Vom Allier in die Loire: Ein Wiedersehen nach sieben Jahren     10.-24. Juli 2009

 

___________________________________________________________________________

 

 

 

Es zieht uns mal wieder nach Frankreich. Inzwischen sind einige Jahre vergangen, seit wir das letzte Mal auf dem Allier und der Loire gepaddelt sind. Wir sind gespannt, wie sich die beiden Flussläufe in den vergangenen sieben Jahren verändert haben.       

 

Freitag, 10.07.09   Zwischenstation in Cochem

 

 

Abfahrt  12:45 h in Albaxen / Ankunft  18:20 h in Klotten / Bewölkt, Regenschauer

Dunkle Wolken und Regenschauer begleiten uns auf der Fahrt von Stau zu Stau bis nach Klotten an der Mosel, wo unser Tandem während unseres Urlaubes im Kanuladen „Bootsplatz“  eine Heck- und Bugverstärkung bekommen wird. Hier treffen wir uns auch mit Friedrich und

beziehen anschließend für eine Nacht auf dem Campingplatz "Mosel Camping" in Cochem  Quartier. Dass wir uns etwas großzügig auf dem zugeteilten Platz ausbreiten, zieht einige  Diskussionen mit dem Campingchef nach sich. Als alles zu seiner Zufriedenheit geregelt ist,

 

spazieren wir an der Mosel entlang in die Altstadt von Cochem, wo noch rege Betriebsamkeit herrscht. In einer kleinen, ruhigen Gasse genießen wir im gemütlichen Biergarten des Hotels

 

Lohspeicher einen leckeren Flammkuchen und vor dem Rückweg zum  Campingplatz noch eine Flasche Wein in einem Lokal an der  Mosel.

 

Samstag, 11.07.09   Wieder am Allier!                                                                                     (sonnig bis bewölkt)

 

Abfahrt:  9:35 h in Cochem/Rast:13:30- 14:05 h A31/Aire de Sandaucourt/Ankunft: 17:45 h in Chatel de Neuvre

 

 

Unsere Route führt uns durch Luxemburg, um dort günstig zu tanken. Bei einem Dieselpreis von 0,84 € à Liter hat es sich gelohnt, immerhin ca. 20 Cent billiger als jenseits der Grenze. Von der luxemburgisch-französichen Grenze kann bis hinter Nancy noch mautfrei auf der französischen Autobahn gefahren werden. Anschließend sorgt die fällige Straßengebühr wieder dafür, dass  sich der Verkehr deutlich verringert. Als wir in Chatel de Neuvre  ankommen, steuern wir zunächst den Campingplatz “La Courtine” an, den wir vom Fluss nie gesehen haben.  Von außen betrachtet, scheint der Platz ganz idyllisch zu sein. Leider fehlt ihm ein direkter Zugang zum Allier, so dass wir gleich zu Beginn unserer Tour Gepäck und Boote erst einmal an der kleinen Straße entlang zur Einsetzstelle schleppen müssten. Also fahren wir weiter bis zum  Campingplatz Deneuvre. Eine sehr gute Entscheidung! Wir können direkt neben der Einsetzstelle unsere Zelte aufschlagen, auf dem Stellplatz Nr. 38, der gerade noch die zwei Tage bis zu unserem Tourstart frei ist. Allerdings erwartet uns hier auch eine kleine Enttäuschung. Die Küche ist geschlossen, da die Krankheitsvertretung nicht am Wochenende kommt. Wir hatten uns so auf das gute Essen gefreut, bekommen aber einen guten Ersatz geboten. Dem Rat des Chefs folgend, kehren wir im kleinen Restaurant „Le Pressoir“ an der Hauptstraße ein, in dem wir gut umsorgt werden.

 
 
 
 
 

Sonntag, 12.07.09   Veränderungen und Stillstand   (bewölkt, Regenschauer)

 

Auf der Fahrt nach Gien, wo wir auf den dortigen Campingplatz ein Auto abstellen werden,  versorgen wir uns in Nevers im „Intermarché“ noch mit Lebensmitteln und Getränken. Der Supermarkt hat sonntags von 9-11:45 Uhr geöffnet, doch qualitätsmäßig sind wir in Frankreich

etwas anderes gewohnt, denn das Gemüse hat seine besten Zeiten bereits hinter sich.  

 

In Vorfreude auf das vielseitige Salatbuffet im Restaurant am Campingplatz von Cosne-sur-Loire, kehren wir auf dem Rückweg dort ein und fühlen uns etwas über den Tisch gezogen. Von dem ehemals  großen Salatbuffet ist gerade noch etwa ein Drittel vorhanden,  dafür gibt es zwar zwei warme Hauptgerichte, aber auf die kleine  Karaffe Rotwein warten wir vergebens. Hier brauchen wir auf unserer Kanutour nicht mehr anlanden. Kurz vor Apremont besichtigen wir das Wehr Laurins und stellen erstaunt fest, dass  sich hier einiges verändert hat. Das ehemals gefürchtete steil abfallende Tosbecken am linken  Ufer wurde verbreitert und mit einer Brücke versehen. Für Paddler ist es jetzt schon von weitem  gut sichtbar. Das Anlanden am rechten Ufer direkt am schrägen Überlauf ist immer noch  gegeben (wenn nicht gerade Hochwasser ist), so dass die Boote über das Schrägwehr getreidelt oder rechts auf kurzem Weg

 

 

umtragen werden können. Als wir anschließend durch das museale Örtchen Apremont spazieren, fällt uns sofort auf, dass das Restaurant als „Brasserie du Lavoir“ wieder geöffnet ist.

 

Ansonsten scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Niedrige Tuffsteinhäuser säumen die Straßen, teilweise hinter mannshohen Hecken versteckt und Hortensienbüschen, die ihre ganze Pracht entfalten. Eines haben wir bei unserem Einkauf nicht bedacht: Morgen ist Montag, das bedeutet, die Bäckereien  sind geschlossen. Wir nehmen deshalb dankbar das Angebot des Campingchefs an, für uns ein Brot zu backen.

 

Montag, 13.07.09   Im Tal der Silberreiher                   

 

Abfahrt: 11:10 h in Châtel de Neuvre/ Rast: 13:10-13:30 h hinter der Autobahnbrücke/ Ankunft: 15:40 in Moulins

 

Tagestour: 23,5 km (sonnig bis bewölkt)

 

 

Es herrscht Aufbruchstimmung. Nach dem Frühstück werden die letzten Sachen aussortiert, die im Auto deponiert werden können. Endlich ist es soweit. Drei Solocanadier liegenbeladen und einsatzbereit am Ufer. Wir fädeln uns in die Strömung ein, die uns bei dem guten Wasserstand mühelos voran trägt. Wir tauchen ein in die Ruhe des NSG „Val d’Allier“, in dem zunächst kein Straßenlärm die Stille stört. Zahlreiche Silberreiher bevölkern die Ufer. Aufgeregt flattern sie hoch, wenn wir vorbei paddeln, um sich in sicherer Entfernung wieder niederzulassen. Übersichtlich im Flussbett angeordnete Baumleichen, große Sandbänke und Inseln prägen den von Auwäldern gesäumten Flußlauf. Etwa sechs Kilometer hinter der Autobahnbrücke endet das Naturschutzgebiet. Wir landen an einer Sandbank an, um den Beginn unserer Kanutour mit einem Schluck Vin rouge entsprechend zu würdigen.Als sich der Allier verbreitert und die Strömung deutlich nachlässt, ist es nicht mehr weit bis Moulins. Aber es zieht sich noch hin, bis den Fluss endlich die Eisenbrücke überspannt, die den Beginn des Stadtgebietes ankündigt. Noch ein paar Paddelschläge, und wir landen am Campingplatz an. Ein Blick auf das GPS offenbart nun auch, warum uns die Strecke so lang vorkam. Laut Kanuführer beträgt die Entfernung von Chatel de Neuvre nach Moulins knapp 20 km, tatsächlich sind wir aber fast 24 km gepaddelt. Nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen haben, erkunden wir erst einmal die Situation unter der alten Steinbogenbrücke in der Hoffnung, über die linksseitige Fischtreppe fahren oder treideln zu können. Leider zeigt es sich, dass eine Befahrung mit beladenen Canadiern problematisch sein könnte. Blocksteine geben der Fischtreppe ein neues Antlitz, und das Wasser strömt durch versetzte kleine Öffnungen. Nach ausgiebiger Diskussion entscheiden wir uns, die Boote dort zu treideln, um uns eine mühsame Schlepperei über die Brücke zu ersparen. Für unser Abendessen sorgen wir selbst, denn im Restaurant „La Palliot“ am Campingplatz sind  

 
 

bereits alle Tische reserviert. Am Vorabend des Nationalfeiertages lassen es sich die Franzosen nicht  nehmen, traditionell Essen zu gehen.

 

 

Dienstag, 14.07.09   Regen bringt Segen

Regen in der Nacht, Regen am Morgen. Einheitsgrau beherrscht die Welt, deren Umrisse im Regenschleier verschwimmen. Ein trauriger Beginn des französischen Nationalfeiertages. Es fällt uns nur allzu leicht, heute noch einen Tag Pause einzufügen, was sich als Glücksfall erweisen wird. Als sich weit 

 

nach Mittag die Wolken endlich entladen haben, nutzen wir die Trockenphase für einen gemütlichen Stadtbummel durch die Altstadt Moulins. Ein Blick von der Brücke zeigt, dass inzwischen wesentlich mehr Wasser über die Fischtreppe rauscht als gestern. Nach einer Kaffeepause kehren wir zum Campingplatz zurück, auf dem inzwischen eine  kleine Paddlergruppe der Reiseagentur „Rucksackreisen“ neben uns Quartier bezogen hat. Das Angebot des Tourleiters Matthias, deren Bootswagen am nächsten Tag zum Umtragen zu nutzen,

 

 

nehmen wir sehr gerne an. Wie klein die Paddlerwelt der Canadierfahrer ist, zeigt sich mal wieder, als wir mit Matthias den Tag mit einer ausgiebigen Rotweinprobe ausklingen lassen und feststellen, dass wir gemeinsame Bekannte haben. Das Feuerwerk in Moulins zum Nationalfeiertag ist leider den schlechten Wetterverhältnissen zum Opfer gefallen und kurzerhand auf den folgenden Samstag verschoben worden. Schade, darauf haben wir uns schon gefreut. In der Ferne bollert es zwar gewaltig, aber die inzwischen wieder aufgebaute Wolkenfront lässt nichts von dem bunten Feuerreigen durchscheinen.

 

 

E

 

Mittwoch, 15.07.09   Smalltalk am Rande

 

Abfahrt:  13:05 h in Moulins / Rast: 14:00-14:40 h /

 

Ankunft: 17:30 h zwischen den Brücken D133 + D978 /Tagestour: 25,7 km (sonnig bis bewölkt)

 

 

Lautes Donnergetöse, grell leuchtende Blitze und Wind, der an den Zeltwänden rüttelt, verhindern einen langen Schlaf.  Doch strahlender Sonnenschein lässt morgens die unruhige  Nacht schnell vergessen und verbreitet eine angenehme  Wärme. Wie schon erwähnt, das Glück ist uns hold. Dank Matthias umgehen wir das Brückenwehr rollenderweise. Während des Umtragens unterbricht  ein kleiner Smalltalk mit einem französischen Paar unseren Fußmarsch. Nach ein paar Fotos und dem Versprechen, uns diese per Mail zu senden, setzen wir unseren Weg bis zur Einsetzstelle fort. (Das Versprechen ist eingehalten worden, mit einem wunderbaren Film über  Moulins versehen.) Da der Wasserstand infolge des heftigen Regens zugenommen hat, rauscht inzwischen auch der Allier etwas heftiger über die Stufen der Fischtreppe, was zumal die Standfestigkeit auf der im Flussbett liegenden Begrenzungsmauer beim Treideln  auf eine harte Probe gestellt hätte. Bevor wir uns ganz dem Fluss widmen, landen wir noch am „Intermarché“ an, um uns mit Proviant für die nächsten Tage zu versorgen. Schwer bepackt legen wir wieder ab. In der zügigen Strömung lässt es sich mühelos paddeln, so dass wir schneller sind als

gedacht. Angesichts des fortgeschrittenen Tages steuern wir bereits nach etwa einer  Stunde eine Sandbank an, um mit dem traditionellen Imbiss - Baguette, Ziegenkäse, Vin Rouge – die vorherrschenden Signale zu befriedigen. Anschließend gleiten wir in den  Mäandern des Alliers an hohen, sandigen Ufern vorbei, eine bevorzugte Wohngegend der heimischen Uferschwalben. Loch an Loch weist auf deren Architektur an den Wänden hin.

 

Die Brücke der Straße D133 überspannt den Fluss, eine der paddlerfreundlichen Brücken. Unter ihr  erschweren keine Hindernisse die Durchfahrt. Bald danach beenden wir unsere heutige Etappe an einer Sandbank.

 

Donnerstag, 16.07.09   Fluß-Barrieren

 

Abfahrt: 11:05 h / Rast: 13:30-14:25 h + 16:00-16:30 h in Apremont / Ankunft: 19:00 h Insel hinter der Brücke N76

 

Tagestour: 32,8 km  (Sonne, sehr warm)

 

Eigentlich soll Apremont unser heutiges Etappenziel sein. So landen wir auf einer Insel gegenüber der kleinen Ortschaft an. Da sich aber hier auch der Badeplatz der Anwohner befindet, herrscht schon bald reger Betrieb am gegenüber liegenden Ufer. Die drei folgenden Hindernisse, denen wir uns eigentlich erst morgen stellen wollen, nehmen wir deshalb heute noch in Angriff. Am Schrägwehr Laurins treideln wir, wobei Michael seine gute Standfestigkeit beweist und Friedrich gute Einfangqualitäten.

Die nachfolgende Eisenbahnbrücke lässt sich bei dem derzeitigen Wasserstand im ersten und zweiten linken Bogen fahren, allerdings mit leichtem Boden- bzw. Steinkontakt. Zu einem längeren Aufenthalt zwingt uns danach das Aquädukt des Loire-Seitenkanals. Die neugestaltete Wehranlage, jetzt ebenfalls mit einer Fischtreppe versehen,  wird zunächst einmal näher in Augenschein genommen. Mit voll beladenen Canadiern die Fischtreppe über die hohen Blocksteine zu fahren, passt mal wieder nicht. Der Durchlass neben der Fischtreppe wäre evtl. fahrbar, aber das Boot würde durch die Strömung sehr nah an die linke Wand gedrückt. Als ausgeprägte Linkspaddlerin habe ich dabei ein ungutes Gefühl, dem Druck standzuhalten, um das Boot von der Mauer fernzuhalten. Schließlich umtragen wir am linken Ufer. Die hindernisfreie Brücke der N76 lassen wir noch hinter uns und schlagen unser letztes Lager am Allier auf einer Insel auf, kurz bevor  sich der Fluss zu seinem verzweigten Becken ausdehnt und in die Loire mündet.

 

Freitag, 17.07.09   Anspannung und Entspannung

 

Abfahrt: 11:20 h von der Allier-Insel / Rast: 13:15-14:10 h / Ankunft: 17:30 h in La Charité-sur-Loire

 

Tagestour: 29,4 km (Bewölkt, Regenschauer)

 

 

Der Tag beginnt trübe. Unter einem wolkenverhangenen Himmel verlassen wir unsere Insel, und nach etwa 200 m schiebt uns die Strömung des Alliers in die Loire. Die vielen Seitenarme, in die sich der Allier üblicherweise in seinem Becken teilt, sind heute zu einem breiten Strom zusammen gewachsen, der sich mit der Loire vereinigt. Die Brücke von Fourchambault lässt sich links immer noch hindernisfrei durchfahren.  Über uns schieben sich die Wolken immer dichter zusammen, bis sie schließlich ihre Last nicht mehr halten können und diese auf uns herab lassen. Wieder schaffen wir mehr als gedacht. Bereits am frühen Nachmittag passieren Marseille-des-Aubigny und La Marche, zu früh, um die heutige Etappe schon zu beenden. Wir paddeln weiter bis La Charité-sur-Loire und vermeiden damit in der Mittagsglut des nächsten Tages die Schlepperei über die Sandbank zum Campingplatz. Als die Silhouette der Stadt am Horizont erscheint, teilt sich die Loire. Wir paddeln den rechten Seitenarm, und mein Puls beginnt ein etwas schnelleres Tempo vorzulegen, wartet doch der Schwall unter der alten Steinbogenbrücke auf uns. Mit etwas Herzklopfen nähere ich mich der Brücke, die wir bisher immer nur im Tandem durchfahren haben. Michael paddelt als Erster durch den mit „Canoe“ gekennzeichneten Brückenbogen, ich folge und danach Friedrich. Rasant zieht uns der Schwall hinunter, auch der zweite kleinere Schwall wird bravourös gefahren. Direkt dahinter landen wir links an der ersten Sandbank der großen Insel an. Auf dem Campingplatz richten wir uns direkt neben dem Zaun häuslich ein, was den Transport zur naheliegenden Einsetzstelle im linken Seitenarm sehr verkürzen wird.  

 

Samstag, 18.07.09   Nur die zweite Wahl

 

 

Heute erwarten wir Horst und Monsieur, die sich uns bis Gien anschließen werden. Um uns bis zu deren Ankunft die Zeit zu vertreiben, machen wir uns auf den Weg in das malerische, mittelalterliche Städtchen mit seinen engen Straßen. Die sind allerdings reichlich überlastet, reiht sich hier doch Stoßstange an Stoßstange. Bei einem Gläschen Ricard erholen wir uns zunächst von dem Verkehrslärm, und später kehren wir in die „Auberge de Seyr“ ein. Dieses kleine Restaurant in der Grand Rue wird nicht zu Unrecht im „Gault Millaud“ erwähnt, denn das Essen ist ausgezeichnet, ebenso der Sancerre. Nachdem Horst und Monsieur mit ihrem Zeltaufbau fertig sind, geht’s wieder über die Brücke ins Zentrum und zielstrebig zur „Auberge de la Poule Noir“. Leider ist die Terrasse des Restaurants aufgrund des launischen Wetters gesperrt und innen sind alle Tische besetzt, wie auch in der „Auberge de Seyr“.  Wir wandern bis fast zum Ortsende weiter, und wandern wieder zurück. Vor einemkleinen Restaurant stehen wir etwas ratlos herum, denn trotz des Schildes „ouvert“ ist die Tür verschlossen. Doch der Wirt eilt herbei und bittet uns herein. Es ist zwar nicht die erste Wahl, aber zumindest haben wir ein Abendessen bekommen

 

 
 

Sonntag, 19.07.09   Irrungen und Wirrungen

 

Abfahrt: 12:30 h in La Charité-sur-Loire / Rast: 13:20-14:55 h / Ankunft: 16:15 h in Pouilly-sur-Loire

 

Tagestour: 15,7 km (bewölkt)

 

Wir frühstücken lange und ausgiebig, denn heute liegt nur eine kurze Paddelstrecke bis Pouilly-sur-Loire vor uns. An der für uns neuen Einsetzstelle am rechten Seitenarm müssen die Boote nicht mehr über die steile Böschung heruntergelassen, sondern können bequem eingesetzt werden. Schließlich ist alles verladen, und wir paddeln an der Insel entlang, bis sich die beiden Flussarme wieder vereinen. Die Strömung trägt uns schnell voran. Nach wenigen Kilometern grüßt vom rechten Ufer das kleine Château Mouron, welches inmitten des Naturschutzgebietes „Val de Loire“ liegt, eine der schönsten Loirelandschaften.

 

Bei der ausgedehnten Mittagsrast auf einer Insel, mundet der Rote so gut, dass wir immer wieder eine Kostprobe nehmen. Wir haben Zeit und Muße, die Etappe ist kurz und Schwierigkeiten sind nicht zu erwarten. Kurz vor Pouilly-sur.Loire sind wir ziemlich irritiert. Wo fahren wir am besten lang? Zahlreiche Inseln haben vor der Brücke das Flussbild derart verändert, dass wir es kaum wieder erkennen. Die Wege, die sich das Wasser um die Inseln herum sucht, sind gesperrt, Fahrtrichtungen mit Pfeilen gekennzeichnet.  Wir paddeln links und kommen dadurch nicht sofort hinter der Brücke in den rechten, direkt zum Campingplatz führenden Seitenarm. Auch hinter der Brücke reiht sich Insel an Insel. Wir nutzen eine schmale Rinne zwischen den aufgeschütteten Sandbänken und schrappen bald über Kies. Aber nach einer kurzen Treidelpassage geht es wieder im Boot weiter. Es ist zwar immer noch sehr flach, aber wir müssen nicht mehr im Wasserwandern. Als wir am Campingplatz anlanden, schwelgen wir kurz in Erinnerungen. Hier hatten Michael und ich die beiden Horst kennengelernt, wobei der eine Horst auf der  Loire nach Bordeaux wollte und der andere darüber im Zelt vor sich hin lachte. Nachdem die notwendigen Arbeiten – Gepäcktransport, Zeltaufbau, Duschen – getan sind, marschieren wir voller Vorfreude ins Zentrum des kleinen Ortes. Unser inzwischen schon traditionelles Ziel ist das Restaurant des „Hotels de l’Ecu de France“, in dem wir uns wieder von einem guten Menü und natürlich den

erstklassigen Weinen der Region verwöhnen lassen wollen. Wir haben es zu eilig gehabt und müssen uns noch etwas gedulden, denn das Restaurant öffnet erst um 19:30 Uhr. So sehen wir uns derweil noch ein bißchen in  Pouilly um, dessen beste Zeiten längst der Vergangenheit angehören. Einige Restaurierungen im Zentrum haben zwar schon für ein freundlicheres Antlitz gesorgt, aber rundherum sieht noch alles ziemlich trist aus. Eines hat sich der Ort, der bereits im 5.Jh. unter dem Namen  Pauliaca Villa erwähnt wurde, aber bis heute erhalten. Einst von den Benediktinern begründet, erfreuen sich die Erträge des Weinbau immer noch einer großen Beliebtheit. Als wir zum Hotelrestaurant zurückkehren, werden wir hervorragend bedient. Das Warten hat sich gelohnt, und wir sind eigentlich ganz froh, dass wir auf unserem kleinen Spaziergang keine Alternative zum Abendessen gefunden haben.

 
 
 
 

Montag, 20.07.09   Ungezügelte Kalorienzufuhr

 

Abfahrt: 11:10 h in Pouilly-sur-Loire / Rast: 13:20-14:45 h / Ankunft: 16:50 h zwischen Myennes und Belleville

 

Tagestour: 20,4 km  (Sonne, warm)

 

Wie gut es war, dass wir gestern früh genug in den rechten Seitenarm gewechselt sind, zeigt sich heute. Der Zugang hinter der ehemals einzigen Insel, jetzt in mehrere kleine Inseln zerfallen, ist völlig versandet. Wir hätten eine lange Strecke zum Campingplatz zurück stromauf paddeln müssen, denn es braucht eine Weile, bis wir wieder mit dem Hauptstrom vereint sind.

 

Als die Brücke von St. Thibault-sur-Loire vor uns auftaucht, sind wir gespannt auf das davor liegende Schrägwehr. Wir wechseln zur linken Flusshälfte und lenken unsere Konzentration auf den Schwall. Der ist allerdings kaum sichtbar, und die Loire säuselt eher darüber hinweg. Auch vom folgenden Schwall hinter der Brücke ist weder etwas zu hören noch zu sehen. Den hat das Wasser ebenfalls unter sich begraben. Wenig später überspannt eine Eisenbahnbrücke den Fluss, und rechts begrenzt eine mächtige Kaimauer den kleinen Ort Le Port Aubry. Nachdem wir die Hängebrücke bei Cosne-sur-Loire passiert haben, landen wir am Ortsende an, denn  die Lebensmittel und vor allem der Vin Rouge müssen aufgefüllt werden. Nach einigen Irrwegen – wir nutzen den Spaziergang reichlich aus – und hilfreichen Hinweisen der einheimischen Bevölkerung gelangen wir auch zum Supermarkt. (Hinweis für spätere Besuche: links, 1. Straße rechts,  2. Straße links). Mit im Gepäck ist auf dem Rückweg eine Kalorienbombe in Form eines Kuchens. Er trägt zur allgemeinen Stärkung bei und lässt den Energiehaushalt jubeln.

 

Nachdem auch der letzte Krümel vertilgt ist, bekundet der Magen , dass seine Kapazität erreicht ist. Etwas schwerfällig setzen wir unsere Tour fort. Heute fällt es uns etwas schwer, eine Sandbank für unser Lager zu finden, die allen Anforderungen genügt. Entweder

 

 

stören die mächtigen Türme des KKW Belleville die Idylle oder das Ufer bietet den Sonnenflüchtigen keine Deckung. Irgendwann finden wir eine – nicht ganz so schöne – Sandbank, die alle zufrieden stellt. Dafür weist der Boden andere Tücken auf. Unter der dünnen Sandschicht lauern widerspenstige Kieselsteine - eine Herausforderungfür die Häringe. Als das Tipi endlich im Boden verankert ist, tut ein abkühlendes Bad in der Loire richtig gut.

 

Dienstag, 21.07.09   Turbulenzen

 

Abfahrt: 11:05 h / Portage + Rast: 13:30-14:50 h Belleville / Ankunft: 16:45 h kurz vor Ousson-sur-Loire

 

Tagestour: 20,7 km (Sonne, warm)

 

Ein heftiges Gewitter mit lautem Donnergetöse und zuckenden, grellen Blitzen fegt in der Nacht über uns hinweg. Der Wind zeigt sich in Höchstform und zerrt an den Zeltleinen und der Tipistange, bis die Häringe aufgeben und das Zelt schließlich in Seitenlage gerät. Einige Sachen liegen blank und meine Nerven auch. Michael murmelt im Halbschlaf irgendetwas wie „Komm wieder rein, lass doch die Stange liegen.“  - und schläft weiter. Dank des strahlenden Sonnenscheins am Morgen trocknen unsere, dekorativ verteilten Sachen schnell. Ansonsten weist nichts mehr auf die turbulente Nacht hin. Nachdem alles wieder seinen Platz im Boot hat, überlassen wir uns der Strömung, dem KKW Belleville entgegen. Unwissend, wie weit sich die Insel vor dem Kraftwerk an das Wehr heran geschoben hat, wählen wir die sichere Variante und paddeln in den rechten Seitenarm, der direkt zur Aussetzstelle führt – denken wir. Wir erwischen zunächst einen toten Seitenarm, aber die nächste Abzweigung passt und ist paddelbar. Bei niedrigem Wasserstand läge hier ein langer Fußmarsch vor uns. Es ist die richtige Entscheidung. Die große Insel scheint unverändert, aber zwischen dem Hauptstrom und dem rechten Seitenarm ist ein richtiger Hindernisparcour entstanden. Vor dem Anlanden an der Rampe hätten einige Sandbänke fürs Ein- und Auspacken der Boote gesorgt. Wäre in der erbarmungslos scheinenden Sonne nicht gerade erstrebenswert gewesen. Es reicht allemal, unsere Siebensachen in der Hitze ins Unterwasser zu schleppen. Anschließend haben wir uns eine Rast im Schatten unter der Brücke mehr als verdient. Das Ambiente ist zwar nicht so toll, aber angenehm kühl, und so setzen wir gut erholt wieder ein. 

Nichts behindert die breite Strömung der Loire. Die Ruhe genießend lassen wir uns öfter einfach nur treiben. Auch die Hängebrücke von Bonny-sur-Loire bietet nichts Spektakuläres, worauf bei der Durchfahrt zu achten wäre. Noch vor Ousson-sur-Loire suchen wir uns – zum letzten Mal – eine Sandbank für unser Lager. Die Nacht wird lang, der Vin rouge schmeckt immer besser und Müdigkeit will sich einfach nicht einstellen.

 

Mittwoch, 22.07.09   Rauschendes Wasser

 

Abfahrt: 12:30 h  / Rast: 15:10-15:40 h / Ankunft: 16:40 h in Gien / Tagestour: 19,9 km (sonnig bis bewölkt)

 

 

Mit der Welt noch nicht ganz im Einklang brauchen wir einige Zeit, bis das Lager abgebaut und alles verstaut ist. Unsere letzte Etappe liegt vor uns, der ich mit einigem Herzklopfen entgegen sehe. Wir haben noch die Schwallstrecke zwischen Briare und Gien zu überwinden sowie die folgende 90°-Linkskurve zu meistern, an deren Ende bisher immer ein waagerecht im Wasser liegender Baumstamm darauf beharrte, vom rechten Ufer Abstand zu halten. Erst einmal führen uns die kleinen Stromschnellen des rechten Seitenarmes bei Ousson-sur-Loire an dem kleinen Ort vorbei. Bald danach überspannt die Hängebrücke von Châtillon-sur-Loire den Fluss. Eine Schleuse verbindet hier die Loire mit dem Canal de Briare, dessen Aquädukt mit seinen eindrucksvoll gestalteten Brückenköpfen nicht mehr lange auf sich warten lässt. Schließlich kündigt das typische Rauschen die besagte Strecke an. Doch meine Adrenalinausschüttung ist völlig unnötig, denn die Loire hat die meisten Steinbrocken unter sich begraben. Nur wenige lugen noch über der Wasseroberfläche empor. Schnell haben wir die problemlos umfahren – ohne Kontaktaufnahme. Dem Wasserstand sei Dank – auch die üblicherweise  enge Linkskurve hat alles von ihrer Schärfe verloren, selbst der Baumstamm liegt inzwischen wehrlos längs am Ufer. Die Straßenbrücke von Gien lässt sich dieses Mal sogar bis zum vierten Joch von rechts passieren. Normalerweise ist nur der zweite rechte Bogen fahrbar. Der heutige Wasserstand der Loire hat sogar den üblichen Schwall unter diesem Bogen geglättet. Wir finden es ein wenig schade. Wenig später landen wir am Campingplatz an und sind am Ziel unserer Kanutour. Der Hunger nagt und Enttäuschung macht sich breit, als wir vergebens nach der Pizzeria „Rive Gauche“ Ausschau halten. Die existiert nicht mehr. Über die lange Straßenbrücke drängt es uns nicht, also wenden wir uns in die entgegengesetzte Richtung. Angelockt von dem Namen eines Restaurants, der „Auberge des Gourmets“, kehren wir ein und fühlen uns mehr als nur getröstet. Der Name hält, was er verspricht.

 
 

Donnerstag, 23.07.09   Der 1. Abschied    (Sonne, Regenschauer)

 

 

Allgemeine Aufbruchstimmung und die erste Packerei beherrschen den Vormittag. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück heißt es heute leider Abschied nehmen von Horst und Monsieur, die noch einige Tage vor sich haben.Friedrichs Wagen ist vollgeladen, Horst sein Boot ziert das Autodach. Die Männer brechen auf, um einerseits Horst und Monsieur in La Charité-sur-Loire abzusetzen und andererseits unser Auto von Châtel-de-Neuvre zu holen. Währenddessen vertreibe ich mir die Zeit mit einem kleinen Rundgang durch das Zentrum Giens. Dort ist es allerdings kaum auszuhalten, denn die Stadt erweist sich als ein sehr guter Hitzespeicher. Demzufolge treibt es mich doch schnell wieder unter die schattenspendenden alten Bäume des Campingplatzes. Als Michael und Friedrich zurückkehren, bringen sie Grüße von Matthias mit, der mit seiner Gruppe inzwischen in La Charitè-sur-Loire angekommen ist.

 

Freitag, 24.07.09   Adieu, Loire! (sonnig bis bewölkt)

 

Abfahrt: 10:20 h in Gien / Rast: 15:30-16:00 h in Trier / 17:10-18:00 h in Klotten / Ankunft: 22:20 h in Albaxen

 

 

Leider ist jeder Urlaub einmal zu Ende und heute müssen wir endgültig Abschied nehmen. Etwas wehmütig wird alles zusammengepackt und die Heimreise angetreten. Bis Metz hält sich der Verkehr auf der mautpflichtigen Autobahn in Grenzen. Danach ist eine deutliche Zunahme spürbar, denn bis zur französisch-luxemburgischen Grenze wird

 

 

keine Maut erhoben. Auf der Heimreise nutzen wir nochmals die Möglichkeit, ein letztes Mal in Luxemburg billiger als bei uns zu tanken. In Klotten bekommen unsere Solos wieder Gesellschaft, und das Trio auf dem Autodach ist wieder komplett.