D E R   F L U S S P A R C O U R   I M    N A T I O N A L P A R K

 

Auf der Drawa von Drawno bis Przeborowo   03.- 08. Oktober 2005

 

 

 

Sa., 03.09.05              Manchmal kommt es anders als man denkt  

 

Abfahrt: 7:10h in Albaxen                 Rast:11:30-11:50h AB-Rasthof (vor Abf. 8)

 

Ankunft:16:30h in Gudowo              Rast: 14:40-16:00h in Chociwel

 

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Grenze Pomellen – Kołbaskowo: 12:30h

 

Einkauf in Stargard Szczecíńskí: 13:30-14:15h

 

Das diesjährige Canadiertreffen in der Nähe von Wittstock mit einer Drawa-Tour zu verbinden, bietet sich für uns förmlich an. Also machen wir uns Anfang September Richtung Polen auf, um fünf Tage auf der Drawa zu paddeln. Letztendlich sind daraus nur drei geworden, aber dazu später mehr.

 

Frühmorgens geht es los. Zügig geht es voran, selbst um Berlin herum hält sich der Verkehr in Grenzen. Gehäuftes Fahrzeugaufkommen sehen wir nur einige Kilometer vor der polnischen Grenze auf der Gegen-spur – der Zoll lässt bitten.

 

Hört man immer wieder von Polens schlechten Straßen, so trifft das auf den ersten Autobahnabschnitt durchaus zu. In Stargard Szczecíńskí nutzen wir den großen Tesco-Markt zwecks Verpflegungsversorgung für die Kanutour.

 

Ein Zwischenstop in Chociwel, kurz vor dem Ziel, dient der momentanen Für-sorge, wo wir im “Pałac nad Jeziorem“ die polnische Spezialität „Gołabki“ schätzen lernen. Eine halbe Stunde später erreichen wir den von Frank em-pfohlenen privat geführten Campingplatz „Jermak“ am Ortsanfang von Gu-dowo. Da sich die Saison ihrem Ende zu neigt, haben wir freie Platzwahl auf der großen Zeltwiese am See.

 

Es hätte so schön sein können. Von hier aus kann man wunderbar starten, das Auto ist sicher abgestellt und die Rückkehr zu diesem Platz kann direkt mit den Betreibern abgesprochen werden. Wenn da nicht das Mili-tär-Sperrgebiet wäre, welches im Gegensatz zu den Veröffentlichungen in der Kanuliteratur selten für eine Durchfahrt freigegeben ist. Natürlich findet gerade jetzt ein Manöver statt. So haben wir die Wahl zwischen zwei Alternativen. Entweder starten wir hier, lassen uns um den Truppenübungsplatz herum transportieren, um dahinter weiter zu paddeln, oder wir beginnen erst hinter dem Gebiet. Also werden wir morgen noch nicht auf dem Wasser unterwegs sein, sondern auf befestigten Wegen, um die Lage zu erkunden.

 

 

 

So., 04.09.05              Wo setzen wir ein?

 

Bei herrlichem Wetter führt uns die erste Route nach Prostynia, wo das Sperrgebiet endet. Obwohl sich erste Herbstboten bereits bemerkbar machen, entfaltet die Sonne tagsüber noch ihre wärmende Kraft. Zarte Gelb- und Rottöne mischen sich schon ins Grün der Bäume, die die Straßen säumen.

 

Neben der Straßenbrücke kurz vor Prostynia liegt ein kleiner Biwakplatz mit einer guten Einsetzstelle. Einen einsam im Wald gelegenen Campingplatz, zu dem ein langer, holpriger Weg führt, ist für uns auch nicht das Richtige, um von dort aus die Kanutour zu beginnen, da er nicht direkt an der Drawa liegt.

 

Bei unserem nächsten Halt an der Brücke zwischen Konotop und Pózradło Wlk. (Str. 175 Drawsko – Kalisz), zu Beginn des Truppenübungsplatzes am Jezioro Wiry, finden wir einen schönen Rastplatz sowie einen Imbiß. Von hier aus wird nach Auskunft vom Campingplatz Jermak ein privater Kanutransport um das Sperrgebiet angeboten. Der hat aber anscheinend zu dieser Zeit seine Dienste bereits eingestellt.

 

Weiter geht’s nach Drawno. Auf dem ersten Blick wirkt der dortige PTTK-Campingplatz mit seinen vielen Hütten und Gebäuden eher einem Jugendlager als einem Zeltplatz, denn für diese scheint die Wiese sehr knapp bemessen zu sein. Auch das angebotene Mittagsmenü lässt Erinnerungen an alte Jugendherbergszeiten wach werden. Während einer Kanutour kann das Auto hier abgestellt sowie der Rücktransport nach Absprache organisiert werden. Wenn wir bis Kzryż paddeln und uns von dort aus abholen lassen, würde uns das 100,- Zł kosten.

 

Auf dem Weg zurück nach Gudowo kehren wir noch in das kleine Fischrestaurant „Motel Park“ ein, in dem Michael der Fischsuppe nicht widerstehen kann, die seinen Erwartungen voll entspricht.

 

 

 

Mo., 05.09.05 Wie kommen wir am Besten durch?

 

Abfahrt: 12:50h in Drawno               Rast:14:10-14.45h an der Brücke Barnimie

 

Ankunft:19:20h Biwakplatz Bogdanka

 

In Drawno angekommen, melden wir unsere Tour in der Wasserstation der Nationalparkverwaltung an. Endlich liegt der Canadier beladen am Ufer des Adamowo-Sees und schon bald paddeln wir dem Nationalpark entgegen, der ca. 1 km nach dem Ausfluß der Drawa aus dem See beginnt. Nach der weiten Sicht über die große Wasserfläche, wird der Blickwinkel durch den Eintritt ins Waldgebiet und die höher werdenden Ufer immer weiter eingeengt. Die ersten Hindernisse unter dem Blätterdach lassen auch nicht lange auf sich warten. Hier treffen wir die Kajakfahrer wieder, die mit uns in Drawno gestartet sind. Während der Solopaddler gekonnt den Bäumen ausweicht, folgt das 2er-Kajak nicht immer dem, was seine Besatzung will.

 

Noch liegen die Bäume recht paddlerfreundlich und versperren auch nicht den kleinen Schwall unter der steinigen Brücke. Es bleibt genug Zeit und Raum, um die eigenen Manövriertechniken zu verfeinern. Der nächste kleine Schwall zieht uns unter der Brücke nach Barnimie durch. Gleich dahinter landen wir an dem Rastplatz an.

 

Ist es bis hierher ein übersichtlicher Parcour gewesen, verholzt die Drawa jetzt immer mehr. Die Strömung nimmt in dem enger gewordenem Flussbett zu. Schließlich sieht man von der Wasseroberfläche nicht mehr allzu viel. Von Ufer zu Ufer liegt nur noch Holz: Stämme unterschiedlichster Größe nebeneinander und ineinander verkeilt. Während wir zum Umtragen anlanden, demonstrieren zwei Wagemutige im Canadier, dass die einzige Lücke auch im Boot zu bewältigen ist. Nur einer der Besatzung  muß dafür bis zum Bauch ins Wasser.

 

Nachdem wir den Beiden zugesehen haben, wie sie sich durch die Bäume quälen, schleppen wir unsere Siebensachen hinter die Flussbarriere, um dort wieder einzusetzen. Die nächsten Hindernisse, die Schlag auf Schlag folgen, sind alle mit dem Boot zu bewältigen. Über einige rutschen wir hinweg, bleiben wir hängen, gibt’s eine kleine Balanciereinlage, unter anderen schieben wir uns mit eingezogenem Kopf durch.

 

Da es noch relativ früh am Nachmittag ist, als wir an dem Biwakplatz Barnimie vorbei paddeln, kommen wir gar nicht erst in Versuchung, dort unsere erste Etappe zu beenden. Von dem Platz ergibt sich eine wundervolle Perspektive auf die Drawa, aber dazu muß man erst einmal oben sein – über viele Stufen den steilen Hang hinauf. Bis zu dem Biwakplatz Bogdanka beglücken uns noch zahlreiche umgestürzte Baumriesen, die um- oder überwunden werden müssen.

 

Es ist eine anstrengende, aber auch sehr interessante Strecke gewesen. Als wir vor den lodernden Holzscheiten sitzen, die für die angelegten Feuerstellen bereitgestellt sind, macht sich schnell  Müdigkeit breit.

 

 

 

Di., 06.09.05   Drawas Tierleben

 

Abfahrt: 11:35h am Biwakplatz Bogdanka              Rast:13:30-14:00h am Biwakplatz Sitnica

 

Ankunft:17.30h am Biwakplatz Kamienna

 

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Wehr Kamienna: 16:30-17:00h

 

Kaum haben wir uns warm gepaddelt, müssen wir schon wieder raus, um einige dicke Baumstämme links zu umtragen. Danach entspannt sich die Situation zusehends.

 

Die Drawa wird breiter, weniger Hindernisse belagern den Fluß. Dafür erobern sich Feen-haare sowie andere Wasser-pflanzen ihr Terrain und Spinnen weben Kunstwerke zwischen die aufragenden Äste und Zweige der gestürzten Bäume. Oft sind Fischschwärme zu beobachten, die über den schimmernden Sandboden flitzen – eine Fundgrube für den Otter, der in Ufernähe herum tollt.

 

Zwischen Bogdanka und Sitnica: Noch einmal Umtragen

 

Ein Meer von Wasserpflanzen in der klaren Drawa zwischen Bogdanka und Sitnica

 

Mäandernd sucht sich die Strömung ihren Weg, der ab und zu spritzig über einige Stromschnellen führt.

 

Wir paddeln an Holzpfosten vorbei, die einst eine Fußgängerbrücke trugen und jetzt im Wasser vor sich hin

 

rotten. Bald danach fließt die Drawa flott an dem Biwakplatz Sitnica vorbei, auf dem wir bei unserer Rast die

 

sommerlichen Temperaturen der Mittagszeit genießen.

 

Ebenso wie der Biwakplatz Barnimie liegt auch der Biwakplatz Pstrąg auf einem Plateau, welches wir über die angelegte Treppe erklimmen. Der schöne Platz lädt zwar zum Verweilen ein, aber wenn es nicht unbedingt sein muß, würden wir hier auch nicht alles hochschleppen.

 

Schließlich macht sich der Rückstau des Wehres Kamienna bemerkbar, welches wir links auf kurzem Weg umtragen. Etwas weiter stromabwärts beenden wir die Tagestour auf dem Biwakplatz Kamienna, wo wir den immer noch milden Abend am Lagerfeuer ausklingen lassen.

 

 

 

Mi., 07.09.05  Welches ist der richtige Platz?

 

Abfahrt: 11:40h vom Biwakplatz Kamienna Rast:12:40-13:20h am Biwakplatz Stare Osieczno

 

Ankunft:16:25h am alten Biwakplatz Przeborowo

 

Allmählich fließt die Drawa dem Ende des Nationalparks entgegen. Als links die Płociczna mündet, verlässt die Drawa das Naturschutzgebiet. Eine Rast auf dem Biwakplatz Stare Osieczno vor der Brücke nach dem nahe gelegenen, gleichnamigen Ort nutzt Michael, um für den nötigen Biernachschub zu sorgen.

 

Die Landschaft wird offener, Weiden begleiten die Ufer. Enten palavern am Flussrand im warmen Sonnenlicht. Vereinzelt fordern noch Bäume etwas Aufmerksamkeit. Obwohl die Population der Biber gestiegen sein soll, haben wir nur sehr selten deren Spuren entdeckt.

 

Aufgrund widersprüchlicher Informationen bezüglich eines Campingplatzes in Kzryż, wollen wir bereits in Przeborowo unsere Tour beenden. Vor dem Ort befindet sich der Biwak-

 

platz „Nowy Biwak“ am rechten Ufer. Da wir nicht genau wissen, wie weit es noch bis nach Przeborowo ist, paddeln wir nach einer kurzen Inspektion des idyllischen Platzes weiter. Nach ein paar weiteren Windungen liegt der Ort vor uns. Oberhalb des Bootssteges weisen zumindest noch eine Wasserleitung sowie ein neues WC-Häuschen daraufhin, dass hier gelagert werden kann. Es dauert auch nicht lange, bis jemand kommt, um einen geringen Obolus zu kassieren. So erfahren wir auch, dass der „Nowy Biwak“ diesen Platz ersetzen soll.

 

Etwas problematisch stellt sich die Organisation des Rücktransportes dar, da der Handy-Empfang sehr zu wünschen übrig lässt. Morgen werden wir sehen, ob es geklappt hat und jemand zur vereinbarten Zeit vorfährt.

 

 

 

08.09.05          Abenteuerliche Rückfahrt

 

Abfahrt: 11:10h in Przeborowo                     Ankunft:11:55h in Drawno

 

Es ist 10:00 Uhr. Am verabredeten  Treffpunkt türmt sich unser Gepäck neben dem Boot.

 

Es wird 10:15 Uhr – kein Transporter in Sicht. Michael erkundigt sich vorsichtshalber noch einmal in Drawno und erfährt, dass der Wagen jeden Moment eintreffen werde. In der Zwischenzeit sind wir aus der prallen Sonne an der Bushaltestelle unter einen Schatten spendenden Baum umgezogen. Einige Einwohner des kleinen Dorfes haben sich auch schon erkundigt, ob sie uns helfen könnten.        

 

Es wird 10:45 Uhr. Eine laut rumpelnde Staubwolke kündigt den sehnlichst erwarteten Transporter an. Schnell sind unsere Sachen verladen und die abenteuerliche Rückfahrt beginnt. Über Kzryż geht es durch den Nationalpark nach Drawno zurück, in einer Fahrt auf nicht befestigten Waldwegen, die kaum beschreibbar ist. Das muß man selbst erleben und sich hinterher nur wundern, dass alles – Fahrzeug inklusive – in einem Stück ankommt, obendrein mit einer schützenden Staubschicht überzogen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass unser Boot die Bocksprünge des Hängers unbeschadet übersteht, der uns in einer Geräuschorgie hinterher poltert.

 

Abfahrt: 12:20h in Drawno   Rast:13.15-13:50h in Stargard Szczecíńskí         Ankunft:18:15h am Dranser See

 

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Einkauf in Stargard Szczecíńskí:14:00-14:40h

 

Grenze Kołbaskowo -  Pomellen: 15:25h

 

Unsere Sachen wechseln das Auto und nach leider nur drei interessanten Paddeltagen fahren wir wieder Richtung Stettin und von dort aus weiter bis zum Dranser See zum Canadiertreffen.

 

Da in Wittstock die kleine Brücke gesperrt ist, erreichen wir den Campingplatz erst nach einigen Zentrumsrundfahrten. Am Dranser See sind wir nicht die Ersten – Anni ist schon da!