04. August 2002    Spiel von Licht und Dämmrigkeit auf der Alster von Wohldorf-Ohlstedt bis Eppendorf

 

> Abfahrt 9:15 h von Tönnhausen nach Hamburg/¼ Std. später Zwangspause – Sperrung der Ortsdurchfahrt aufgrund eines Radrennens

 

> Wahrscheinliche Dauer der Sperrung laut Polizei: 15-20 Minuten / Tatsächliche Dauer: 80 Minuten

 

Abfahrt  11:40 h in Wohldorf-Ohlstedt/Schleuse Poppenbüttel 13:30 h/Rast 14:30-15:15 h in Ohlsdorf/Ankunft 16:30 h in Eppendorf

 

Bequem können wir am am „Campingplatz Haselknick“ in Wohldorf-Ohlstedt an dem flachen Ufer der Oberalster einsetzen und befinden uns sofort in einer idyllischen, scheinbar unberührten Landschaft, durch die sich die Alster in ihrem engen und teilweise tiefen Flußbett an den dicht bewachsenen Ufern windet. Hier läßt es der kleine, lebendige Fluß kaum erahnen, daß wir uns inmitten einer hektischen Großstadt befinden. Kleine Lichtungen unterbrechen hin und wieder das Zwielicht des Waldes und bringen etwas Sonnenlicht in die ansonsten schattige Flußlandschaft. Weiden lassen ihre Äste weit übers Wasser ragen. Quer im Wasser liegende Bäume verengen streckenweise die Alster (…und wir fahren nach Frankreich, damit wir um Baumleichen manövrieren können). Ein Baumstamm versperrt fast die ganze Breite des Flusses bis auf eine sehr enge Lücke an der linken Seite und dahinter liegende Äste verursachen einige Wasserbewegungen. Michael: „Los, mit Schwung d’rüber!“ Da mir nicht nach Wippen zumute ist, benutze ich den Baum lieber als Prellbock, sehr zum Unmut meines Steuermannes. Also doch durch die Lücke – genau passend für uns, und das Gewedele dahinter entpuppt sich auch nur als Drohgebärde. Als die Alster zusehends breiter und behäbiger wird, ist es nicht mehr weit bis zum Poppenbüttler Wehr, das dank der Rollrampe leicht zu umtragen ist. Gerade recht für eine Rast erscheint die Sportgaststätte „Oberalster VfW“ in Ohlsdorf, die einen leckeren Matjes zu bieten hat. Hinter der Fuhlsbütteler Schleuse geht es nur noch träge in dem begradigten Flußbett voran. Ab hier verkehren jetzt auch die Ausflugsschiffe. Ein Zeichen dafür, daß wir uns der Außenalster nähern, sind die herrschaftlichen Villen, deren weitläufige Gartenanlagen bis ans Ufer reichen. Die faszinierenden Gartenansichten würden sicherlich eine wunderbare Filmkulisse abgeben, nur die am Ufer liegenden Canadier sollten vorher entfernt werden, die sind nicht unbedingt ein Aushängeschild für die Bewohner der hochherrschaftlichen Anlagen. Am „Alster Canoe Club Hamburg“ in Eppendorf endet unsere erste Tour auf der Alster, die wahrscheinlich nicht die einzige bleiben wird. Auf der Zeltwiese des Kanuclubs kann normalerweise auch übernachtet werden, nur dieses Mal aufgrund einer Veranstaltung leider nicht. Gastronomisch befinden sich in der Nähe ein Restaurant und eine Eisdiele. Die U-Bahn-Haltestelle ist ebenfalls nicht weit, aber die  Verbindung nach Wohlsdorf etwas umständlich und langwierig.

 

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ALSTERSEE

 

Der Alstersee entstand 1190 durch Anstauung des Flusses mit einem Damm, um als Mühlenteich für das Betreiben einer großen Kornmühle zu dienen. Erst 1616 bis 1625 wurde der Mühlenteich mit der Errichtung der Hamburger Wallanlagen in Außen- und Binnenalster getrennt.

 

Die Außenalster ist der größere, nördliche Teil des Alstersees. Rund um die Außenalster ist der Alsterpark angelegt, dessen westlicher Teil zeitgleich zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 1953 ausgebaut wurde. An der Außenalster liegen einige der begehrtesten Wohnlagen Hamburgs, u. a. Harvestehude, die Straßen Bellevue in Winterhude und Schöne Aussicht in Uhlenhorst.

 

Die Lombardsbrücke markiert den alten Verlauf der Stadtbefestigung, die die Außen- von der Binnenalster trennt.

 

Die Binnenalster ist der kleinere, südliche Teil des Alstersees. In der Mitte befindet sich seit 1987 die bis zu 60 Meter Höhe speiende Alsterfontäne. Am Südwestufer, dem Jungfernstieg, liegt die Hauptanlegestelle für die „weiße Flotte“, die von hier sowohl die Alster mit ihren Kanälen als auch die Hamburger Fleete befahren und zeitweise bis nach Bergedorf verkehren. Die Bebauung um die Binnenalster herum ist vielfach geprägt von weißen Fassaden und kupfergedeckten Dächern gründerzeitlicher Büro- und Geschäftshäuser.

 

Die Kleine Alster in der Hamburger Innenstadt ist heute nur noch ein knapp 200 Meter langer und etwa 40 m breiter Abschnitt des Flusses, der die Binnenalster mit dem Alsterfleet verbindet. An dieser Stelle wird die Alster durch die Rathausschleuse gestaut.

 

 

 

 

 

ALSTER     01.-03. Oktober 2004

 

Freitag, 01.10.2004

 

Eigentlich steht uns nicht so der Sinn nach Massenveranstaltungen auf dem Wasser, aber Kais Schwärmerei während des letzten Canadiertreffens motiviert uns dazu, an der „Alster-Grachten-Fahrt“ teilzunehmen (vielleicht einmal und nie wieder?). Die dazu gehörige Rundfahrt durch den Hafen hat uns gereizt. Wann darf schon einmal dort gepaddelt werden? Wir reisen bereits heute an, um am Samstag ohne morgendlichen Streß aufs Wasser gehen zu können, und sind entgegen unserer Erwartung die einzigen Zelter. Bärbel und Roman kommen erst Morgen, die anderen Teilnehmer ziehen die Turnhalle neben dem Bootshaus als Quartier vor. So haben wir den zur Zeltwiese umfunktionierten Spielplatz ganz für uns allein, wobei unser Lager von einem kleinen, schützenden Wall umgeben ist. Erste Kontakte werden geknüpft und Restaurantempfehlungen weitergegeben. In einem nahegelegenen, gemütlichen Restaurant mit Guiness-Ausschank treffen wir ein Kanutenpaar wieder und schließen uns ihrer Meinung über die gute Küche ebenfalls an.

 

 

 

Alster-Grachten-Fahrt     02. Oktober 2004

 

Abfahrt  9:30 h / Ankunft  15:45 h / Regenschauer, sonnig-bewölkt

 

Der Platz am VfL in Barmbek, dem Ausrichter der „Alster-Grachten-Fahrt“, füllt sich immer mehr. Geschäftig laufen Paddler hin und her, die aus allen Richtungen angereist sind. Ständig fahren Autos vor, um Boote abzuladen, während andere vor der Einfahrt warten, denn Platz ist hier Mangelware. Urplötzlich öffnet der Himmel all‘ seine Schleusen, und ein heftiger Regenschauer prasselt auf uns herunter, doch das beeinträchtigt keineswegs die gute Laune bei den erwartungsfreudigen Kanuten. Als sich die Wetterlage allmählich wieder beruhigt, wird Boot für Boot in den Goldbekkanal geschoben, wobei Kajaks eindeutig in der Mehrzahl sind.  Da es immer noch regnet, versucht jeder unter der nahegelegenen Brücke einen Warteplatz zu ergattern. In diesem Gedränge ist die Spannung in der Luft förmlich zu spüren. Nach dem erlösenden Startbeginn preschen sofort die Ersten los, als ob sie auf der Flucht sind oder irgendeinen Rekord brechen wollen. So eilig haben wir es nicht. Kajak um Kajak zieht an uns vorbei. Selten erblicken wir mal einen Canadier. Wir paddeln gemütlich den Goldbekkanal entlang, biegen rechts in den Rondeelkanal ein, der in den Rondeelteich mündet, in dessen Mitte ein Springbrunnen seine Wasserfontäne in den Himmel aufsteigen läßt. Außer uns gibt es aber auch noch andere geruhsame Paddler. Einige Grachten dümpeln hier bereits am Ufer, und deren Besitzer testen schon einmal ihre Vorräte. Über den schmalen, idyllischen Leinpfadkanal mit seinen anliegenden, aber z.T. unbewohnt wirkenden Häusern führt uns die Strecke in die Alster, die sich hinter der letzten Brücke schließlich zur Außenalster ausbreitet. Eine von Hamburgs schönsten Stadtansichten liegt jetzt vor uns.

 

 

 

Inzwischen hat sich das Kanutenfeld weit auseinander gezogen. Wohin der Blick auch schweift, Boote unterschiedlichster Art haben den großen, innerstädtischen See in ein buntes, sich sanft bewegendes Farbenmeer verwandelt. Wir sind dabei zumindest nicht die Letzten, hinter uns kommen immer noch Boote das rechtsseitige Ufer entlang gepaddelt. Der Paddelstrom verengt sich unter den zwei Brücken, die die Außenalster von der Binnenalster trennen, um sich danach wieder etwas auseinander zu ziehen. Hinter der Binnenalster gesellen wir uns zu den vielen Kanuten, die zwischen den Schwänen auf die Einfahrt in die Rathausschleuse warten. Langsam schieben wir uns nach vorn, damit wir auch beim ersten Rutsch mitkommen. Ich kann mir kaum vorstellen, daß alle auf einmal geschleust werden können. Es wird grün. Der Kampf beginnt, und wir sind mittendrin. Vor den Doppelpaddeln der Kajaker ist dabei schon Vorsicht geboten. Der Schleusenwärter kennt das wohl schon. Den scheint nichts aus der Ruhe zu bringen, und irgendwie scheint es in dem Chaos doch einigermaßen geordnet zuzugehen. Nach und nach füllt sich die Schleuse. Meinem Empfinden nach ist die schon rappelvoll, doch von oben kommen immer noch Zeichen zur Einfahrt. Erst als wir dicht gedrängt zwischen den Mauern eingezwängt sind, wird die Schleuse geschlossen. Trotz der Enge (oder vielleicht auch deswegen) steigt die ohnehin schon muntere Stimmung. Es ist schon ein besonderes Ereignis, mit so vielen Booten, die in diesem Moment voneinander abhängen, in der Schleuse festzusitzen. Bloß nicht daran denken, was passiert, wenn einer die genaue Wassertemperatur mal unter die Lupe nehmen will. Ein Blick zurück zeigt ein ähnliches Bild. Auf der Schleusenbrücke drängen sich Menschenmassen und nehmen großen Anteil an dem Geschehen unter ihnen. Eingepferchte Paddler zu sehen, scheint für die Hamburger eins der Ereignisse des Jahres zu sein. Das Wasser sinkt. Langsam hebt sich das Tor über uns und gibt den Blick nach vorn wieder frei. Nur das grüne Signal läßt auf sich warten, trotzdem wird von hinten bereits ungeduldig geschoben. Schließlich hat der Schleusenwärter ein Einsehen mit unserer verzweifelten Lage und gibt vorzeitig die Ausfahrt frei. Die Paddelschlacht geht weiter. Noch zwei Brücken, dann gibt es vor der Schaartorschleuse den nächsten unfreiwilligen Halt. Wieder gilt es, eine möglichst gute Position vor der Einfahrt zu ergattern. Wir schlagen uns dabei recht wacker. Nach der Ausfahrt kommt der große Augenblick. Wir paddeln rechts in den Hafen ein, was normalerweise für Kanuten verboten ist und für die es für die Grachtenfahrt eine Sondergenehmigung gibt. Auf dem bewegenden Wasser geht’s an dem ankernden Museumssegelschiff „Rickmer Rickmers“ vorbei, neben dem wir uns sehr winzig vorkommen, bis zu den Landungsbrücken. Jetzt heißt es wieder umkehren. Kurz vor dem Ende des Hafens wartet ein Wasserflugzeug am linken Ufer auf seinen nächsten Einsatz und rechts liegt friedlich die Wasserfeuerwehr vor dem Kai. Wieder geht es durch die Schleusen. Wieder wird nicht unbedingt auf das grüne Signal geachtet, sondern auf den Schleusenwärter, was zu Unmutsäußerungen eines Barkassenschippers im typischen Hamburger Slang führt: „Habt ihr keine Augen im Kopf? Da war noch rot!“ Die Route führt nun am linken Ufer der Außenalster entlang zum Essenfassen am „Hamburger Kanu Club“ in der Hohenfelderbucht. Hunger!!! Wann sind wir endlich da? Endlich ist rechts die ersehnte Brücke zu sehen, unter der wir noch durch müssen, um zum zum HKC zu kommen. Hier herrscht bereits große Betriebsamkeit. Der Platz ist voll von Booten und Menschen. Nach einem Slalomparcour reihen wir uns auch in die Schlange vor den Suppentöpfen ein, in denen zwei unterschiedliche, leckere Eintöpfe vor sich hin köcheln. Während alle die heiße Suppe in sich hineinlöffeln, gibt es mit Kai, Jörg und Max, die uns zwischen den Schleusen entgegen kamen, ein freudiges Wiedersehen. Als wir wieder ablegen, kommen immer noch Paddler an. Die letzten Kilometer liegen vor uns. Ein Stückchen müssen wir noch auf der Außenalster paddeln, bevor es rechts wieder in die Kanäle geht. Roman und Bärbel preschen dabei so schnell vor, daß sie die Einfahrt in den Feenteich verpassen. Von dort aus führt der Uhlenhorstkanal in den Hofwegkanal, an dem der Osterbekkanal vorbeiläuft. So paddeln wir hinter dem Feenteich gleich rechts in den breiten Osterbekkanal ein, der sich zäh und lang hinzieht. Wären wir doch bloß schon dessen Abzweigung links in den Mühlenkamper Kanal gepaddelt, der direkten Verbindung zum Goldbekkanal, bräuchten wir uns jetzt nicht mehr zu quälen! Aber wir folgen weiter der angegebenen Route, die schließlich links in den Barmbeker Stichkanal führt, der mit einer scharfen Linkskurve in den Goldbekkanal übergeht. Kurz vor dem Ziel reicht es uns, den Stadtparksee lassen wir im Gegensatz zu Bärbel und Roman aus. Es reicht ja, wenn einer das Gesuchte findet: Silberne Gesichter auf Baumstümpfen. Bisher haben wir noch kein einziges gesehen. Die können sich jetzt eigentlich nur noch in diesem See befinden, in dem sie auch von Bärbel entdeckt werden. Wieder zurück beim VfL werden wir gut mit Bratwurst, Getränken und hausgebackenem Kuchen versorgt. Teilnahme-Medaillen werden entgegengenommen und die Preise per Losziehung an die „Gesichtsfinder“ verliehen, wobei Jörg zu den Glücklichen zählt. Zum Abschied meint er noch, nächstes Jahr wolle er auch zelten, auf die Idee wäre er diesmal gar nicht gekommen. Mit Bärbel und Roman werden wir noch eine Nacht hierbleiben und morgen die Alster von Wohlsdorf bis hierher paddeln. Ein kroatisches Restaurant in der Nähe lockt zur Einkehr mit 15% Preisnachlaß aufgrund seines 15jährigen Jubiläums. Es ist eine gute Wahl, nur den Fleischbergen sind wir kaum gewachsen.

 

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03. Oktober 2004    Auf der Alster von Wohldorf-Ohlstedt bis Barmbek

 

Abfahrt  10:55 h in Wohldorf-Ohlstedt / Rast 13:25-14:30 h in Ohlsdorf / Ankunft 16:25 h in Barmbek / sonnig-bewölkt

 

Von der emsigen Betriebsamkeit des gestrigen Tages ist heute nichts mehr zu spüren. In aller Ruhe packen wir unsere Sachen zusammen und fahren nach Wohldorf-Ohlstedt, um von dort noch einen Tag auf der Alster zu verbringen, bevor wir wieder nach Hause müssen.

 

Das Ufer an der Einsatzstelle hat so seine Tücken nach Regenfällen, was ich ganz schnell zu spüren bekomme. Da mich mein Gleichgewichtssinn völlig im Stich läßt, sitze ich nach einer Unachtsamkeit im Matsch. Schließlich tauchen wir ein in die dämmrige Flußlandschaft der Alster. Quer im Wasser liegende Bäume verengen streckenweise immer noch den Flußlauf oder versperren fast dessen gesamte Breite, so daß durchaus auch mal paddlerisches Können gefragt ist, um durch die engen Lücken zu kommen. Irgendwo treffen wir auf die ersten Kanuten des heutigen Abpaddelns des „Alster-Canoe-Clubs“. Vor den Baumhindernissen kommt es dadurch immer mal wieder zu Stauungen, die besonders nachhaltig wirken, wenn sich die Bootsmannschaften erst den Weg freisägen. Bei einer dieser Massenansammlungen entscheiden wir uns kurzerhand fürs Umtragen. Am Ufer begleiten angelegte Wege die Alster, auf denen reger Betrieb herrscht. Eine Spaziergängerin erkundigt sich an unserem Ausstieg besorgt, ob das Kanufahren unter diesen Verhältnissen auf der Alster nicht zu gefährlich sei. Je mehr wir uns dem  Hamburger Zentrum nähern, desto mehr parkähnliche Grundstücke grenzen bis an das Wasser heran.