort noch einmal bis Pěkna zu paddeln.

 

 

 

Am Biwakplatz macht sich gerade eine Gruppe Leihcanadierpaddler bereit, aufs Wasser zu gehen. Sicherlich haben die keine Ahnung, was sie in den nächsten Stunden erwarten wird. Michael hat aber auch nicht erwartet, dass ihm die erste, jetzt sehr niedrige Brücke zum Verhängnis wird. Die passiert er zwar noch in bester Art und Weise, nur treibt dabei sein Hut mit ihm Spielchen, was letztendlich dazu führt, dass seine Fahrt an den folgenden im Wasser hängenden Baumästen abrupt unterbrochen wird. Währenddessen die Leihcanadier mehr oder weniger kieloben im Fluß hängen, bleibt dieses aber das einzige Missgeschick auf unserer Tour.

 

 

 

Wie anders als die Woche zuvor stellt sich jetzt die Landschaft dar. Einen weiten Blick hat man immer noch, aber nun sind die Niederungsmoore derart überschwemmt, dass dessen Krautbewuchs nur noch wie vereinzelte Haarbüschel aus dem Wasser heraus schauen. Land unter heißt es auch am Zusammenfluß der Warmen und Kalten Moldau. Von dem einstigen schönen Rastplatz ist nichts mehr zu sehen. Die flotte Strömung veranlasst uns, bereits vor der Brücke von Pěkna anzulanden. Außerdem hat das Wasser nicht nur den hübschen, kleinen Schwall unter der Brücke geglättet, sondern auch den Anlandeplatz unter sich begraben.

 

 

 

Wie sehr die Moldau im Laufe der wenigen Stunden gestiegen, sehen wir schon auf dem Zufahrtsweg zum Biwakplatz Soumarský Most, der bereits teilweise unter Wasser steht. Noch kann man gerade noch so durchfahren. Es fragt sich nur: Wie lange noch? Deshalb packen wir eiligst unsere Siebensachen zusammen, verabschieden uns von einander und freuen uns bereits auf die nächste gemeinsame Tour.

 

 

 

Abfahrt: 14:30h in Soumarský Most              1. Rast:14:40-15:40h in Rašnici

Ankunft:22:40h in Albaxen                             2. Rast: 20:00-20:40h Autohof Fulda Nord

Rückblickend bleibt nur noch eins zu sagen,

 

daß die Erwartungen erfüllt worden sind, drückt sich wohl am besten in der Hoffnung auf, dass Michael so eine Tour im nächsten Jahr wieder im GOC ausschreiben wird - auf der Moldau oder einen anderem tschechischen Gewässer. Auch ist ein Name für dieses Ereignis gefunden worden: „Die Becherovka-Ausfahrt“