Teil 1 - ILLER

 

 

 

Samstag, 21.07.2007        Auf ins Alpenvorland

Abfahrt  9:05 Uhr  Höxter / Rast  12:40-13:40 Uhr Autohof Gollhofen, A7 / Ankunft  16:30 Uhr  Sonthofen

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Höxter, wo wir uns mit Friedrich treffen, kann es nun losgehen Richtung Bayern zum ersten unserer ausgewählten "Alpenflüsse", der Iller. Leider verhüllen in Sonthofen dichte Wolkenschleier die eigentlich beeindruckenden Berggipfel, und die feuchtschwangere Luft lässt auch nichts Gutes ahnen. Doch Petrus zeigt sich noch geduldig, so dass wir unser Zelt ohne feuchten Gruß von oben auf bauen können, wobei sich der aufgeschotterte Boden des Campingplatzes gegenüber den Heringen allerdings als äußerst widerspenstig erweist. Trockenen Fußes erreichen wir auch noch das Zentrum Sonthofens. Kaum sitzen wir unter der Laube  des "Gasthofes Löwen", öffnen sich die Himmelsschleusen. Was soll's? Jetzt haben wir keine Eile, genießen das gute Essen und warten in aller Ruhe den Regenschauer ab, bevor wir wieder zum Campingplatz zurückkehren.

 
 

 

Sonntag, 22.07.2007        Auf der Iller von Sonthofen–Rieden bis zur Rottach-Mündung: Ein unerwartetes Wiedersehen

 

Abfahrt  12:10 Uhr  Sonthofen-Rieden / Rast  13:20-14:00 Uhr Sohlstufe kurz vor Seifen / Ankunft  15:00 Uhr  Rottach-Mündung Wetter: sonnig-bewölkt

 

Nachdem wir Friedrich und die Boote an der Einsetzstelle in Sonthofen-Rieden unterhalb der Marienbrücke abgesetzt haben, fahren wir weiter bis zur Rottach-Mündung, um dort ein Auto abzustellen. Und wen treffen wir dort? Frank, einen Bekannten aus Canadierkursen, der wohl auch seinen Augen kaum traut, als er uns sieht, denn es kommt schon einem kleinen Wunder gleich. Wir sind das erste Mal hier und Frank war etwa zwei Jahre nicht mehr auf seinen "Hausbach". Wieder zurück in Sonthofen-Rieden, braucht es nur noch wenige Handgriffe, um die Boote einzusetzen. Hinter uns plätschert die Iller über die Steinbrocken unterhalb der Marienbrücke. Vor uns sucht sie sich, durch die letzten Regenfälle milchig-grün eingefärbt, ihren Weg durch die hervorgetretenen Kiesbänke. Obwohl die Iller etwas mehr Wasser vertragen könnte, strömt sie doch recht flott in weiten Kurven durch ihr breites Flussbett und rauscht über einige Felsstufen, deren kleine Schwälle uns schwungvoll hinab führen. Vereinzelte, willkürlich im Fluss stehende, große Steine laden zum "Einparken" ein. Steine gibt es übrigens reichlich, mal solitär, mal zu Kiesbänken vereinigt oder besonders kantige als überdimensionale Uferbefestigungen. Im Hintergrund konkurrieren kahle Gebirgsgipfel mit bewaldeten Höhenzügen, und am rechten Ufer ragt in einiger Entfernung beeindruckend der 1.738 m hohe Grünten empor. Kurz vor Seifen verläuft eine Sohlstufe von Ufer zu Ufer. Wir landen davor an, um uns die Situation anzusehen. Während einige Schlauchboote das Steinwehr in der Mitte überwinden, entscheiden wir uns fürs Umtragen. Infolge von Renaturierungsarbeiten teilt sich der Fluss kurz vor Seifen. Wir halten uns rechts. Die Iller wird zusehends flacher und sucht sich in dem breiter werdenden Flussbett ungehindert neue Wege, die von  gut überschaubaren Baumleichen und Baumstümpfen sowie Steinen dekoriert werden. Vereinzelt erheben sich Kiesbänke aus dem Wasser, welches mit einem seitlichen Gefälle auf verschiedenen Ebenen verläuft und der Iller eine mosaikartige Struktur beschaffen hat. Wenige Kilometer hinter der Fußgängerbrücke von Seifen verengt sich das Flussbett und windet sich in einigen S-Kurven am Rottachberg entlang. Franks Rat beherzigend, paddeln wir in der Illerschleife rechts, um die Mündung der Rottach nicht zu verpassen, die direkt hinter einer Rechtskurve in die Iller fließt und leicht zu übersehen ist. Aber heute presst dieser normalerweise kleine Bach sein braun gefärbtes Wasser so druckvoll in die Iller, dass dies nicht der Fall ist. Wir sind am Ende unserer ersten Tour, im Gegensatz zu Frank und seinen Mitpaddlern, die sich unerwarteter Weise stromabwärts am gegenüberliegenden

Illerufer tummeln. Während Frank als Fährmann fungiert und nacheinander Boote und Paddler zur Aussetzstelle übersetzt, mühen sich zwei Schlauchbootbesatzungen die Iller wieder hoch, da sie den Druck des einströmenden Wassers der Rottach unterschätzt haben. Da der Pegel für die Befahrung der Strecke oberhalb von Sonthofen zu niedrig ist, verabreden wir mit Frank, morgen nochmals die Strecke gemeinsam zu paddeln.

 

 

 
 

Montag, 23.07.2007   Wasseruntersuchungen

 

Abfahrt  11:15 Uhr  Sonthofen-Rieden / 1. Rast  12:15-12:45 Uhr Immenstedt, Alpsee / 2. Rast  14:35-15:15 Uhr Illerschleife / Ankunft  15:30 Uhr  Rottach-Mündung / Wetter: sonnig-bewölkt

 

Im Gegensatz zu gestern herrscht heute an der Marienbrücke reger Betrieb von paddellustigen Jugendlichen, die nur darauf warten, die Schlauchboote endlich ins Wasser zu lassen. Augenscheinlich führt die Iller weniger Wasser als gestern und lässt die Kiesbänke noch mehr hervortreten. Auch die Felsstufen zeigen sich markanter und bilden reizvolle Kehrwässer, wie geschaffen zur Perfektionierung von Kenterübungen. Nahe Immenstedt landen wir an einer Kiesbank zur Rast an. Frisch gestärkt geht's weiter und bald darauf haben wir die Sohlstufe erreicht. Frank und Wolfgang paddeln voraus und demonstrieren uns, dass sie rechts gefahren werden kann. Während Friedrich wieder die vorsichtige Variante wählt, fahren Michael und ich nach anfänglichen Diskussionen ebenfalls den Schwall. Problemlos und flott zieht uns der Schwall hinab, dessen Wellen eine ordentliche Wasseraufnahme bescheren. Im Renaturierungsabschnitt kurz vor Seifen paddeln wir diesmal den gewundenen linken Arm, in dem sich zwei riesige, nicht zu übersehende Baumstümpfe festgesetzt haben. Eine kurze Rast im Kehrwasser vor der Rechtskurve offenbart einen wunderbaren Blick auf die hinter uns liegenden Bergzüge. Damit die Tour nicht zu schnell zu Ende geht, legen wir in der idyllischen Illerschleife eine zweite Rast ein -  Postkartenblick garantiert, denn am gegenüberliegenden Ufer lugt eine kleine Kirche zwischen den Bäumen hervor. Aufgrund der langsamen Strömung schlägt Frank seinem Paddelpartner Wolfgang eine Kenterübung vor. Während Friedrich sich mit dem Fotoapparat und Michael sich mit dem Wurfsack positioniert, paddle ich ins Kehrwasser, um evtl. verlorene Paddel wiedereinzusammeln. Dann kann's losgehen: "1 – 2 – 3 – und raus!" Plangemäß kentert die Mannschaft und auch der Einstieg ins Boot klappt prima. Der Wurfsack kommt nicht zum Einsatz, Verluste sind auch nicht zu vermelden. Jetzt liegen nur noch einige Windungen vor uns, bis wir wieder an der Aussetzstelle anlanden, wo die Rottach heute friedlich in die Iller mündet.

 

 

 

Teil 2 – ISAR UND LOISACH

 

Dienstag, 24.07.2007    Gen Osten: Umsetzen zum Kochelsee

 

Wir ziehen weiter gen Osten zu unserem nächsten Ziel, dem Kochelsee, Basislager für die nächsten Kanutouren auf der Isar und Loisach. Über zahlreiche Kurven und Kehren geht es die Jochstraße bis zum 1178 m hohen Oberjochpass hinauf, der einen beeindruckenden Panoramablick auf die imposanten Hochgebirgsgipfel der Allgäuer Alpen bietet. Die Strecke führt durch Tirol über Reutte und am etwa 1.000 m hoch gelegenen, zwischen hohen Gipfeln eingebetteten Plansee entlang, den nördlich das länderübergreifende Ammergebirge begrenzt. Kurz vor Ohlstedt biegen wir Richtung Kochelsee ab und erreichen wenig später den Campingplatz Renken am Südostufer des Sees, der sich eingerahmt von den steilen Waldhängen des 1.271 m hohen Sonnenspitzes und den 1.731 m aufragenden Felswänden des Herzogstands in dem 605 m hoch gelegenen Talkessel ausbreitet. Markant schaut aus dem Waldhang des Sonnenspitzes die kahle Kuppe des Kiensteins heraus, ein Blickfang vom Campingplatz und besonders reizvoll im Farbenspiel der untergehenden Sonne.

 

 

 
 
 

Mittwoch, 25.07.2007   München – Immer einen Besuch wert

 

Ein Trip in die nördlichste Stadt Italiens, wie die Bayern ihre Landesmetropole München gern nennen, ist für heute angesagt. Bevor wir ins Zentrum der Stadt fahren, schauen wir noch bei „Lauche & Maas“ vorbei. Im Gegensatz zu den großen Globetrotter-Filialen geht es hier in einem ehemaligen Wohnhaus recht gemütlich zu. In den kleinen Räumen stapelt sich das Outdoor-Sortiment, und wer Zeit investiert, wird mit Sicherheit auch fündig – so wie wir. Schließlich wechseln Hüte, Hemden und Regensachen den Besitzer. Die U-Bahn bringt uns in die Altstadt, in der wir uns in die flanierende Menschenmenge einreihen und nach einem Restaurant Ausschau halten. Davon gibt es hier reichlich, und die Wahl fällt uns gar nicht so leicht. Zudem herrscht reger Betrieb, und die meisten Tische im Freien sind bereits besetzt. Doch das Glück ist uns doch ein bißchen hold, und wir finden noch einen Tisch vor der Großgaststätte „Zum Augustiner“, einer der ältesten Brauereien und Gastronomiebetriebe Münchens mit typischen Gerichten aus der Region. Unser weiterer Bummelführt an der Frauenkirche mit ihren charakteristischen, von welschen Hauben bedeckten  Zwillingstürmen vorbei, über den Marienplatz mit seinen beiden Rathäusern bis zum berühmten Viktualienmarkt. Feilgeboten wird hier fast alles, was das Herz begehrt. Außer den üblichen Obst- und Gemüsesorten

 

kommen z.B. auch Käseliebhaber voll auf ihre Kosten. Diese Palette deckt Spezialitäten aus Bayern, Frankreich und Italien ab. Das entsprechende Kleingeld sollte man allerdings dabei haben. Nur ein paar Straßen weiter bietet ein klassisches Quartett ein wenig Kultur zum Nulltarif. Ein kleines Gläschen Wein in der „Pfälzer Residenz Weinstube“ rundet unseren Münchener Streifzug ab, und anschließend bringt uns die U-Bahn wieder zu unserem Auto zurück und dieses zum Kochelsee. Still ruht der Kochelsee in der milden Abendluft und läd

geradezu ein, mit dem Boot noch ein paar Kringel unter der langsam schwindenden Sonne zu drehen. Sie sorgt für eine stimmungsvolle Beleuchtung, indem sie die Umgebung in ein imposantes Farbenspiel von Gelb-Orange-Rottönen taucht.

 

 
 
 
 

Donnerstag, 26.07.2007     Von der Notwendigkeit, ein Ersatzpaddel dabei zu haben

 

Abfahrt  12:40 Uhr  Sylvenstein / 1. Rast  13:40-14:10 Uhr kurz vor dem Wehr Fleck / 2. Rast  16:30-17:20 Uhr  Arzbach  / Ankunft  18:20 Uhr  Bad Tölz / Wetter: sonnig

 

Unter idealen Wetterbedingungen - warm, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel - machen wir uns auf den Weg nach Bad Tölz, um dort an der Aussetzstelle ein Auto abzustellen. Danach geht's weiter zum Sylvensteinsee, der 1959 durch die aufgestaute "wilde Isar" entstand und das alte Wildererdorf Fall unter seinen Fluten begrub. Der Ort wurde nahe der 400 m langen Sylvenstein-Seebrücke wieder aufgebaut, aber die Erinnerung an den historischen Ort lebt in Ludwig Ganghofers Roman "Der Jäger von Fall" weiter. Bevor die Boote am Ende des Sees zu Wasser gelassen werden, fahren wir an dem See entlang bis nach Vorderriss. Hier sollte eine Fahrt auf der oberen Isar beendet werden, um den lang gestreckten Sylvensteinsee zu umgehen. Heute schlängelt sich die Isar in ihrem derzeitigen flachen Bett durch ausgeprägte, weiße Kiesbänke dem Stausee entgegen, was uns daran zweifeln lässt, ob wir in den nächsten Tagen die Strecke ab Krün überhaupt paddeln können. Aber jetzt freuen wir uns erst einmal auf die Kanutour bis nach Bad Tölz, die wir unterhalb des Kraftwerkes Sylvenstein beginnen wollen. Zur gleichen Zeit steht ein Schlauchcanadier startklar am Ufer, nur das wichtigste Utensil fehlt. Pech für die  beiden Münchener: die Paddel warten noch zu Hause aufs Mitnehmen,  Glück: Paddler mit Ersatzpaddel getroffen, nämlich uns. Ein Treffpunkt für die Rückgabe der Paddel wird vereinbart, dann trennen sich zunächst unsere Wege. Rasant nimmt uns die Isar auf, die gleich zu Beginn nach dem Auslauf der letzten S-Kurve mit drei spritzigen Sohlstufen aufwartet, deren letzte einen schönen Schwall bildet, dem sich eine S-Kurve anschließt. Über uns zieren einige weiße Wölkchen den strahlend blauen Himmel. Unter uns glitzert das kristallklare Wasser, auf dem das Sonnenlicht reflektiert. Waldbestandene Hügelketten, steile Hänge und Auen begleiten den einsamen Flusslauf mit seinen schönen Kiesbänken. In teilweise engen Gefällkurven sprudelt die Isar mit ihrem eigenen Sound geräuschvoll über ihr steiniges Flussbett. Etwas mehr Wasser täte uns gut, denn manches Mal ist es nicht einmal paddelblatttief. Aber noch reicht der Wasserstand für die Handbreit Wasser unterm Bootsboden. Eine Rast sorgt für die nötige Energiezufuhr, und bald nachdem wir uns wieder der Strömung überlassen haben, liegt das Wehr Fleck direkt in einer Linkskurve vor uns. Infolge des niedrigen Wasserstandes können wir bis kurz vor die Wehrkrone paddeln und die Boote am linken Ufer umtragen. Nur vom Paddeln kann anfangs nach dem Einsetzen der Boote kaum die Rede sein, denn das wenige Wasser nutzt die Fläche der sehr breiten Isar ordentlich aus. Nach ein paar Kurven sorgt das enger werdende Flussbett aber wieder für das Zusammenrücken des nassen Elements, und nach dem links mündenden Jachen hält die Isar noch einige schöne Schwallstrecken über kleine Felsstufen für uns bereit. Ein Rauschen kündigt den Isar-Katarakt unterhalb von Arzbach an, über dessen Felssteine die Isar weiß schäumend rauscht. Wir landen kurz vor dem kleinen Wasserfall an und umtragen die Boote ca. 200 m über die linksseitigen Felsplatten den mit WWIII+ klassifizierten Katarakt. In Vorfreude auf ein kaltes Eis oder ein kühles Bier erklimmen wir nach getaner Arbeit den Hang zur "Isarburg" und stehen enttäuscht vor verschlossener Tür: Ruhetag. Nach einem weiteren erfolglosen Einkehrversuch, klappt es dann doch noch an einem kleinen Kiosk, um einer völligen Austrocknung zu entgehen. Mit einem ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt tauchen wir wieder in die unberührte Flusslandschaft ein. Nur das leise Rauschen des Wassers unterbricht die Stille, bis die Silhouette der Straßenbrücke der B472 die Isar überspannt und das nahe Ende unserer Tour ankündigt. Kurz darauf breitet sich Bad Tölz am Ufer aus und nach ein paar Paddelzügen um eine lange Kiesbank herum, landen wir unterhalb des Parkplatzes an.

 
 

Freitag, 27.07.2007    Ein nicht ganz freiwilliger Ruhetag

 

Eigentlich haben wir geplant, heute auf der Isar von Bad Tölz bis nach Wolfratshausen zu paddeln. Doch der defekte Golfblinker durchkreuzt unser Vorhaben und die zeitraubende Suche nach einem Ersatzteil. Als wir wieder auf dem Campingplatz zurück sind, hat unser Campfire bereits ein Tipi als Nachbarn, von dessen Bewohner Christian wir schon erwartet werden. Nach und nach treffen heute noch Franz, Wolfi und Jürgen vom Münchener Canadier-Stammtisch ein, deren Loisach-Tour wir uns morgen anschließen werden. Nach Christians ordnungsgemäßer Begrüßungs- und Vorstellungsrunde klingt der Abend nach der Bootsverladung an einem kleinen Ofenfeuerchen gemütlich aus.

 

 

Samstag, 28.07.2007    Früher Aufbruch zur Loisach

 

Abfahrt  10:00 Uhr  Farchant / Rast  11:35-12:10 Uhr zwischen Oberau und Eschenlohe  / Ankunft  15:35 Uhr  Großweil

 

 

 

Wetter: sonnig-bewölkt

Es ist schon ein berauschender Anblick, den die Alpengipfel bieten, als sich unser kleiner Konvoi der Loisach-Einsetzstelle in Farchant nähert. Unschwer zu erkennen ragt hinter Garmisch-Partenkichen Deutschlands höchstes Massiv, die Zugspitze 2962 m am Horizont empor. Nachdem sie 1770 das erste Mal bezwungen wurde,  muss sie heute einen wahren Ansturm von Wanderern, Bergsteigern und Skifahrern verkraften. Aber unser Ziel ist die Loisach, die ab Farchant meist ganzjährig befahren werden kann. Wie gut es war, dass Christian auf eine frühe Abfahrt vom Kochelsee beharrte, zeigt sich recht bald nach unserer Ankunft. Kaum sind unsere Boote entladen, füllt sich der kleine Parkplatz mit weiteren Paddelwilligen und Schlauchbooten. Nachdem wir, inzwischen von Kurt, Andreas und Karin sowie zwei bootserfahrenen Vierbeinern verstärkt, vom Ufer abgelegt haben, gleiten wir in der guten Strömung durch das voralpine Gletschertal der blaugrünen Loisach. Ihr mäandernder Flusslauf, der von dicht bewachsenen und teilweise steilen Ufern begrenzt wird, hält ein paar interessante kurze Schwallstrecken für uns bereit. Manch eine Kiesbank läuft weit in eine Kurve hinein und trägt damit zur Verengung des Flussbettes bei. Einige Äste und Zweige ragen malerisch und besonders in Außenkurven über dem Wasser oder halten sich unter dessen Oberfläche verborgen, was bei Unachtsamkeit schon einmal zu unerwünschten Kontakten führen kann. Die kleinen Pausen zwischendurch dienen nicht nur der Stillung des kleinen Hungers zwischendurch, sondern auch der Anlage eines Holzvorrates für das abendliche Feuer. Aus diesem Grund gehören Beil und Säge auch zur Grundausstattung des erfahrenen Paddlers. Als die Brücke von Eschenlohe am Horizont erscheint, verändert sich der bisherige, abwechslungsreiche Flusslauf. Eingezwängt von einer, aus überdimensional wirkenden Steinen bestehenden Uferbefestigung strömt die Loisach kanalartig durch Eschenlohe. Im Bereich der Brücke erfordern zwar ein paar Steine etwas Aufmerksamkeit, aber die kleine Schwallstrecke stellt keine besondere Schwierigkeit dar. Nach ein paar Windungen lassen wir Eschenlohe hinter uns. Die Loisach strömt nun in ihrem gleich bleibend breiten Flussbett mit gleichmäßiger Strömungsgeschwindigkeit, aber ohne paddeltechnisch interessante Abschnitte dem Wehr Kleinweil entgegen, links und rechts von fast undurchdringlichem Buschwerk begrenzt. Keine Kiesbank zeigt mehr ihr Antlitz, so dass wir erst wieder vor dem Wehr Kleinweil anlanden. Ein dichter Baumverhau aus Treibholz lässt oberhalb des Wehres keinen Blick auf die mittig gelegene Bootsgasse zu. Einigen reicht die Sicht vom Ufer aus, andere legen einen bravourösen Balanceakt über die Steinbrocken des Wehres hin, um möglichst nah an die Bootsgasse heran zu kommen. Während die meisten Boote umtragen werden, macht sich Kurt zur Wehrbezwingung bereit. Doch das hat so seine Tücken, die Schrägströmung nach rechts sollte dabei nicht unterschätzt werden, sonst drückt sie das Boot über die Bootsgasse hinaus. In dem Fall hilft nur noch eines: Alle Kraftreserven mobilisieren und sich wieder stromaufwärts zu quälen, um die Durchfahrt noch einmal direkt am Ende des Treibholzgewirrs anzufahren oder das Wehr doch zu umtragen. Kurt meistert die rasante Abfahrt im 2. Versuch.  Anschließend paddeln wir noch etwa 400 m bis zur Aussetzstelle vor der Straßenbrücke von Großweil.

 

 

Sonntag, 29.07.2007    "Canadierkiller" und magnetische Kehrwasser

 

Abfahrt  11:05 Uhr  Bad Tölz / Rast  12:35-13:20 Uhr kurz vor Einöd / Ankunft  16:00 Uhr Wolfratshausen

 

Wetter: sonnig-bewölkt, Regen

 

Unterhalb des Kraftwerks von Bad Tölz werden wir die Boote einsetzen. Doch zuvor müssen die Autos noch zum ca. 1 km entfernten Parkplatz zurückgefahren werden, da die Zufahrt hierher nur zur Entladung der Boote frei gegeben ist. In schwungvollen Kurven führt uns die Isar durch ihr breites Kiesbett, in dem sich vereinzelt und überschaubar einige Steine niedergelassen haben. Kiesbänke und unter Naturschutz stehende Inseln teilen den Fluss, der von Auwäldern eingerahmt wird. Herabhängende Zweige dekorieren hin und wieder mal eine Außenkurve und konkurrieren mit der Strömung um Aufmerksamkeit. Nach einigen Kilometern setzt ein Relikt der Alpenauffaltung einen gelben Farbfleck in die Landschaft. Oberhalb dieser Prallwand lädt der "Staubachhof" zur Einkehr ein, unterhalb zwingt der Felsen die Isar in eine scharfe Linkskurve. Weiter stromabwärts lässt eine schräg bis zur Flussmitte verlaufende Felsstufe einen schönen Schwall entstehen, von Franz "Canadierkiller" getauft aufgrund seiner hohen, evtl. ins Boot überschwappenden Wellen. Um dem zu entgehen, paddeln die einen vorsichtshalber möglichst neben dem Schwall, während die anderen voller Spaß mitten durch die Wellen rauschen – übrigens beim derzeitigen niedrigem Wasserstand ohne nachfolgendem Badewannenfeeling. So ergeht es uns auch mit einem weiteren schönen Schwall, den wir nach einer Rast kurz vor Einöd durchfahren. Nachdem wir an einem linksseitigen Steilhang vorbei gepaddelt sind, landen wir rechts an dem Campingplatz Einöd an, einem der wenigen, direkt an der Isar gelegenen Campingplätze. Groß ist der Platz zwar nicht, aber von einem Teil seiner Zeltwiese bietet sich ein idyllischer Blick auf die Flusslandschaft. Etwas tückisch wird es hinter Einöd in einer sehr engen Rechtskurve. Wird hier dem kräftigen Strömungsdruck nicht Paroli geboten, sitzt der Paddler ungewollt im Kehrwasser. Mir geht es so – anderen auch, denn da sitzen schon Michael und Friedrich. An der Mündung des Isar-Loisach-Kanals, dessen moorhaltiges Wasser über ein Steinwehr in die Isar rauscht, landen wir das letzte Mal zu einer kleinen Rast an, bevor wir die letzten Kilometer bis Wolfrats-

 

hausen in Angriff nehmen. Hinter der Brücke von Wolfratshausen sind wir am Ziel und landen an. Da der Parkplatz etwas weit entfernt ist, zeigt sich ein Bootswagen beim Transport der Boote äußerst hilfreich.

 

 

 

 

Montag, 30.07.2007   Von Kiesbank zu Kiesbank auf der Isar von Wallgau bis Vorderriß

 

Abfahrt  12:20 Uhr  Wallgau / Rast  13:30-14:00 Uhr / Ankunft  16:00 Uhr  Vorderriß / Wetter: bewölkt

 

Durch die Serpentinen der Kesselbergstraße geht es am Kochelsee entlang zum etwa 200 m höher gelegenen Walchensee und weiter bis nach Wallgau im oberen Isartal, idyllisch gelegen zwischen dem Estergebirge im Nordwesten und dem Karwendelgebirge im Südosten.

 

 

 
 
 

Während Friedrich dort Zeit und Muße hat, die traumhafte Naturkulisse zu genießen, setzen Christian, Michael und ich die Autos zu unserem Ziel Vorderriß um. Der kürzeste Weg dorthin wird zunächst durch einen Schlagbaum verwehrt. Nach dem Kassieren einer geringen Mautgebühr gibt er die Zufahrt zu einer 15 km langen, schmalen Forststraße frei, die sich direkt an der Grenze des "NSG Karwendelgebirge" kurvenreich durch die urtümliche Berglandschaft schlängelt. Endlich ist es soweit. Wir legen ab. Mit der Isar schlängeln wir uns zügig in engen Kurven am Ufergebüsch entlang. Mit seinen Zweigen und Ästen ragt es oft ins Wasser hinein. Immer wieder umkurven wir breite, weiße Kiesbänke, die manches Mal den Fluss verästeln. Hin und wieder schrappt das Paddel über den steinigen Grund, wenn es an der nötigen Wassertiefe mangelt. Da die Isar während des Paddelns die gesamte Aufmerksamkeit erfordert, legen wir viele kleine Pausen ein, um den Blick in aller Ruhe ungehindert in die Ferne auf die großartige Kulisse der majestätischen Alpengipfel schweifen zu lassen. Zwischen den Bergspitzen konkurrieren kompakte weiße und manchmal auch graue Wolkenbänke mit dem blauen Himmel und an einigen seichten Stellen flimmert die Isar im Sonnenlicht. Bevor wir in den kurzen Schwall hinter dem Rißbachdüker paddeln, stellt sich Christian in Position, um unsere "Erstbefahrung" entsprechend fotografisch und filmisch zu dokumentieren. Nach knapp 1,5 km mündet der Rißbach rechts in die Isar, und wenige hundert Meter dahinter kündet die Straßenbrücke von Vorderriß das Ende unserer letzten Isartour an. Wir setzen vor der Brücke aus und genießen vor unserer Rückfahrt zum Kochelsee noch das gemütliche Ambiente des Biergartens vom "Gasthof zur Post", selbstverständlich mit einer notwendigen Stärkung – einem leckeren, hausgebackenen Kuchen .

 

 

 

 

 

Teil 3 – TIROLER ACHE: Der Fluß mit den vielen Namen

 

Dienstag, 31.07.2007    Umsetzen zum Zellersee/Schleching-Mettenham im Tal der Tiroler Ache

 

 

 
 
 

Heute nehmen wir Abschied von dem kleinen gemütlichen Campingplatz am Kochelsee, der für einige Tage unser Zuhause gewesen ist. Christian begleitet uns weiterhin und da Friedrich nur noch ein paar Tage verbleiben, wollen wir noch gemeinsam auf die Tiroler Ache bzw. Kössener oder Große Ache, wie sie in Österreich genannt wird. Das reizvolle Bauerndorf Schleching nahe der österreichischen Grenze mit seinen blumengeschmückten, ausladenen Balkonen an den Häusern liegt im Tal der Tiroler Ache, umgeben von einer prächtigen Bergkulisse. Sehenswert ist ebenso die 1735-1737 erbaute, barocke Pfarrkirche St. Remigius mit ihrem kraftvollen Turm und ihrer gegliederten Fassade. In Mettenham, einem Ortsteil von Schleching, schlagen wir auf dem Campingplatz am urigen, in einem Tal der Chiemgauer Alpen eingebetteten Zellersee erneut unsere Zelte auf.

 

 

 

 Mittwoch, 01.08.2007    Auf der Tiroler Ache von Erpfendorf bis Ettenhausen/Schleching

 

Abfahrt  11:20 Uhr  Erpfendorf  / 1. Rast  12:50-13:20 Uhr kurz vor Kössen / 2. Rast  Hängebrücke Entenlochklamm  / Ankunft  16:10 Uhr  Brücke Wagrain-Ettenhausen / Wetter: sonnig

 

 

 

 

 

Auf dem Weg zu einem weiteren Highlight unserer Sommerreise, der länderübergreifenden, reizvollen Tiroler Ache, nutzen wir die Gelegenheit, den Schwall unterhalb der Kössener Straßenbrücke unter die Lupe zu nehmen. Daß gerade durch den Schwall rutschende Raft demonstriert dabei vorbildlich, wie am besten die den Auslauf flankierenden Steine touchiert werden, was die Besatzung aber nicht sonderlich beeindruckt. In Erpfendorf setzen wir an der Straßenbrücke unsere Boote ein. Obwohl der Wasserstand nicht sehr hoch ist, fließt die Tiroler Ache immer noch relativ schnell. Mit wenigen Kurven windet sich ihr größtenteils noch gerader Flußlauf durch ein waldumrahmtes Tal mit herrlichen Kiesbänken an den Ufern, deren farbenprächtige, geschliffene Steine von ihrer vulkanischen Herkunft zeugen. Als das Rauschen an einer Felsstufe die Stille unterbricht, landen wir zunächst am rechten Ufer an. Daß der Schwall im rechten Drittel der Sohlstufe fahrbar ist, stellt Christian zwar unter Beweis, veranlaßt Michael und mich aber trotzdem noch zu Diskussionen. Derweil quält sich der arme Christian unterhalb der Sohlstufe ab, bis wir endlich in den Schwall fahren und flott durch die hohen Wellen sausen, die sich am Auslauf kreuzen. Hungersignale veranlassen uns, kurz vor Kössen eine Rast einzulegen, um danach gestärkt dem Steinwehr unter der bereits besichtigten Straßenbrücke entgegen zu paddeln. Das Wehr ist beim derzeitigen Wasserstand nur rechts fahrbar, wobei darauf zu achten ist, ohne Feindkontakt an den letzten Steinen vorbei zu kommen, da der Schwall  leicht nach links ausläuft und der Strömungsdruck von rechts nicht zu unterschätzen ist. Hinter Kössen beginnt unbestritten der landschaftlich schönste Teil des Flußlaufes, denn die Tiroler Ache tritt in das einsame Tal der Entenlochklamm ein, eine überaus beliebte Kanu- und Rafting Strecke. In grauer Vorzeit wurde hier Holz getriftet, und damit die langen Stämme nicht hängenblieben, sprengte man skrupellos störende Felsen hinweg. Mit zunehmender Geschwindigkeit strömt die Tiroler Ache den enger zusammenrückenden, steil aufragenden Felswänden entgegen, die den Fluß in unzählige Schleifen zwingen. Schwungvoll läuft das Wasser über kleine Abfälle und Schwälle. Wir umkurven manche Kiesbank, parieren die teilweise auftretenden Querwellen und widerstehen der magnetischen Wirkung manch großen Kehrwassers. Christians Hinweis befolgend, steuern wir sofort hinter der Hängebrücke ins rechte Kehrwasser direkt hinter der Felssteilwand. Wird es verfehlt, gibt es keine Rast an dem beliebten Platz, denn die Strömung zieht das Boot mitleidlos weiter. Allerdings muß der Fluß dafür besser gefüllt sein. Problematisch wäre es nur gewesen, wenn hier vor lauter Rafts das Ufer nicht erreichbar wäre. Deren Anzahl hält sich noch in Grenzen, was an dem niedrigen Wasserstand läge, der nicht den richtigen "Kick" bringe, wie uns ein Rafting-Tourbegleiter erzählt. Von der Hängebrücke eröffnet sich ein traumhafter Blick auf die tief eingeschnittene, von Felsen und Wald begrenzte Schlucht der Chiemgauer Alpen, die der Fluß hier mit seinem glasklaren, sehr kalten Wasser durchbricht. Mit diesen schönen Eindrücken versehen, legen wir wieder ab, und genießen weiterhin die wunderbare Naturkulisse, in der sich die Klammfelsen z.T. quer in das Flußbett schieben und kleine Buchten sowie enge Durchfahrten entstehen lassen. An manchen Stellen gibt der Fluß z. Zt. sogar kleine Grotten frei. Als allmählich die Höhe der Felsen

 

abflacht, verläßt die Tiroler Ache die Durchbruchstrecke, und in der Ferne erscheinen die Gebirgszüge der Alpen wieder ins Blickfeld. Nach ein paar Kilometern überspannt die Straßenbrücke von Wagrain nach Ettenhausen den Fluß, vor der wir am rechten Ufer anlanden, um die Tour zu beenden. Beim abendlichen Ausklang braucht es keine lange Überlegung, wo wir morgen paddeln werden. Wir sind uns sofort einig: Durch die Entenlochklamm!

 

 

Donnerstag, 02.08.2007    Noch einmal das "Sahnehäubchen"

 

Abfahrt  10:40 Uhr  Kössen / Rast: Hängebrücke Entenlochklamm  / Ankunft  13:20 Uhr  Brücke Wagrain-Ettenhausen

 

Wetter: sonnig, Gewitter

 

 

 

 

 

Noch einmal  überlassen wir uns der phantastischen Naturkulisse der Tiroler Ache, wobei wir uns auf die Entenlochklamm beschränken und erst am nördlichen Ortsrand von Kössen am Klärwerk einsteigen, der günstigsten Einsetzstelle für die Schluchtbefahrung. Noch einmal winden wir uns mit dem Fluß mal zügig, mal gemächlich um die markanten Felsen und genießen u. a. das faszinierende Schauspiel der leuchtenden, vom klaren, eiskalten Wasser überspülten Steine der Kiesbänke. An der Aussetzstelle in Ettenhausen kommen wir mit einem Rafting-Anbieter ins Gespräch, der gerade einen Trupp dort abholt. Auf unsere Frage:  "Wie hoch ist eigentlich z. Zt. der Pegel, der Wasserstand?" erwidert er nur: "Wenig Wasser, zu langsam." Das beantwortet zwar nicht unsere Frage, aber bestätigt, was wir bereits gestern hörten.

 

 

 

Teil 4 – ALZ UND EINE TOUR AUF DEM PLANSEE

 

Freitag, 03.08.2007     Umsetzen nach Arlaching/Seebruck am Chiemsee: Auf historischem Boden

 

 

 

 

 

 

 

Es wird Zeit, daß wir weiter ziehen. Der lang bis in die Nacht anhaltende Regen hat die Zeltwiese regelrecht in ein Feuchtbiotop verwandelt, das sich bei jedem Schritt glucksend bemerkbar macht. Von Friedrich heißt es nun Abschied nehmen. Er bricht Richtung Heimat auf, wir fahren weiter bis zum Chiemsee. Unser erstes Ziel, der Campingplatz in Stöttham ist ausgebucht, aber bereits auf dem Nächsten, dem Campingplatz Kupferschmiede in Arlaching/Seebruck haben wir Glück. Obwohl etwas betrübt, daß wir die Zelte nur etwas entfernt voneinander aufstellen können, sind wir dennoch froh, ohne Reservierung in der Hochsaison überhaupt noch einen Platz gefunden zu haben. Was liegt näher, als an dem herrlichen Ambiente des Chiemsees entlang zu spazieren? Wir nutzen die Gelegenheit und verbinden dabei das Angenehme mit dem Nützlichen, indem wir bis zur Einsetzstelle der Alz spazieren, die dort beginnt, wo der See abfließt. Auch für Geschichtsinteressierte hat Seebruck und seine Umgebung einiges vorzuweisen. Hier zeugen einige Spuren von der keltischen und römischen Vergangenheit wie z. B. das ortsansässige Römermuseum und der Nachbau eines keltischen Gehöfts im 1 km entfernten Stöffling am rechten Alzufer.


Samstag, 04.08.2007    Von Seebruck bis zur Fähre/Restaurant Roiter: Zwischen Schlauchbooten im malerischen Alztal
Abfahrt  10:40 Uhr  Chiemsee, Seebruck / 1. Rast  12:50-13:20 Uhr  zwischen Truchtlachting und Höllthal / 2. Rast  13:50-14:40 Uhr Höllthal  / Ankunft  15:00 Uhr  Fähre am Restaurant Roiter / Wetter: sonnig

 

 

 

 

 

Ruhig liegt der Chiemsee vor uns, der mit dem Himmel verschmölze, würden die Häuser am entfernten Ufer nicht für eine Trennung sorgen. Wir setzen die Boote in der flachen Uferregion ein und passieren nach etwa 20 Minuten die Straßenbrücke am Abfluß des Sees. Jetzt paddeln wir auf der Alz und wie sich bald herausstellt, viele andere auch, hauptsächlich in Schlauchbooten jeglicher Art. Freundliches Winken, aber auch Zurufe wie "Hier gilt Tempo 30!" begleiten uns, wenn wir an den teils schwerfälligen Gefährten vorbei ziehen. Noch schlängelt sich die klare Alz in ihrem breiten, flachen Flussbett schwach strömend durch das LSG "Oberes Alztal". Anfangs bestimmen Wiesen und sanfte Hügel die Landschaft, Schilfbewuchs begleitet den Flusslauf an beiden Ufern. Auf diesem gemächlichen Abschnitt tauschen Michael und Christian die Boote – Premiere für Christian, der das erste Mal in einem Solo paddelt und feststellt, dass das doch sehr gewöhnungsbedürftig sei, insbesondere die geringe Anfangsinstabilität der "Super Nova". Nach der linksseitigen Mündung der Ischler Ache verlangsamt sich die Strömungsgeschwindigkeit merklich. Die Alz wird tief und kommt fast zum Stillstand, so dass uns nur noch Körperkraft in der Ischler Schlinge vorwärts bringt. Hier teilt sich der Fluss und führt um eine Insel herum. Wir paddeln rechts, denn der linke Arm und die Insel stehen unter Naturschutz und dürfen nicht befahren bzw. betreten werden. Ein bißchen Kultur kann nicht schaden, und deshalb landen wir hinter der Ischler Schlinge im Alzknie am rechten Ufer an, um nach der Fluchtburg Ausschau zu halten, die im 5. Jh. bei Truchtlaching der Bevölkerung in Gefahrensituationen Schutz gewährte. Christians Streifzug durch den Wald bleibt aber erfolglos. Wahrscheinlich sind wir aber nur an der falschen Stelle angelandet, da uns nur noch der ungefähre Standort im Sinn ist. Bald nachdem wir wieder abgelegt haben, versperrt den Fluß das Wehr Truchtlaching, dessen mittig gelegene Bootsgasse gut zu fahren ist. Ab hier verändert sich die Flußlandschaft. Die Alz tritt in ein Waldgebiet ein und verengt sich kurzzeitig bis zum Zusammenfluß der am Wehr geteilten Flußarme, an dessen idyllischem Platz wir eine Rast einlegen. Wenig später muß das zweite Wehr direkt hinter einer Rechtskurve umtragen werden. Doch zuvor umkurven wir noch den dicken Baum am rechten Ufer, der die Aussatzstelle direkt am Wehr Höllthal verdeckt. Als wir die Boote wieder einsetzen wollen, fängt das Problem an. Eine Schlauchboot-Armada drängt heran und beginnt die schweren Kaliber über die Kante ins Unterwasser zu zerren. Das Wort "Rücksicht" scheint für diese Spezies ein Fremdwort zu sein. Anders ist es wohl nicht zu erklären, daß sie uns dabei beim Ablegen fast versenkt hätten. Wie gut, daß hinter dem Wehr das Cafe Hofmann zur Einkehr lockt. Bei Kaffee und leckerem, hausgebackenen Kuchen beruhigt sich der Puls schnell wieder, so daß einer harmonischen Weiterfahrt nichts im Wege steht. Ab hier führt uns die Alz zügiger in weiten Kurven um mehrere Inseln herum. Eine kleine Bucht am rechten mit malerisch überhängendem Felsen lockt uns zur Einfahrt und dem Treiben anderer Flußbesucher zuzusehen. Wir lassen uns noch durch einige spritzige Stromschnellen und kurze Schwallstrecken tragen und legen schließlich an unserem Ziel, der Fähre am Restaurant Roiter an.

 

 

 

Sonntag, 05.08.2007   Umsetzen an den Plansee - Inmitten majestätischer Gipfel  -sonnig-

 

 

 

 

Am Chiemsee trennen sich nun unsere Wege nach einer harmonischen gemeinsamen Paddelwoche. Während Christian in heimatliche Gefilde aufbricht, brechen wir Richtung Österreich auf, um unseren Urlaub am Plansee ausklingen zu lassen. Doch vor unserer Ankunft dort heißt es erst einmal, sich in die Blechlawinen auf der Straße einzureihen, die oftmals nur stockend vorankommt und manchen Ort in Mitleidenschaft zieht. Endlich liegt der Plansee vor uns. Tirols zweitgrößter See erstreckt sich über eine Länge von mehr als 6 km sowie einer Breite über mehr als einen Kilometer. Sein klares Wasser soll eine Sichttiefe von 10 – 20 m zulassen. Paradiesisch in einer Höhe von etwa 1000 m gelegen, umrahmen ihn die imposanten Alpengipfel immer noch um mehr als 1000 m, und es heißt, auf seinem Grund seien versunkene Wälder und sogar eine Kutsche zu finden. Von dem Campingplatz "Sennalpe" vor der Spitze des nordwestlichen Ufers sind wir allerdings nicht sonderlich begeistert. Im Anschluß an die Liegewiese reiht sich Dauercamper an Dauercamper. Eine Zeltwiese suchen wir hier vergebens, denn die befindet sich jenseits der Straße, die mitten durch die Anlage führt. Doch der wenige Kilometer entfernt liegende, kleinere Campingplatz "Seespitz" am sogenannten "Kleinen Plansee" entspricht da schon eher unseren Vorstellungen. So richten wir uns auf dem terrassierten Wiesengelände am Hang häuslich ein, der einen schönen Blick auf den malerisch von Bergen eingeschlossenen See zuläßt. Zum Abendessen kehren wir in das angrenzende Restaurant des Hotels "Seespitz" ein, welches aber mit dem Campingplatz nur den Namen gemeinsam hat. Wir hätten etwas mehr auf die Zwischentöne der Einheimischen hören sollen, denn die Preisgestaltung paßt nicht zur Küche, die sich anscheinend stark an einer "Fastfood"-Zubereitung orientiert und nicht unbedingt zu empfehlen ist.Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird es hier empfindlich kühl für die Jahreszeit. Ich vermisse das abendliche Feuer aus Christians kleinem Ofen, aber der Künzi tut's dann auch.

 

 
 

 

Montag, 06.08.2007   Vom Plansee in den Heiterwanger See und zurück - Paddeln zwischen hohen Gipfeln

 

Abfahrt  10:20 Uhr  CP Seespitz / Rast  11:35-13:00 Uhr  "Fischer am See" / Ankunft  15:10 Uhr  CP Seespitz / Wetter: sonnig

 

Sommeridylle am Vormittag: Ein ruhiger, tiefblaugrüner See zeigt sein bestes Antlitz. Kein Windhauch kräuselt die Wasseroberfläche, auf der sich Berge und weiße Wolken spiegeln. Einige Badegäste genießen die wärmenden Sonnenstrahlen, andere wagen sich bereits ins kalte Naß. Wir auch, aber im Boot, in dem wir über das wellenfreie Wasser gleiten und zunächst einige Kringel drehen.

 

Anschließend paddeln wir durch die Wasserstraße, die den Plansee mit dem Heiterwanger See verbindet. Kurz vor diesem überspannt eine Fußgängerbrücke den Kanal und von ferne begrüßt uns schon Glockengeläut. Wie sich schnell herausstellt, sind für dieses "Konzert" eine Herde Jungrinder verantwortlich, die am Ufer des Heiterwanger Sees zwischen den Büschen umher tollen und immer wieder deren Geschmacksrichtungen testen. Wir überqueren den See und legen gegenüber dem Anlegesteg der Ausflugsschiffe am Hotelrestaurant "Fischer am See" an. Obwohl hier bereits reger Betrieb herrscht, finden wir noch ein Plätzchen auf der sonnigen Terrasse mit Seeblick. Der Trip hierher hat sich gelohnt, denn die Küche entspricht dem Slogan des Hauses: "Wer des Lebens Genüsse verschmäht, hat des Lebens Deutung nicht erkannt" (Henri Toulouse-Lautrec). Und dann zeigt der bisher ruhige See sein anderes Gesicht. Der aufkommende Wind bläst kräftig von der Seite. Den aufsteigenden Wellen müssen wir schon ordentlich was dagegen halten, damit die uns nicht zu weit in die seichte Uferregion drücken. Bevor wir in den Kanal einfahren, gönnen wir uns noch eine kleine Erholungspause am Ufer, lauschen dem leichten Rauschen, mit dem die Wellen auf den Sandstrand laufen und behalten mit einem Auge die jungen Rinder im Blick, die aber wiederum von uns keinerlei Notiz nehmen.

 
 

Ausgeruht nehmen wir den Kampf gegen den Wind wieder auf und müssen prompt an der Fußgängerbrücke andere Attacken abwehren. Der Angriff kommt von oben. Von der inzwischen zum Sprungturm zweckentfremdeten Brücke platscht es nur so ins Wasser und einer der Springer verfehlt nur um Haaresbreite Michaels Bootsheck, womit er sich höchstwahrscheinlich seine körperliche Unversehrtheit bewahrte. Unbehelligt paddeln wir weiter, auch der Wind hält sich etwas zurück – bis wir wieder auf den Plansee einbiegen. Hier mobilisieren wir noch mal alle Kräfte, bis wir am Badestrand unterhalb des Campingplatzes anlegen. Da für die nächsten Tage schwere Unwetter prognostiziert werden,  gibt es nur eine Entscheidung: Wir fahren bereits morgen nach Hause, denn ein Paddler kann viel ertragen, nur nicht eine Reihe von schlechten Tagen!

 

Dienstag, 07.08.2007    Rückreise

 

Abfahrt 11:00 Uhr  Plansee / 1. Rast  13:00-14:45 Uhr  Autohof Ellwangen, A7 / 2. Rast  17:30-18:00 Uhr  Autohof Guxhagen / Ankunft  19:10 Uhr  Albaxen

 

Vormittags lacht noch die Sonne vom Himmel und so können wir alles trocken verpacken. Aber während der Rückfahrt weicht das Himmelsblau immer mehr einem eintönigen Grau. Uns begleiten aber nur einige leichte Regenschauer auf der staufreien Heimreise.

 

 

 

Wir sind tatsächlich rechtzeitig abgereist, denn der Wetterbericht hält, was er für die Alpenregionen versprochen hat. Ungetrübt können wir so in Superlativen schwelgen, in Erinnerung an immer neue grandiose Landschaftsbilder mit einer imponierenden Naturkulisse, majestätischen Gipfeln, traumhaften Flußtälern und glasklarem Wasser.