OSTERN AN DER EGER / OHŘE IN WESTBÖHMEN   06.-13. April 2012

 

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Die Eger gilt, wie die Moldau, als eine der schönsten ganzjährig befahrbaren Wanderflüsse in Tschechien. Die Schwierigkeiten bewegen sich auf unseren Teilstücken zwischen ZWC und WWI. Auf unserer Tour haben wir 14 Wehre, von denen nach Besichtigung einige fahrbar sein sollen.

 

Standort:              Campingplatz Sadov

Teilnehmer:          Dirk Stephan, Franz Fischer, Friedrich Blase, Krome-Team: Kalle, Alex, Martin & Wind, Birgit & Volker Menzel, Dagmar & Wolfgang Helfrich, Sylvia & Michael

Freitag, 06.04.12        Wo soll’n wir uns hinwenden?

 Abfahrt 5:10 h in Albaxen / Ankunft 10:10 h in Kynšperk

 

Die Wettervorhersage ist nicht gerade prickelnd: Kälte, Regen und Schnee sollen uns erwarten. Während der Fahrt rutscht auch die Temperatur immer weiter in den Keller und erreicht in der Nähe von Kronach die

0°C-Marke. Sie arbeitet sich zwar wieder etwas nach oben, aber verharrt bei kühlen 5,5°C. Ca. 1/2 Stunde vor Kynšperk klingelt das Telefon. Dirk: „Wo seid ihr?“ Michael: „Kurz vor der tschechischen Grenze,“ Dirk: „Ich

 

bin natürlich schon da!“ Kynšperk nad Ohří, Campingplatz Dronte: Einige Meter davor steht ein einsames blaues Auto mit einem Canadier auf dem  Dach, und ein freudestrahlender Dirk empfängt uns. Der Campingplatz ist allerdings noch geschlossen, offiziell erst ab 01.05. geöffnet, aber nur bei schönem Wetter – wie uns die Männer vom benachbarten Motorradshop anvertrauen. Ein zweiter Campingplatz liegt am anderen Ufer der Ohře. Wie soll es anders sein? Auch der hat noch geschlossen. Weiter geht unsere Suche. Dem Hinweis der Motorradshop-Leute folgend bis zum Schloß Mostov, an dem es evtl. möglich wäre, zu zelten. Leider ist dem nicht so. Aber das Schloß im neogotischen Stil ist sehenswert und lädt zur Einkehr ein, um die Geister mit einem Cappuccino wieder zu beleben. Die Decken der Räume spiegeln die verschiedenen Stilepochen vergangener Jahrhunderte wider, und einen der Restauranträume krönt eine kunstvoll geschnitzte Holzdecke. Den dritten Versuch starten wir in Sokolov. Aber auch hier: Der Campingplatz „Ů Baron“ ist

 

noch geschlossen. Am vierten Platz in Darlovo, bereits ein Vorort von Karlovy Vary, fahren wir zunächst vorbei, doch zwei ältere nette Herren weisen uns den richtigen Weg. Zum Glück hat der ebenfalls noch nicht geöffnet, denn unter der Straßenbrücke wirkt der nicht gerade einladend und bietet außerdem gerade mal Platz für zwei Zelte. Jetzt wird das Navi zu Rate gezogen und wir finden einen geöffneten Campingplatz in Sadov, etwas außerhalb von Karlovy Vary. Der liegt zwar nicht am Fluß, aber wir sind zufrieden, endlich einen Platz gefunden zu haben, der sich zudem mit einer großen Zeltwiese und gepflegten

Sanitäreinrichtungen auszeichnet. Nacheinander treffen Franz, Kalle u. Co., Birgit und Volker sowie Friedrich ein, so daß wir fast komplett sind. Es fehlen nur noch Dagmar und Wolfgang, die vorher

ankündigten, später zu kommen. Zum Abendessen geht’s in die einzige Gaststätte des Ortes. Laut der Dame an der Rezeption führt der kürzeste Weg dorthin durch das Tor hinter den Sanitäranlagen

und dann durch ein zweites Tor auf die Straße. Allerdings stehen wir ratlos vor diesem, denn es ist verschlossen, meinen wir. Erst am nächsten Tag kommen wir hinter das Geheimnis der Türöffnung. Aber heute bleibt uns nichts anderes übrig, als den Umweg über das Haupttor zu nehmen – mit Kletteranlage bei der Rückkehr zum Platz.

 

Samstag, 07.04.12   Zum Einkaufen nach Cheb/Eger und Bummeln in Loket/Ellbogen / Wetter: Sonnig, aber kalt

 

Aufgrund der überaus schlechten Wetterprognose, die sich auch noch bestätigt und manchen Schneeschauer bereithält, machen wir uns auf den Weg nach Cheb/Eger. Somit erfüllt sich Martins Wunsch, auf dem Asia-Markt auf Schnäppchenjagd zu gehen. Nur müssen wir erst einmal dort angekommen sein. Es kommt wie es kommen muß, wir verlieren uns bei einer der vielen Abzweigungen in Eger. Da unsere Fahrgemeinschaft (Franz, Friedrich, Dirk, Michael und ich) sowieso keine große Lust verspürt, sich in das Getümmel des Marktes zu stürzen, suchen wir auch nicht weiter danach. Unser Ziel heißt jetzt Loket, über das Goethe bemerkte: „Es liegt über alle Beschreibung schön und läßt sich als ein Kunstwerk von allen Seiten betrachten.“ Lokets denkmalgeschützte, überschaubare Altstadt mit ihren liebevoll restaurierten Häusern strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus. In einem engen Omega-Bogen, dem sogen. „Ellbogen“, umfließt die Ohře das Städtchen und über allem thront auf einem Granitfelsen in der Mitte die alte Burg. Auf dieser Burg fand Goethes weltbekannte Steinsammlung ihr Ende: Zigeuner brachen die Kisten auseinander und verbrannten sie samt den Schriftstücken des Geheimrats. Die Steine  warfen sie fort. Im Hotel Bilý Wahrscheinlich hatte das auch Goethe wohl gemundet, auf dessen  Übernachtung ein Gedenkschild am Hotel hinweist. Nun geht es ins Tal zu den Wehrbesichtigungen. Nach Besichtigung

 

der beiden Wehre und einem schwankenden Gang über eine relativ neue, wackelige Hängebrücke, steht fest, wo wir in Loket in die Ohře einsetzen werden, um bis Karlovy Vary zu paddeln.

Auch die Aussetzstelle dort haben wir erkundet. Auf dem Weg zurück nach Sadov entdecken wir noch einen geöffneten Campingplatz fast direkt am Fluß. Allerdings ist der reichlich klein,

 
 

und wir hätten dort nicht genügend Platz gehabt. Den Abend beenden wir wieder im Kulturhaus.

Sonntag, 08.04.12       Zwischen Felspartien

Abfahrt 12 h in Loket  / Rast 13-14 h / Ankunft:15 h in Karlovy Vary / Wetter: bewölkt, leichter Schneefall

Einsetzen unterhalb des „Mini-Campings“ in Loket hinter den Wehren - Die Ohře fließt zwischen waldigen Hängen durch ein tiefes Tal, unterbrochen von felsigen Uferpartien. Einige Felsbrocken haben sich im breiten  Flussbett niedergelassen und laden zum Kehrwasserfahren ein. Leichte Schneeflöckchen umtanzen ab und zu unsere Nasenspitzen. Manchmal schaut die Sonne auf uns herab und bringt etwas gefühlte Wärme. Leider läßt die sich bei unserer kleinen Rast nicht sehen.

 

 

Schließlich erhebt sich direkt am linken Ufer die bizarre Felsformation „Svatošské Skaly“, an dem – wie auch heute – besonders gern die eigenen Kletterkünste erprobt werden. Gegenüber lädt das

 

„Restaurace Jan Svatoš“ zur Einkehr ein. Natürlich landen wir an! Wir genießen es, am warmen Bullerjan sitzend für unser Wohl zu sorgen. Wieder aufgewärmt paddeln wir noch etwa eine Stunde,

 

wobei sogar noch ein kleiner Schwall für ein bißchen Spritzigkeit sorgt, bevor wir unsere Aussetzstelle in Karlovy Vary erreichen. Zum Abendessen testen wir dort das Restaurace Galerka. Resultat: Etwas teurer,

gemütliches Lokal mit dunklem Holz ausgestattet, Essen sehr geschmackvoll, aber der Service lässt einem vergessen, dass wir in Tschechien sind. Schade, denn wir werden hier wohl nicht wieder einkehren.

 

Montag, 09.04.12       Karlovy Vary – Stadt der Kolonaden / Wetter: Sonnig

 

Bevor wir ins Zentrum Karlovy Varys vordringen, erkunden wir die Ein- und Aussetzstelle unserer nächsten Tour und entscheiden uns, im Ortsteil Dalovice zu starten und bis zum Wehr in Radošov zu paddeln.

Hier können auch die Autos geparkt werden. Anschließend bummeln wir durch die berühmteste Bäderstadt Tschechiens, wobei wir uns mehr oder weniger durch die Besucherscharen schieben. Entlang der

Mühlbrunnkolonnade an der Teplá

 

Dienstag, 10.04.12   Wildes Wasser zwischen Dalovice und Radošov

 

Abfahrt 12:05 h in Dalovice / Rast 14:30-15:00 h zw. Wehr und Radošov / Ankunft 15:40 h in Radošov / Wetter: Sonnig

 

Leider müssen wir uns von Dirk verabschieden, der sich irgendetwas eingefangen hat und nach Hause fährt. An der bereits gestern erkundeten Stelle lassen wir hinter der Brücke in Dalovice die Boote ins Wasser gleiten und fädeln uns in die sanfte Strömung ein. Wassertechnisch anspruchsvoller zeigt sich die Ohře auf dieser Etappe, bei der sich mehr Schwallstrecken mit ruhigen Passagen abwechseln. Es liegt wohl am Sonnenschein, dass die Aufmerksamkeit noch nicht voll auf den Flußlauf gerichtet ist, und es rächt sich sofort. Mit einem der ersten Steine im Flußbett haben Alex und Kalle bald ein Rendezvous. Als wir es ordentlich rauschen hören, meistern wir danach die größte Herausforderung des Tages: Eine Slalomstrecke mit schönen spritzigen Wellen. Um einer Kenterung vorzubeugen, muß Wind vorher aussteigen, was ihr gar nicht behagt. Vergeblich versucht sie, doch wieder ins Boot zu kommen. Es bleibt der armen Hündin aber nichts anderes übrig, als bis zum Ende des Slalomparcours neben herzulaufen. Danach wird es zusehends ruhiger, und schließlich liegt das vorletzte Wehr der heutigen Etappe vor uns. Das Wehr ist fahrbar, aber die Durchfahrt sehr steinig. Während sich einige bravorös durch die Steinbrocken schlängeln, beugen andere eventuellen Kontaktversuchen vor, indem sie auf dem ebenso steinigen wie auch schmalen Weg umtragen. Direkt vor dem Wehr beenden wir in Radošov unsere Tagestour.

 

Mittwoch, 11.04.12      Von Citice nach Loket

 

Abfahrt 11:55 h in Citice / Rast 12:50-13:10 h am Naturwehr / Ankunft 14:10 h in Loket /Wetter: bewölkt

 

Unter bewölktem Himmel setzen wir an der Brücke von Citice in die schmale und hier kanalisierte Ohře ein. Die anfangs noch gute Strömung nimmt ab Sokolov an Breite zu und an Geschwindigkeit ab.

 

Behäbig folgt die Ohře nun ihrem Weg. Ab zu lockern kleine Stromschnellen diese Gemütlichkeit auf. „Geschmückt“ hat sich das Flußbett mit zahlreichen Autoreifen auf dem Grund. Steine gibt es dafür

selten. Ein bißchen mehr Wasser täte dem Wehr bei fkm 202 unter der Brücke gut. Es ist fahrbar, aber etwas rumpelig, Kurz vor unserer Aussetzstelle gibt es noch ein winziges Sahnehäubchen mit einem kleinen,

gut fahrbaren Schwall.  Während fast alle am anvisierten Ziel in Loket vor den beiden Wehren die Tour beenden,paddeln Kalle und Alex weiter bis Karlovy Vary. Sie bestätigen später, was wir

 

schon bei der Besichtigung der zwei Wehre in Loket befürchtet haben: Nicht fahrbar und bescheuert zu umtragen!

 

Do., 12.04.12   Noch einmal ins wilde Wasser

 

Wetter: bewölkt, abends Regen

 

Für Kalle, Alex und Martin heißt es heute Abschied nehmen, der Alltag ruft. Volker schwächelt, Birgit und ich legen ebenfalls einen Ruhetag ein. So begeben sich heute nur vier Boote noch einmal

auf die Strecke von Dalovice nach Radošov, denn diese Etappe mit ihrer Slalomstrecke hat uns am besten gefallen. Durch die Regenfälle hat auch die Ohře ihr Gemüt verändert, wobei sich besonders der Slalomparcour mit wuchtigeren Wellen auszeichnet.

 

Fr., 13.04.12   Aber schön war es doch!

 

Abfahrt 13:10 h in Karlovy Vary / Ankunft 18:15 h in Corvey

 

 

Ein kleines Resümee: Die Ohře ist zwar ganz nett, manchmal auch etwas langweilig, und nicht mit unserem tschechischen Lieblingsfluß, der Moldau, zu vergleichen. Interessant haben wir nur die

Teilstrecken von Loket bis Karlovy Vary mit den markanten Felsengebilden und von Dalovice bis Radošov mit der Slalomstrecke gefunden. Enttäuschend für uns sind die noch geschlossenenu

Campingplätze gewesen, obwohl die laut Ohře-Flußführer bereits geöffnet sein sollten. Trotzdem haben wir unseren Spaß gehabt, auch wenn Petrus uns nicht gerade wohlgesonnen gewesen ist, und es in Sadov mit dem Kulturhaus nur eine Möglichkeit gegeben hat, abends im Trockenen und Warmen zu sitzen. Hier hat die Köchin bestens für uns gesorgt!

 

Birgit und Volker bleiben noch etwas länger und so sieht es am nächsten Morgen aus: