03.-06. Oktober 2002  Tagestouren auf der Unstrut und der Saale im nördlichsten Weingebiet

 

Saale, Unstrut – das nördlichste Weingebiet! Diese wenigen Worte springen ins Auge und haben gewisse Begehrlichkeiten in uns geweckt. Den Wein schon auf der Zunge spürend, beschließen wir einen Kurztrip dorthin, denn Saale und Unstrut sind außerdem auch paddelbare Flüsse. Naumburg bietet sich für unser Vorhaben gut an. Den an der Saale gelegenen Zeltplatz des KC Naumburg als festes Quartier nutzend, wollen wir je einen Tag auf der Unstrut und der Saale paddeln. Durch die regelmäßig verkehrenden Züge wird auch die Rückholung des Autos kein Problem sein.

 

 

 

Donnerstag, 03.10.2002          

Abfahrt  9:55 Uhr in Albaxen / 14:20 Uhr in Naumburg

 

Morgenstund hat Gold im Mund! Nach diesem Motto packen wir erst morgens alles

 

zusammen, wodurch sich unsere geplante Abfahrtszeit prompt um eine Stunde

 

verzögert. Michael, dadurch schon etwas entnervt: „Das machen wir nicht nochmal!

 

Das nächste Mal packen wir wieder am Abend vorher!“  Er beruhigt sich aber ganz

 

schnell wieder, als endlich die Räder rollen. Trotz des verspäteten Starts erreichen

 

 wir nach einigen Umleitungen unser Ziel Naumburg bereits am frühen Nachmittag.

 

 

Nachdem wir uns auf dem Gelände des KC Naumburg im Blütengrund häuslich

eingerichtet haben, schlendern wir an der Saale erst einmal zum Restaurant des nachbarlichen

 

Campingplatzes, um mit einem gut gekühlten, hiesigen Wein auf unsere Ankunft anzustoßen.

 

Anschließend bleibt noch genügend Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Stadt, deren

 

Wahrzeichen, der aus dem 13.Jh. stammende Dom St. Peter und Paul, sich stolz über der Stadt

 

 

erhebt und die bekannten lebensgroßen Stifterfiguren aus Kalkstein beherbergt. Der schön restaurierte Stadtkern lädt geradezu zu einem Bummel ein, besonders die prächtigen Renaissance- und Barockbürgerhäuser am Marktplatz sind fein herausgeputzt. Dafür fristen die Seitenstraßen ein karges Dasein. Da sich wohl selten Touristen hierher verirren, hat man sie ihrem Schicksal überlassen. Baufällige Häuser an den arg mitgenommenen Straßen sprechen hier für sich. Liebhaber der chinesischen Küche können wir nur warnen! Macht nicht denselben Fehler wie wir und laßt euch nicht von den niedrigen Preisen des „Asia-Bistros“ am Krumenplatz anlocken. Selbst die sind noch zu hoch für das, was serviert wird. So sehr ich mich auch bemühe, es will nicht so recht die Speiseröhre hinunter. Wir hätten doch lieber in ein Restaurant im Zentrum einkehren sollen!

 

 

Freitag, 04.10.2002     Auf der Unstrut von Karsdorf bis Naumburg             

 

Abfahrt  10:55 Uhr in Karsdorf / Rast  13:00-13:20 Uhr am Biwakplatz KV Laucha / Ankunft  15:55 Uhr in Naumburg

 

Schleusen  11:30 Uhr Tröbsdorf / 13:25 Uhr Laucha, Pegel: 2,40m / 14:25 Uhr Zscheiplitz, Pegel: 1,40m

 

Wetter: sonnig – bewölkt, vereinzelte Regentropfen

 

Am Morgen die Überraschung des Tages: Die bestellten Doppelbrötchen entpuppen sich als wahre Riesendinger! Das „Schaustück“, welches uns gestern an der Rezeption des Campingplatzes gezeigt wurde, war ein ganz schöner Tiefstapler. So gesehen ist die Verpflegung des Tages erst einmal gesichert. Nachdem wir unser Auto in Karsdorf abgestellt haben, setzen wir an der dortigen Brücke ein, um die zahme Unstrut zu erkunden. Haben wir anfangs einen weiten Blick über die flachen Ufer, säumen bald darauf herbstlich gefärbte Wälder den Fluß. Erst hinter Burgscheidungen tauchen links für einen Moment steile Weinberge in der Ferne auf. Kurz danach zwingt eine hoch aufragende, schroffe Felswand mit weit hervorspringenden Kanten im oberen Drittel die Unstrut in eine scharfe Rechtskurve. Zumindest sorgt diese mal für ein bißchen Lebendigkeit auf diesem überaus gemächlichen Fluß, dessen geringe Strömung auch noch häufig durch Wehre gebremst wird. Dank der Schleusen brauchen wir uns um Portagen keine Gedanken zu machen. Wir werden überall geschleust, und bei einer dieser Gelegenheiten muß uns ein Schleusenwärter erst einmal sein leid klagen. Ihn erzürnt besonders die Zunahme rücksichtsloser Motorbootfahrer, die sich um den Naturschutz und den daraus erfolgten Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht scheren. Ein großes Schild am rechten Ufer weist auf den Biwak- und Rastplatz des Kanuvereins Laucha hin. Der Magen murmelt schon einige Zeit vor sich hin und verlangt Nachschub, außerdem warten die „Doppeldecker“ im Gepäck darauf, endlich vernichtet zu werden. Um dem allen gerecht zu werden, landen wir am Bootsanleger des Kanuvereins an. Bis zur nächsten Schleuse brauchen wir anschließend nur ein paar Paddelschläge, ruhen uns im sanft fallenden Wasser aus und lassen danach Laucha hinter uns. Den Horizont beherrschen jetzt links weit entfernt liegende, fast kahle Hänge, auf deren Höhe sich die bewegenden, schwarzen Punkte als Wandergruppe herausstellt. „Guck mal, Senkrechtstarter!“ Etwas irritiert halte ich danach Ausschau und bin mal wieder fasziniert vom tierischen Verhalten. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Unsere heimischen Enten erheben sich sanft ansteigend bis zu ihrer Flughöhe. Diese hier nicht. Die schießen tatsächlich senkrecht hinter einem Busch hervor und fliegen von dannen! Kaum paddeln wir aus der Schleuse Zscheiplitz heraus, taucht ein einsamer Turm über den Wäldern auf. Das Rätsel, wozu der wohl gehören mag, klärt sich nach ein paar Kurven schnell auf. Groß und weitläufig erhebt sich Schloß Neuenburg (1090-1227) auf einer Anhöhe über den Fluß, welches einst nach der Wartburg die bedeutendste Burg der Thüringer Landgrafen war. Eine Frage bleibt: Wacht der einsame Turm als Vorbote über das mächtige Schloß von Freyburg oder über die Weinberge? Immerhin paddeln wir gerade am Zentrum des „Weinbaus Unstrut-Saale“ entlang. Mit der Schleuse der Stadt Freyburg haben wir auch das letzte Wehr ohne große Anstrengung gemeistert. Nun wird die Unstrut nicht mehr künstlich gebremst und lebt etwas auf. Zumindest wird eine leichte Strömung spürbar. Schon paddeln wir etwas beschwingter an den zugewachsenen Ufern entlang. Erst kurz vor Großjena wird die Sicht wieder auf die umliegende Landschaft freigegeben. Hier muß, den Geräuschen nach zu urteilen, ein seltsamer Geselle zu Hause sein. Aus den Bäumen ertönt eine Vogelstimme, die eher an einen flaschenreibenden Korken denken läßt. Entweder mißfällt das der uns entgegen kommenden Ente oder sie antwortet nur mit ihrem knarrenden Geschnatter dem Unbekannten. Schon von weitem sehen wir die Fähre „Blütengrund“ von Naumburg, die gerade die Saale überquert hat, um Passanten sicher über den Fluß zu bringen. Ruhig trägt uns die Unstrut in die Saale, die wir am Bootsanleger des Naumburger KC verlassen. Eine landschaftlich schöne Paddeletappe liegt hinter uns, die aber für unseren Geschmack ruhig etwas mehr Lebendigkeit

 

 

haben könnte. Vereinzelte Regentropfen am Tag haben uns nicht groß gestört. Doch Nachdem

Michael mit dem Auto wieder zurück ist, verdichten sich die immer mehr und stören schon

 

empfindlich beim Grillen von Bratwürsten und Schnitzel auf unserem neuen „Multistove“, ein

 

zusammenklappbarer, zum Grillen und Backen geeigneter Windschutz mit Ablagerost.

 

 

Samstag, 05.10.2002    Auf der Saale von Camburg bis Naumburg

 

Abfahrt  10:45 Uhr in Camburg / Rast  13:10-13:45 Uhr am Wehr Bad Kösen / 14:45 Uhr  Wehr Altenburg /Ankunft  15:25 Uhr in Naumburg / Pegel hinter Camburg: 0,70m / Wetter: sonnig bis bewölkt, etwas windig

 

 

Heute geht es auf die Saale, von der wir etwas mehr Spritzigkeit erwarten. Der große Parkplatz am Rewe-Markt bietet sich zum Abstellen des Autos geradezu an, da er direkt am Ufer der Saale liegt und sich hier ein guter Einstieg ermöglicht. Schnell sind wir in der quicklebendigen Strömung des Flusses und paddeln anfangs durch ein Eisvogelrevier. Nur die schillernden Grün- und Blautöne verraten diese kleinen, hübschen Vögel, wenn sie blitzschnell übers Wasser schwirren. So wie sie sich am Ufer niederlassen, verschmelzen sie wieder mit ihrer Umgebung. Vor der Brücke von Tümpling erregt ein Aststück unsere Aufmerksamkeit. Da die kleinen Stromschnellen unter der Brücke unsere volle Konzentration fordern, sehen wir nur noch aus den Augenwinkeln, wie dieser vermeintlich tote Gegenstand plötzlich zum Leben erwacht und ein putzmunterer Nutria, ein Sumpfbiber, sich flußaufwärts davon macht. Grund genug zu bremsen, den Rückwärtsgang einzulegen und ihn eine Weile zu beobachten. Flott führt uns die Strömung durch die urwüchsige, herbstlich gefärbte Landschaft, durch deren Wälder ab und zu die terrassierten Weinberge blinzeln. Spritzig geht es über die zahlreichen kleinen Schwälle, die den kurvigen Flußlauf interessant und uns viel Spaß machen. Teilweise begrenzen hohe Buntsandsteinberge die Saale, deren schroffe Felsen steil in die Höhe ragen. Auf einem davon thront ca. 170m hoch die Burg Saaleck und auf einem weiteren dahinter die Ruine der Rudelsburg, die seit dem 11. Und 12.Jh. die damaligen Königs- und Handelswege überwachten und heute bekannte Ausflugsziele sind. Unterhalb der Burgen biete sich am rechten Ufer der „Kanu-Stop“ mit einem Rastplatz mit einem Imbißstand für müde und hungrige Paddler an, links lockt ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche. Energiebündel können auch den Aufstieg zum Restaurant „Himmelreich“ wagen, welches einige Kilometer weiter von seiner Höhe auf die Saale hinunterblickt. Bald danach wird die Strömung spürbar weniger, der Rückstau des Wehres von Bad Kösen macht sich bemerkbar. Da der Ausstieg an der Umtragestelle nicht sofort erkennbar ist, tasten wir uns zunächst vorsichtig an der rechten Flußseite heran. Gegenüber von einem Restaurant können wir über eine breite Treppe aussteigen, auf kurzem Weg umtragen und den Canadier wieder ins Unterwasser des Wehres einsetzen. Zwischendurch genießen wir eine kleine Erholungspause mit stärkendem Kaffee und den bewußten Doppelbrötchen. Nebenbei nähren wir noch die Träumereien eines Jungen, der gern einmal mit so einem Boot Abenteuer erleben möchte. Hier treffen wir auch die ersten Kanuten, die ebenfalls hier rasten. Ein Stück paddeln wir gemeinsam, und nach dem Umtragen des Naturwehres Altenburg trennen sich vorläufig unsere Wege bis zur ihrer Ankunft auf dem Lagerplatz des Naumburger KC. Auch heute ist es kein Problem, das Auto wieder zurück zu holen. Da uns bisher jeder auf den „Alten Felsenkeller“ heiß gemacht hat, wollen wir dort

 

natürlich auch hin. Vom Fluß aus wäre das sicher kein Problem. aber über Land. Nach langem Umherirren sehen wir endlich in einer Seitenstraße bei unserem letzten Versuch ein Hinweisschild und werden reichlich belohnt. Nicht umsonst wird von diesem Restaurant geschwärmt. Schmackhafte Gerichte zu zivilen Preisen und ein sehr guter Service laden zum Wiederkommen ein. Wieder zurück lassen wir den überaus regnerischen Abend im Bootshaus ausklingen, in dem ein eifriger Erfahrungsaustausch mit anderen Paddelgästen stattfindet. Daß die Letzten erst spät in ihren Zelten verschwinden, ergibt sich dabei ganz von selbst.

 

 

Sonntag, 06.10.2002    Rückfahrt

Abfahrt 11:10 Uhr in Naumburg / Rast  12:30-13:15 Uhr in Roßla /15:45 Uhr in Albaxen

 

Noch ein letztes Mal wagen wir uns an die Doppelbrötchen heran, dann heißt es Packen und

 

Abschied nehmen. Es sind leider nur zwei Tage gewesen. Landschaftlich haben uns beide Flüsse

 

sehr gut gefallen, aber was das Paddeln anbelangt, ziehen wir eindeutig die Saale vor, deren

 

 

lebendiger Flußlauf für Abwechslung sorgt. Auf jeden Fall werden wir wiederkommen, auch auf den Zeltplatz des Naumburger KC im Blütengrund, auf dem wir uns sehr wohl und gut aufgenommen

 

gefühlt haben.

 

 

 

SAALE UND UNSTRUT  18.-21. April 2003

 

Freitag, 18.04.2003   Ankunft unter schlechten Vorzeichen

 

Abfahrt  9:15 Uhr in Albaxen / Rast  11:30-12:15 Uhr in Roßla / Ankunft  13:30 Uhr in Naumburg

 

Wir sind die ersten Gäste beim Naumburger KC in diesem Jahr. Da wir wieder bereits am frühen

 

Nachmittag angekommen sind, brechen wir mit Bärbel und Roman zu einem kleinen Naumburger

 

 

 

Stadtrundgang auf. Von der Dombesichtigung hält uns dabei allerdings der unverschämte

Eintrittspreis von 4,- € ab. Wir hätten auch vom Abendessen in der Campingplatz-Restauration

 

Abstand nehmen sollen. Das muß nicht nochmal sein! Die angeblich noch zwei vorrätigen Schnitzel entpuppen

 

sich als zwei halbe Schnitzel bzw. Ministeaks, die auch nur schmecken, wenn man  ausgehungert ist. Zudem

 

beschert uns der Abend auch noch Regen und Kälte, was auch nicht unbedingt zum Wohlbefinden beiträgt. 

 

 

Samstag, 19.04.2003   Später Start in Laucha auf der Unstrut

 

Wetter: leichte bis heftige Regenschauer, kühl

 

 

Heftige Regenschauer am Morgen lassen uns zweifeln, überhaupt loszufahren, aber als die nachlassen, überzeugen sie uns schließlich doch. Aufgrund der sich schon der Mittagszeit nähernden Stunde setzen wir bereits in Laucha hinter dem Wehr ein. Glücklicherweise, denn ständiger Regen begleitet uns, mal leicht, mal heftig. Selbst die überraschten Schleuser sind kaum aus ihrer trockenen Umgebung herauszulocken. Sie meinen nur, sie hätten nicht damit gerechnet, daß bei dem heutigen Wetter überhaupt einer käme. Andererseits sind sie aber auch recht dankbar für ein kleines Schwätzchen, das wenigstens etwas Abwechslung in den eintönigen Tag bringt. Während Michael und Roman das Auto von Laucha holen, nutzen Bärbel und ich die Zeit für einen Aufwärmungs- und Trocknungsprozeß in der Campingplatz-Restauration . Abendessen im „Alten Felsenkeller“, wobei wir pflichtgemäß die uns vom KC übertragenen Grüße an den Kellner Jörg ausrichten. Alt werden wir heute Abend nicht. Heftiger Ergüsse von oben, einhergehend mit einer unangenehmen Kälte läßt uns ziemlich früh in die warmen Schlafsäcke flüchten.

 

Sonntag, 20.04.2003   Wetterumschwung auf der Saale von Camburg bis Naumburg

 

Abfahrt  10:20 Uhr in Camburg / 1. Rast  12:30-13:45 Uhr  Wildrestaurant Schloß Saaleck / 2. Rast  14:30-15:10 Uhr in Bad Kösen / Ankunft  16:45 Uhr in Naumburg / Wetter:  Sonne

 

 

Strahlender Sonnenschein während der Tour!!! Unter den wachsamen Augen der Ruinen des Schlosses

Saaleck und der  Rudelsburg lassen wir uns vom Landgasthof „Schloß Saaleck“ zur Einkehr verlocken

 

und werden mit einem schmackhaften Essen und einer netten Bedienung belohnt. Romans Gelüsten an

 

diesem herrlichen Tag schließen wir uns gerne an und genießen erst einmal einen leckeren Eisbecher in

 

Bad Kösen, bevor wir unterhalb des Wehres die Boote wieder einsetzen. Abends versorgen wir uns

 

selber, und so hilft die wärmende Holzkohle des Grills wenigstens etwas über die wieder

 

hereinbrechende Kälte aufgrund des abstürzenden Thermometers hinweg.

 

 

Montag, 21.04.2003   Zähe Rückfahrt nach Hause

 

Abfahrt  12:00 Uhr in Naumburg / Ankunft  16:20 Uhr in Albaxen

 

Wären wir doch bloß wieder über Osterode gefahren, das ging auf der Fahrt nach Naumburg richtig flott. Stattdessen schlagen wir die Route über Duderstadt ein und stöhnen über den mehr oder weniger zähflüssigen Verkehr.