Dienstag, 26.07.05     Auf der Pflanzenwelt der Seen

 

Abfahrt:  11:40h am Sartai-See/Rast: 14:30-15:15h zw. Rašai-See + Liminas-See/Ankunft: 15:50h am Rašai-See

 

Tageskilometer:          13,4

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  4,4 km/h /8   km/h  

 

Der ersehnte Tag ist da! Das Lager ist abgebaut, die Canadier sind beladen. Es kann losgehen! Im leichten Windhauch kräuselt sich das klare Wasser des großen Sartai-Sees. Wir paddeln an dem Hippodrom vorbei, welches alljährlich am ersten Februarwochenende Ausgangspunkt für das berühmte Pferdetrabrennen über einen 1,6 km langen Parcour auf dem zugefrorenen See ist.

 

Stille umfängt uns, die letzten Streßfalten glätten sich, der Entspannungsprozeß beginnt. Doch der gerät etwas

 

ins Stocken, als wir in den linken Ausläufer des Sees einbiegen wollen, der von einer Brücke überspannt wird.

 

Rechts und links frönen Angler ihrer Leidenschaft und zwischen ihnen breitet sich ein dicht verschlungener, grüner Teppich mit weißen und gelben Farbtupfern aus. Langsam nähern wir uns diesem Gewirr aus See- und Teichrosen, denn jetzt schon Aussteigen ist noch nicht angesagt. Vorsichtig schieben wir uns durch diese anfänglich undurchdringlich scheinenede Seebarriere, die nach einigen Metern wieder einen schmalen Wasserweg freigibt. Dieser entwickelt sich allerdings immer mehr zu einem Labyrinth durchs Schilfrohr.

 

Mit viel Gespür finden wir dennoch die richtige Passage der gut getarnten Šventoji in den Rašai-See, der von breiten Schilfgürteln umrahmt wird. Allerlei Wasserpflanzen bedecken den Seegrund, strecken sich zur Wasseroberfläche und bewegen sich sanft in der leichten Strömung des Flusses.

 

Bevor man sich auf diesen See begibt, sollte man eines auf jeden Fall tun: überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper entfernen! Sophia hält das natürlich nicht für nötig. Es fängt an zu drängen, aber weit und breit ist kein rettendes Ufer in Sicht. Weit in der Ferne, kurz vor der Verengung des Sees blitzt ein schmaler Uferstreifen durch das Schilf, welcher gerade noch rechtzeitig vor der „Entwässerung“ erreicht wird. Unbeeindruckt vom Sprint der grünen Bootsbesatzung paddeln Michael und ich bis zur Wiedervereinigung relaxed weiter.

 

Während einer kleinen Rast beginnt sich der Himmel über uns eigenartig zu verfärben. Wolken und Sonne scheinen über die Vorherrschaft zu streiten.

 

Nachdem wir uns etwa eine Viertelstunde durch die Pflanzenwelt des Wassers gekämpft haben, beschließen wir eine 180°-Wendung, um in einer bereits hinter uns liegenden Bucht anzulanden. Eine weise Entscheidung!

 

Kaum stehen die Zelte, öffnet der Himmel seine Schleusen, konzertmäßig begleitet von heftigen Donnerschlägen. Gelassen unterm Dach des Campfires sitzend, beobachten wir das Schauspiel der zuckenden Blitze am Horizont. So schnell wie es begonnen hat, hört es auch wieder auf. Für den Abwasch steht danach eine Schüssel voll Regenwasser bereit. Für den Kaffee wird Seewasser gefiltert, was sich etwas langwieriger gestaltet. Doch Michael beweist Geduld, pumpt unermüdlich bis sich der Wassersack rundet.

 

 

 

Unerwartet bekommen wir am frühen Abend Besuch. Eines kann sofort geklärt werden: Campen ist hier kein Problem. Doch was der Mann noch will, begreifen wir zunächst überhaupt nicht, da wir kein Wort litauisch verstehen. Es dauert ziemlich lange bis zum „Aha-Erlebnis“: Er will nur drei Zigaretten. Damit versorgt, rudert er hinaus auf den See, hält seine Angel eine Weile ins Wasser, kehrt wieder zurück, wirft uns einen Fisch zu und verschwindet wieder.

 

Trotzdem bleiben wir nicht ganz allein. Beim fliegenden, stechenden Volk scheint sich unsere Ankunft schnell herum gesprochen zu haben. Die Attacke beginnt in der Dämmerung. Obwohl Mückenkerzen und Rauchspirale die kleinen Blutsauger etwas auf Distanz halten, gelingt es doch dem einen oder anderen, sein Nachtmahl einzunehmen.

 

 

 

Mittwoch, 27.07.05    Schilfwälder und tanzende Libellen

 

Abfahrt: 10:50 h am Rašai-See /Rast: 12:20-12:55h am /Rast: 13:50-14:25h in Ilčiukai /

 

Ankunft:15:30 h hinter Degesiai                  

 

Tageskilometer:          16,6

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  4,8 km/h / 8   km/h           

 

Trotz des gestrigen Regenschauers können wir am Vormittag alles trocken zusammen packen, wobei sich ab und zu auch die Sonne sehen lässt. Wir verlassen die schützende Bucht, folgen dem kurzen Flusslauf, bis er in den Liminas-See mündet.

 

Um die Vorfreude auf den bald beginnenden reinen Flusslauf der Šventoji noch etwas zu verlängern, umrunden wir zunächst einmal den kleinen, romantischen See, bevor wir ihn wieder verlassen. Haben wir gedacht, jetzt gleiten wir mit Hilfe der – wenn auch mäßigen – Strömung etwas leichter dahin, bringt uns die wuchernde Pflanzenfeld des teilweise sehr flachen Flussbettes schnell in die harte Realität zurück. Sie scheint es nur darauf anzulegen, uns zu behindern, wo es nur geht. Vom leichten „Durchs-Wasser-Gleiten“ weit entfernt, schieben wir uns schwergewichtig durch diesen Unterwasser-Dschungel sowie durch meterhohe Schilfwälder, die mitunter fast die gesamte Flußbreite einnehmen.

 

Für die gute Wasserqualität sprechen Scharen von tanzenden, blauen Libellen, die wir schon öfter beobachten konnten und ein Garant für sauberes Wasser sind. Mit dem Boot an der „Leine“ würden wir wahrscheinlich zu Fuß kraftschonender vorwärts kommen – aber wir sind schließlich zum Paddeln hier! Mir würde es nicht gefallen, ständig von irgendwelchen pflanzlichen Fangarmen umgarnt zu werden.

 

Ein See liegt noch vor uns. Obwohl wir nicht die leidenschaftlichen Seepaddler sind (unserem „Prospector“ liegt das eben nicht so), macht sich doch etwas Erleichterung breit, als wir mit dem Fluß in den Paštys-See münden. Nachdem wir die Schilfinsel passiert haben, genießen wir das Panorama des Sees, an dessen Ufer schöne Lagerplätze liegen.

 

Wir nehmen Kurs auf das gegenüberliegende Ufer, um nach der Halbinsel in den rechten Seeausläufer zu pad-deln. Während sich rechtsufrig leise der Röhricht wiegt, begrenzt Wald das linke Ufer. Mit dem Ausfluß aus den Paštys-See verlässt die Šventoji endgültig das Seengebiet und tritt allmählich ins Waldgebiet ein. An einer kleinen Sandbank am linken Ufer landen wir an. Ein paar in den Hang gehauene Stufen führen zu einem kleinen Rastplatz hinauf – äußerst willkommen für unsere Mittagspause.

 

Gut gestärkt kann es auf dem immer noch sehr verwachsenen Fluß weiter gehen, denn noch immer wuchert und wedelt es im Wasser. Aber es wird tatsächlich weniger, der Fluß wird tiefer, das Paddeln leichter. Gut eineinhalb Kilometer stromabwärts paddeln wir an einer schönen, großen Wiese mit kleinen reetbedachten

 

Sitzgelegenheiten vorbei. Eigentlich wie geschaffen, um dort die Zelte aufzuschlagen, aber uns zieht es heute noch nicht ans Ufer bzw. unsere Männer meinen, das Bier müsse heute noch unbedingt aufgefüllt werden. Also folgen wir weiter den Windungen des Flusses.

 

Schon bald sehen wir ehemalige Mühle von Ilčiukai, die am linken Ufer immer mehr verfällt und deren Weh

 

nur noch zu erahnen ist. Zwischen Wehr und Fußgängerbrücke landen wir an, um im Ort das „Wesentliche“

 

einzukaufen, kehren aber unverrichteter Dinge zurück. Das einstige Geschäft hat seine Pforten leider für immer

 

geschlossen. (Nur am Rande bemerkt: meines Erachtens reicht unser Biervorrat noch eine Weile. Es sieht zwar

 

stückmäßig wenig aus, aber vier Flaschen à zwei Liter mit 9,8% müssen erst einmal getrunken werden.)

 

Während uns die Šventoji in kurzen und langgezogenen Kurven stromabwärts führt, sind wir gespannt, ob wir heute noch umtragen müssen. Wir wissen nur, dass die Mühle von Degėsiai vor uns liegt. Als wir die nächsten Häuser am linken Ufer sehen, erkundigen wir uns noch einmal nach einem Geschäft. Negativ – weder hier, einer Art Ferienhausanlage, noch direkt in Degėsiai gibt es einen Laden. Die gute Nachricht: Umtragen brauchen wir auch nicht, denn von der Mühle und dem Wehr haben wir nichts gesehen.

 

Nachdem der Ort außer Sicht ist, landen wir links an einer kleinen, lauschigen Wiese an, um dort unser Lager aufzuschlagen. Doch zuvor muß noch etwas anderes getan werden: Heu häufen! Kurzerhand werden die Paddel zweckentfremdet und ruckzuck zieren zwei Heuhafen den Rand der Wiese – zur Freude des „Nachbarns“, bei dem wir uns mit frischem Brunnenwasser versorgen dürfen.

 

Während Hiram einen Holzvorrat fürs Lagerfeuer anlegt, üben wir das Wasserfiltern aus dem Fluß – eine langwierige Prozedur. Nur gut, dass wir dank des netten Bauerns nicht so dringend darauf angewiesen sind.

 

Schon bald brutzelt das Abendessen im Topf und wir können uns nach der „harten“ Arbeit den leiblichen Genüssen hingeben. Und dann soll noch mal einer sagen, Kinder drücken sich vor Hausarbeit. Nicht so Sophia! Sie kann es kaum erwarten, das Geschirr abzuwaschen. Außerdem verkündet sie, das während der ganzen Tour zu übernehmen, was sie auch halten wird. (Übrigens: Der alkoholische Vorrat hat gereicht!)

 

 

 

Donnerstag, 28.07.05             Erste künstliche und natürliche Hindernisse

 

Abfahrt: 11:25 h / Rast: 13:15-14:30h in Užpaliai /Ankunft: 17:25h  nahe Bėdžiai

 

Tageskilometer:          21,1

 

Ø / maximale Geschwindigkeit: 4,9 km/h / 9,6 km/h

 

Heute ist auf jedem Fall Umtragen und Einkaufen angesagt. Einige Kilometer hinter Kaniukai strömt die Šventoji in einer großen Haarnadelkurve der Stadt Užpaliai und dessen großem Wehr entgegen. Der eigentliche Flussverlauf ist zwar noch erkennbar, aber der Rückstau des Wehres hat inzwischen sehr viel Land unter Wasser gesetzt, so dass wir die kürzeste Strecke wählen und auf der einstigen Landzunge zwischen dem Stromverlauf weiterpaddeln.

 

Die Wehranlage kann auf kurzem Weg umtragen werden.

 

Hinter der Brücke landen wir an, um im Ort einzukaufen, ebenfalls auf kurzem Weg. Ein Teil des Einkaufs wird gleich an Ort und Stelle verzehrt, bevor wir wieder ablegen – mit guten Reisewünschen der Arbeiter versehen, die gerade einen Bootsanleger errichten.

 

Laden noch rechts und links des Flusses einige Biwakplätze und Wiesen zum Lagern ein, rückt der Wald allmählich wieder näher an die ansteigenden Ufer heran. Einige Baumstämme im Flussbett behindern kaum das Paddeln. Nur einer, der sich in einer scharfen Rechtskurve niedergelassen hat, bremst Hirams Boot plötzlich ab. Abgelenkt durch einen Kormoran, nehmen Marianne und Hiram Kurs auf den eigentlich gut zu umfahrenden Stamm. Der sucht sofort Kontakt und lässt den Canadier nicht mehr los. Dessen Neigungswinkel beim Befreiungsversuch lässt auch nichts Gutes ahnen. Also mühen wir uns wieder stromaufwärts, bringen uns hinter dem Boot im Kehrwasser in Stellung, um es von dem Hindernis herunterzuziehen. Obwohl mein „Lassowurf“ noch einiger Verfeinerung bedarf, klappt es schließlich doch. Michael legt den Rückwärtsgang ein. Zunächst beharrt der Baumstamm auf seinem Fang, aber schließlich bewegt sich der Canadier und rutsch herunter.

 

Etwa einen Kilometer hinter der Brücke nach Vilkabrukiai mündet der Vyžuona in die Šventoji, der erste er-kennbare von zahlreichen Zuflüssen, der nicht durch meterhohen Schilf verdeckt wird. Wenig später finden wir eine Sandbank in einer Rechtskurve zum Anlanden mit einem oberhalb gelegenen, wunderschönen Lagerplatz.

 

 

 

Freitag, 29.07.05        Ein Tag zum Relaxen

 

Abfahrt:  12:15 h /Ankunft: 13:10 h in Žalioji

 

Tageskilometer:          3,5

 

Ø / maximale Geschwindigkeit: 5,8 km/h / 8,8 km/h

 

Als wir unsere Lagerstätte wieder verlassen, hat der Tag seinen Zenit bereits überschritten. Noch ahnt keiner, dass es heute nur ein kurzer Trip werden wird. Die zunehmende, fast schon ungewohnte Strömung trägt uns flott voran. Rechts mündet der Nasvė in die Šventoji. Sonnenstrahlen lassen den sandigen Flußboden aufleuchten, auf dessen Grund Muschelreste golden schimmern.

 

Gerade haben wir die Brücke von Žalioji hinter uns gelassen, glauben wir zunächst nicht so richtig, was wir sehen: ein Restaurant am rechten Ufer mit einer anschließenden großen Wiese. Selbstverständlich wird angelandet, die örtlichen Begebenheiten inspiziert, die Speisekarte studiert.

 

Vorsichtige Vorüberlegungen weisen bereits in Richtung Aufenthalt, zumindest zählen wir uns schon mal die Vorteile des Platzes auf: kaltes Bier, gepflegtes Essen mit Bedienung, schöner Zeltplatz mit WC (und Sauna), Zeit zum Wäschewaschen. Als das Essen serviert wird, schwelgen wir in den Genüssen und es gebraucht nur noch ein wenig Überzeugungsarbeit an Hiram. Außerdem müssen wir ja keinem erzählen, dass wir heute nur 3,5 km gepaddelt sind.

 

Schnell sind die Zelte aufgebaut und die „Waschmaschine“ bereit-gestellt: Eine Tonne wird mit ein paar Steinen, Wasser, Waschmittel und Wäsche gefüllt. Sophias Aufgabe besteht nun darin, diese zu bedienen, soll heißen, über den Platz zu rollen. Unermüdlich läuft sie über die große Wiese und wird ihrer Aufgabe vollends gerecht.

 

Inzwischen bekommen wir einen Eindruck davon, was auf der Šventoji wirklich los ist. Kajaks flanieren nur so an uns vorbei und lassen Michaels Illusion, fast allein unterwegs zu sein, wie eine Seifenblase zerplatzen. Bei einem dieser Trupps ziert ein Gegenstand eines der Boote, welches sich bei näherer Betrachtung als Pinkelpott herausstellt – wichtiges Utensil fürs mitfahrende Kleinkind der Dresdener Familientour. Die Gruppe erkundet den Fluß bereits seit dem Luodis-See und hat einige Widrigkeiten wie zu niedrige Brücken und „verholzte“ Flussstrecken hinter sich. Bis sie zu ihrem anvisierten Ziel Anykščiai kommen, werden wir uns wohl noch einige Male über den Weg paddeln.

 

Nach getaner Arbeit kommt das Vergnügen, also ab ins kühlende Naß. Sophia wird „an die Leine“ genommen, damit sie nicht von der hier herrschenden Strömung abgetrieben wird, und kann so nach Herzenslust im Wasser herumtollen.

 

Heute bleibt die Küche eingepackt, denn wir lassen uns noch einmal von den Köstlichkeiten der litauischen Küche verwöhnen, bevor im Feuer das Holz knistert und sich die fliegenden Funken unter die Sterne mischen.

 

 

 

Samstag, 30.07.05      Bremsen- und Hagel-Attacken

 

Abfahrt: 10:30 h in Žalioji /Rast: 13:10-13:55h hinter Ragaišiai/Ankunft: 16:45h

 

hinter Lašiniai

 

Tageskilometer:          28,1

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  5,7  km/h / 12,4  km/h

 

Mit ein wenig Wehmut verlassen wir die Annehmlichkeiten des Platzes, aber auch voller Spannung auf das, was uns noch erwartet. Des Paddlers Freund ist außer Sonnenschein ebenso eine muskelschonende, flotte Strömung. Diese führt uns mäandernd zwischen Waldhängen entlang, an hochgelegenen Lagerplätzen vorbei, über tief im klaren Wasser liegende, rund geschliffene Steine hinweg sowie sprudelig durch eine scharfe S-Kurve.

 

Ein Hinweisschild mit Kaffee-, Bett- und Sauna-Symbol am linken Ufer lässt uns in Vorfreude auf ein kaltes Getränk sofort anlanden. Die Sache hat nur einen Haken. Es stellt sich heraus, dass es das erst in ca. sieben Kilometer Entfernung gibt. Kein Problem für die Anwesenden, die wie selbstverständlich ihre Hilfe anbieten und uns zum Einkaufen dorthin fahren wollen. Dankend lehne ich das freundliche Angebot ab, da das Schild ja nur die Gelüste auf ein kaltes Bier geweckt hätte und wir noch bestens versorgt seien. So legen wir unter dem verständnisvollen Lachen wieder ab und paddeln etwas später unter der Brücke nach Anykščiai durch. Einige Kilometer flussabwärts schaut ein kleines Hotel vom rechten Ufer auf den Fluß hinab, dem sich ein Biwakplatz anschließt. Dazwischen mündet der Jara in die Šventoji.

 

Immer öfter paddeln wir an schönen, großen Sandbänken vorbei und rasten schließlich auf einer zwecks nötiger

 

Nahrungsaufnahme. Von den ukrainischen Kanuten, die hier schon Siesta machen, werden wir herzlich begrüßt, wobei das obligatorische Bier natürlich nicht fehlen darf. Abschließend noch eine kurze Abkühlung im Fluß und mit frischen Kräften geht’s weiter.

 

Je weiter wir ins Waldgebiet vordringen, je schwüler die Luft wird, desto anhänglicher werden die heimischen

 

Bremsen, die eigentlich zur Zeit wohl kaum unter Nahrungsmangel leiden, aber trotzdem besonders Michael

 

zum Objekt ihrer Begierde auserkoren haben.

 

Kurz nachdem der Važupis rechts in die Šventoji mündet, kann sich am rechen Ufer mit Getränken an einem Biwakplatz versorgt werden. Wir paddeln weiter und landen zwecks Suche nach einem Lagerplatz hinter einer Hängebrücke an. Während eines Intermezzos mit einheimischen Paddlern muß Hiram wohl besonders hungrig ausgesehen haben, denn er wird sofort mit der litauischen Variante des „Cheeseburger“ versorgt: Schwarzbrot mit Fleischwurst. In Ermangelung einer fehlenden Bodenfreiheit machen wir uns weiter auf die Suche nach einem geeigneteren Platz.

 

Der Wald lichtet sich wieder, die Bremsenattacken lassen nach und an der nächsten Sandbank beenden wir unsere heutige Etappe. Kaum sind die Boote entladen, die Zelte auf der kleinen, idyllischen Wiese eingerichtet, nähert sich ein dumpfes Grollen aus der Ferne. Hier lernen wir Peter kennen, einen Deutschen, der gerade mit seiner von hier stammenden Frau ihre Eltern besucht. So erfahren wir auch etwas über die ehemaligen einheimischen Sitten kennen. Tradtionsgemäß mussten z. B. Jungverheiratete ins fensterlose Vorratshaus, der Klete, ziehen, bis sie sich eine eigene Bleibe geschaffen hatten. Bevor das Unwetter losbricht, begleiten Hiram und Sophia Peter auf das nahe liegende Gehöft, um unser Trinkwasser aus deren Brunnen aufzufüllen. Lange sind sie noch nicht weg, als sich ohne große Ankündigung der Himmel verdunkelt und dicke Regentropfen, die sich immer mehr in murmelgroße Hagelkörner verwandeln, auf uns herabprasseln. Genau so plötzlich ist alles wieder vorbei. Die Zelte haben es unbeschadet überstanden, und die beiden Wasserholer kehren ebenfalls ohne Blessuren zurück.

 

 

 

Sonntag, 31.07.05      Brücke in Sicht?

 

Abfahrt:  11:00 h / Rast: 13:15-13:55h/Wehr Anykščiai + Einkauf: 15:55-18:00h/Ankunft: 18:20h                   

 

Tageskilometer: 23

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  5,4 km/h / 9,6 km/h

 

Gerade haben wir uns richtig eingepaddelt, tönt uns ein Rauschen entgegen. Also heißt erst einmal „Bremsen!“, sich langsam nähern und gucken, was da los ist. „Kein Problem! Der kleine Schwall macht zwar viel Getöse, ist aber fahrbar.“ Sicher gleiten wir zwischen rechtem Ufer und mittigen Holzpfosten das verfallene Mühlenwehr hinab. Am Ufer fristen noch die Reste der einstigen Mogly-Mühle von deren Vergangenheit.

 

Dichte Mischwälder säumen wieder die hohen Ufer. Ab und zu lugen Tische und Bänke von kleinen Rastplätzen durch die Bäume. Wir paddeln unter einer Brücke durch, die ins Nichts zu führen scheint. Auch heute umhüllt uns ein feuchtwarmer Mantel, dem man absolut nicht entrinnen kann. Kein Windhauch bewegt die Luft, die schwer auf dem Fluß hängt und massenhaft die bereits bekannten, geflügelten Quälgeister anzieht, deren vorrangiges Ziel wiederum Michael zu sein scheint.

 

Nach der rechts einfließenden Vadaksta überspannt die Brücke von Andrioniškis die Šventoji. Irgendwie haben wir noch Peters Worte im Ohr: „ Nicht an der ersten Brücke anhalten, sondern an der zweiten Brücke von Andrioniškis. Bis zum Ort ist es nicht weit. Dort könnt ihr einkaufen.“ Also paddeln wir weiter. Irgendwann hoffen wir nach jeder Kurve, diese Brücke endlich zu sehen. So groß kann der Ort doch nicht sein. Nichts! Nur Wald, Wald, Wald.

 

Irgendwo legen wir an, um zu beratschlagen, wie es weitergehen soll. Anscheinend haben wir das mit den Brücken wohl nicht ganz kapiert. Ein rechtzeitiger Blick auf die Karte hätte uns wahrscheinlich klar gemacht, dass nicht die zweite Brücke von Andrioniškis gemeint gewesen ist, sondern die zweite bis Andrioniškis. Was soll’s? Wir haben zwei Möglichkeiten: die gut sechs Kilometer stromaufwärts oder ca. 10 km bis Anykščiai stromabwärts zu paddeln, wohlwissend, dass wir in dem Fall noch das dortige Wehr bewältigen müssen. Sich wieder die – wenn auch mäßige -  Strömung flussaufwärts zu quälen? Danach steht Keinem der Sinn. Dann lieber heute noch umtragen.

 

Also klettern wir wieder (etwas motivationsgedämpft) in die Boote, um in die uns umgebende Einsamkeit einzutauchen. Kein Vogelgezwitscher ist zu hören, nur leises Wasserplätschern unterbricht diese Stille. Kilometer um Kilometer treiben wir die Canadier auf dem zusehends breiter und zäher werdenden Fluß weiter. Häuser tauchen am Horizont auf. Bis zum Wehr kann es nicht mehr weit sein. Zu früh gefreut. Die Häuser haben wir längs hinter uns gelassen. Die Strecke zieht sich, die Arme werden immer länger.

 

Erneut säumen Häuser die Ufer. Eine Eisenbahnbrücke führt über die Šventoji. Kurze Zeit später türmt sich endlich das Wehr von Anykščiai vor uns auf. Majestätisch erheben sich im Hintergrund die 79m hohen Türme der Apostel-Matthäus-Kirche zwischen den Bäumen eines Hügels. Direkt hinter dem Wehr spritzen Wasserfontänen aus dem Fluß hervor.

 

Wir landen links vor der Ufermauer an. Zum ersten Mal kommt der Bootswagen auf dieser Tour zum Einsatz, um unsere Habseligkeiten einigermaßen komfortabel über den ca. 400m langen Plattenweg zu transportieren.

 

Der nahe gelegene Supermarkt im Zentrum der Stadt bietet anschließend alles, was das Herz begehrt, so dass wir reichlich Zeit dort verbringen. Hier erwerben wir auch die von Marianne und mir so sehr vermissten kleinen Wasserflaschen – meinen wir, aber dazu später mehr. Zahlreiche kleine Restaurants laden zum Verweilen ein. In Betracht des zur Neige gehenden Tages widerstehen wir aber dem Reiz, außerdem wartet Marianne bei den Booten auf uns. Lohnenswert sei auch, laut Peter, der Besuch der Snack-Bar direkt auf dem Wehr. Da wir die Canadier bereits an der Einstiegsstelle hinter der Straßenbrücke geparkt haben, wird daraus nichts. Vielleicht beim nächsten Mal? Anykščiai ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Schade, dass wir heute erst so spät hier angekommen sind. Ein bisschen Kultur hätte uns schon gefallen.

 

So schieben wir unsere vom Einkauf fast überquellenden Boote wieder ins Wasser, gleiten mit der Strömung weiter, bis wir am linken Ufer eine zum Lagern geeignete, kleine Wiese gefunden haben. Gepäckreduzierend wandert das frische Gemüse sogleich in den Topf und das Absenken der flüssigen Vorräte wird in Angriff genommen.

 

 

 

Montag, 01.08.05       Der Irrtum mit den kleinen Flaschen

 

Abfahrt:  11:30h         /Rast: 13:00-13:40h hinter Anykščiai

 

Ankunft: 15:00h kurz vor dem Stauseebei Kavarskas

 

Tageskilometer: 13,2

 

Ø /  maximale Geschwindigkeit: 5,4 km/h / 8,5  km/h

 

Ab Anykščiai wird die Zivilisation allmählich wieder sichtbar. Versprenkelt liegen Häuser in der lichter werdenden Landschaft. Vereinzelter Motorenlärm zeugt von der nicht weit entfernten Straße. Inseln und große Sandbänke charakterisieren zunehmend der Flusslauf. Schwarzgelbgeräderte Libellen begleiten uns und entwickeln eine Vorliebe für meine Landkarte, die sie oft als Landeplatz nutzen, um nach einer kurzen Rast wieder ihrer Wege zu schwirren.

 

An einem kleinen Zufluß mit anliegendem Biwakplatz landen wir am linken Ufer zum Rasten an. Neugierig geworden durch einen Treppenaufstieg wandern wir den Abhang hinauf. Vor uns breitet sich eine gepflegte Wiese aus, geschmückt mit einer übermannshohen Holzstele – Bestandteil einer großflächigen Parkanlage, einem Naherholungszentrum von Anykščiai.

 

Obwohl das Wehr bereits einige Kilometer hinter uns liegt, haben wir nicht den Eindruck, dass sich an der Strömungsgeschwindigkeit groß was geändert hat. Oder liegt es am allmählich aufflauenden Gegenwind oder an der Wärme? Füllen wir lieber unseren Wasserhaushalt etwas auf. Marianne setzt die gestern erworbene kleine Flasche an, nur um den Schluck sofort wieder auszuspucken. „Igitt! Das ist Essig!“ Und davon haben wir sechs Flaschen! Wie soll das einer wissen, wenn diese neben dem Mineralwasser stehen? Deshalb hat auch keiner darauf geachtet, was auf dem Etikett steht. Aus der Traum von kleinen Flaschen. Fürs Muskeltraining ist das Stemmen der 2,5-Liter-Flaschen sowieso vorteilhafter.

 

Wieder weisen Reste auf eine ehemalige Wassermühle hin, von deren Wehr nur noch zerfaserte Holzpfosten im Wasser zeugen. Mäandernd zieht die Šventoji langsam ihre Bahn. Zwischenzeitlich kommt sie sogar ganz zum Stillstand. Schilf begrenzt ihre Ufer.

 

Laut Karte liegt nochmals ein kleiner See vor uns, den wir nicht mehr in Angriff nehmen. Heute wollen wir uns

 

nicht mehr mit dem Wind messen, der uns zunehmend ins Gesicht bläst. Morgen ist auch noch ein Tag, und bis dahin hat sich der nervige Gesell vielleicht ausgetobt.

 

 

 

Dienstag, 02.08.05     Ein unerwartetes Wehr und ein besonderer Service am Abend

 

Abfahrt:  11:50 h/Stausee-Wehr: 12:25-13:20h/Einkauf: 13:25-14:05h in Kavarskas/

 

Rast:14:10-14:40h in Kavarskas /Ankunft: 16:30h zwischen Jakšiškis u. d. Brücke nach Vidiškiai       

 

Tageskilometer:  14,4

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  5,6 km/h / 8,7 km/h

 

Von wegen Windstille am Morgen! Die leichte Brise entwickelt sich bis zu unserer Abfahrt, so dass es einen gewissen Grad an Körpereinsatz braucht, um über die knapp drei Kilometer lange aufgestaute Šventoji zu kommen. Abermals versperrt ein Wehr die ungetrübte Weiterfahrt. Zum Glück herrscht am linken Ufer geschäftiges Treiben, denn eine Ausstiegsstelle ist nicht zu erkennen. Wellen umspülen einen dichten Schilfgürtel, durch den wir uns einen Weg zum Ufer bahnen, wo wir uns der polnischen Umtrage-Armada anschließen. Hügelauf, hügelab wandern Boote und Gepäck ca. 250m über naturbelassenes Gelände bis hinters Wehr.

 

Hinter der nachfolgenden Brücke landen wir an, um in Kavarskas einzukaufen und unsere Wassersäcke an einem an der Hauptstraße gelegenen Brunnen aufzufüllen. Gemächlich gleiten wir weiter den Fluß hinunter, dessen Mitte manch

 

große Insel beherbergt - leider nicht zum Lagern geeignet.

 

Immer wieder treffen wir auf eine Schar Wasservögel, die vor uns heftig flügelschlagend über dem Wasser davonlaufen, sehr zum Unwillen von Artos. Das Spielchen wiederholt sich so oft, bis ihnen wohl die Puste ausgeht und sie schließlich ihren Rückweg fliegend antreten.

 

Als es Zeit wird, nach einem guten Platz Ausschau zu halten, taucht am rechten Ufer ein schöner Biwakplatz mit Bootsanleger auf. Noch sind wir etwas unsicher, ob es sich vielleicht nur um einen privaten Besitz handelt.  

 

Vor uns liegt ein sehr gepflegtes Gelände mit einer großen Zeltwiese, bedachten sowie unbedachten Tischen und Bänken, einer Feuerstelle nebst Holzscheiten und Axt, mit Sauna und WC-Häuschen sowie einem Beachvolleyball-Platz. Es dauert nicht lange, bis ein Auto vorfährt und der Betreiber des Platzes uns freundlich willkommen heißt. Nicht nur das! Er will auch wissen, was er für uns noch besorgen kann. Welch ein Service! Um ihn nicht ganz zu enttäuschen, bestellen wir noch ein paar Eier und Gurken.

 

 

 

Mittwoch, 03.08.05    Wo sind bloß die schönen Biwakplätze?

 

Abfahrt: 11:50 h         /Rast: 13:20-13:55h/Ankunft:19:20 h hinter Vepriai

 

Tageskilometer:  38,2

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  6,2 km/h / 10,9 km/h

 

Während des morgendlichen Waschganges im Fluß bekommen wir nochmals Besuch vom Platzbetreiber und einem Deutschen, der hier im Baugewerbe tätig ist und ihn dolmetschend unterstützt. Mit einigen Infomaterial über organisierte Kanutouren, einen Rücktransport sowie einem Hinweis auf einen Biwakplatz in der Nähe von Vepriai versehen, wünscht er uns weiterhin eine gute Reise. Zusätzlich bestünde ebenfalls die Möglichkeit, mit den Angestellten der Baufirma zu fahren, die täglich Richtung Seengebiet unterwegs sind.

 

Es ist wieder kurz vor Mittag, als die Canadier beladen sind und wir ablegen können. Bereits eineinhalb Kilometer weiter wird’s für einen Augenblick interessant. Eine der Brücke vorgelagerte Insel teilt die Šventoji in zwei Arme, die sich kurz vor der Brücke wieder vereinen. Wir paddeln links an der Insel vorbei, versetzen per Seilfähre Richtung rechtes Ufer, um den rechten Brückenbogen zu durchfahren. Ein Blick zurück zeigt, dass die Insel auch rechts umfahren werden kann, ist aber vom Wasserstand abhängig.

 

Jetzt plätschert der Fluß wieder langsam vor sich hin. Wald und Wiesen begleiten seinen Lauf. Ab und zu dringt ein wenig Motorenlärm zu uns herab. Ansonsten ist es ruhig, bis einige in engen Kurven gestrandete Baumleichen in dem sich teilenden, flachen Flußbett für etwas Spannung sorgen. Für einen kurzen Augenblick nicht gut genug aufgepasst – schon zwingt uns der Wassersog auf eine knapp überspülte Kiesbank und damit zu einer kleinen Treideleinlage. Ein bisschen Action braucht man auch mal.

 

Vor uns breitet sich Ukmerge aus, einer der „größeren“ Städte am Šventoji. Drei kurz aufeinander folgende Brücken verbinden die Stadtteile, die sich rechts und links am Fluß entlang ziehen. Gute Ausstiegsmöglichkeiten findet man an der zweiten und dritten Brücke, die direkt ins Zentrum der Stadt führen.

 

Im Allgemeinen sieht es heute eher schlecht aus, wenn man irgendwo anlanden will. Die Ufer sind nicht mehr so leicht zugänglich, Lagermöglichkeiten können wir selten entdecken. Etwa 15 km hinter Ukmerge schallt es „Artos! Artos!“, von oben zu uns hinunter  was natürlich dem vierbeinigen Passagier sofort die Ohren spitzen lässt. Es sind die polnischen Paddler vom Stausee-Wehr, die auf der hochgelegenen Wiese am rechten Ufer la-gern. Hätten wir gewusst, dass wir noch einige Kilometer paddeln müssen, bis wir eine geeignete Lagerstelle finden, wären wir nicht nur winkend vorbei gepaddelt.

 

Nachfragen an der Brücke von Vepriai über den Kanutoren-Organisator bzw. dessen Biwakplatz bleiben leider erfolglos, was übrigens nicht an mangelnden Sprachkenntnissen scheitert. Voller Stolz erklärt mir ein Jugendlicher, er spreche deutsch. Den Anglern ist der Kanuverleiher unbekannt. Also geht’s weiter.

 

Ein Schild am Ufer, eine Telefonnummer darauf, der Platz stimmt mit einem gekennzeichneten in dem Infomaterial überein. Wir landen an. Über einen Holzsteg gelangen wir zu einem angelegten Sandplatz, melden uns telefonisch an und bauen unsere Zelte auf – glücklich, endlich eine Bleibe gefunden zu haben. Der Sandplatz gehört zu einem ca. 200m entfernten B&B-Hotel und wird wahrscheinlich das erste Mal als Zeltuntergrund benutzt, denn die Besitzerin scheint sich zunächst etwas unsicher zu sein, was sie dafür als Gebühr veranschlagen kann. Ihre Forderung von 20 L. pro Zelt ist zwar doppelt so hoch wie üblicherweise, aber für uns immer noch sehr preiswert.

 

 

 

Donnerstag, 04.08.05 Der Fluß lebt auf, die Sonne ab

 

Abfahrt: 12:10 h         /Rast: 12:45-13:00h an der Brücke Upninkal/Ankunft: 18:30h Jonava/Neris

 

Tageskilometer: 30,9 (Šventoji 30,9/Neris 9,4)

 

Ø / maximale Geschwindigkeit:  6,4 km/h / 12,2 km/h

 

Unser letzter Paddeltag liegt vor uns. Als ob die Sonne mit uns etwas wehmütig zu sein scheint, zeigt sie sich erst gar nicht. Dafür wird’s auf dem Fluß lebendig. Zumindest kommen noch ein paar „Sahnehäubchen“, denn auf den letzten 21 km zeigt er uns, dass er doch noch etwas mehr kann, als nur langsam dahin zu ziehen, bevor er in den Neris mündet. Bereits nach knapp zwei Kilometern teilt sich die Šventoji. Wir halten uns an den linken Seitenarm mit seinen kleinen, spritzigen Schnellen.

 

An der Brücke von Upninkal legen wir eine kurze Rast ein, um uns evtl. schon dort abholen zu lassen, da es ein

 

leicht zu findender Platz ist. Allerdings reizt dieser „Müllplatz" nicht zum Verweilen. Lieber paddeln wir weiter,

 

um ein angenehmeres Ambiente zu finden. Welches sich auch in Form einer großen Sandbank anbietet. Gegenüber kann man eine der hier häufig zu sehenden Steilwände bestaunen.

 

Etwas weiter stromabwärts trauert über dem linken Ufer eine Ruine vergangenen Zeiten nach, in denen ihre Räume vielleicht mal vom Lachen der Gäste erfüllt gewesen war. Nur noch wenige Kilometer trennen uns vom Neris und die Šventoji nimmt Fahrt auf. In den folgenden Kurven hüpft sie über und um rund geschliffene Steine, die von den Moränen der letzten Eiszeit hier abgelagert wurden.

 

Schließlich liegt der Neris vor uns, und der Himmel beginnt zu weinen. Noch tragen wir es mit Fassung. Zunächst fühlen wir uns nach der idyllischen Šventoji auf dem breiten Neris etwas verloren. Kreuzfahrern ähnlich paddeln wir von Ufer zu Ufer, um einen Lagerplatz zu finden. Der sachte Regen hat sich inzwischen zum Bindfaden-Regen gesteigert. Meter um Meter suchen wir die Ufer nach einer geeigneten Fläche ab. Nur schräge Böschungen oder eine parallel verlaufende kleine Straße begrenzen den Fluß. Wir paddeln unter der ersten Brücke von Jonava  durch. Lang zieht sich die Stadt am Neris entlang.

 

Hinter der dritten Brücke endet unsere letzte Flussetappe. Unterhalb eines Neubaus dürfen wir unsere Zelte auf einer – wie für uns gemachten – ebenen Fläche aufschlagen. Endlich ein trockenes Dach über dem Kopf! Sorgenlos kann auch die Nacht hereinbrechen, denn zwei Hunde bewachen Haus, Grundstück und somit auch uns. Petrus hat uns zwar heute etwa im Stich gelassen, dafür klappt es umso besser, per Handy die Rückkehr zu den Autos zu organisieren.