2001 Allier - Loire von Chatel de Neuvre - Montsoreau

mit Bildern von Moulins sur Allier - Apremont - Tours - Schloß Fontainebleau

1 4. J u l i   0 1. A u g u s t  2 0 0 1

 

A L L I E R     15.-18. Juli 2001   /    L O I R E     18.-30. Juli 2001

 

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Freitag, 13.07.2001     Reisefieber

 

> Vorherige Widrigkeiten geregelt: Abgebrochener Schneidezahn eine Woche vor Abfahrt, Marderbiß am Pkw drei Tage vor Abfahrt/

 

> Gepäck im Auto verstaut, Canadier auf dem Auto festgezurrt/> Gegen 19:30 Uhr ins Bett – vielleicht gerade ‚mal zwei Stunden geschlafen/> Geplante Abfahrt: 2:00 Uhr

 

 

Samstag, 14.07.2001    Abfahrt nach Frankreich

 

1. Abfahrt  1:50 Uhr / 2. Abfahrt  2:20 Uh/1. Rast  8:30 – 9:55 Uhr Heitersheim, Autohof Bremgarten/Grenze Mulhouse  10:05 Uhr /2. Rast  13:45 – 14:15 Uhr in Digoin/Ankunft  15:30 Uhr in Billy / Ankunft  17:10 Uhr in Châtel-de-Neuvre

 Wetter: sonnig bis bewölkt, Hagel-, Regenschauer

 

Nach einigen Stunden erzwungenen Schlaf fallen kurz vor zwei Uhr nachts endlich die Autotüren hinter uns zu. Es geht los nach Frankreich - zur Paddeltour auf dem Allier und der Loire. Die Vorfreude darauf hat uns den kurzen Schlaf beschert. Gedanklich noch bei der schlechten Wetterprognose (z. Zt. regnet es „Bindfäden“, und es soll nicht besser werden) durchfährt es mich siedendheiß: „Wo ist der Fotoapparat? Hast du ihn mitgenommen? Nein? Dann hängt er noch am Stuhl!“ Auf Paddeltour ohne Fotoapparat? Undenkbar! So drehen wir nach zum Glück nur 20 km wieder um. Schnell ist das wertvolle Stück geholt, und wir können uns wieder Frankreich nähern. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir morgens den Autohof Bremgarten in Heitersheim und lassen uns vom Frühstücksbuffet mit seinen leckeren Brötchen gerne animieren zuzugreifen. Die Grenze ist nicht mehr weit, und es regnet immer noch heftig. Ob das Wetter auch

grenzüberschreitend ist? Leider ja, der Regen hängt an uns. Erst in Digoin bleibt es für einige Minuten trocken.

 

Wir müssen hier einfach eine Pause einlegen, um einen Blick auf die Loire zu werfen. Erinnerungen an unsere erste Tour auf diesem Fluß werden wach, als wir auf der Brücke stehen. Hier starteten wir vor drei Jahren  – gespannt auf das, was damals vor uns lag. Wie es aussieht, läßt uns die Loire nicht mehr los. Wir sind wieder hier. In diesem Jahr führt der Fluß auch mehr Wasser, was uns hoffen läßt, weniger treideln zu müssen. Billy, unseren geplanten Einsatzort am Allier, erreichen wir am Nachmittag. Allerdings suchen wir dort nach einem Campingplatz vergebens. Ebenso

 

erfolglos bleibt die Suche nach dem im Kanuführer beschriebenen Campingplatz am Allier in Varennes. Es weist absolut nichts auf einen solchen Platz hin. Hinweisschilder führen uns nur zu einem vor dem Ort gelegenen Campingplatz. Aber die lange Portage zum Fluß wollen wir uns nicht antun. So fahren wir eben die ersten Kilometer nicht auf dem Wasser sondern auf der Straße entlang. In Châtel-de-Neuvre finden wir endlich, was wir suchen. Der idyllische Campinglatz „Deneuvre“ liegt direkt am Allier, hat eine kleine Restauration, und das Auto kann hier stehen bleiben. Nur das Wetter spielt immer noch nicht mit. In der Hoffnung, daß es irgendwann einmal aufhören muß zu regnen, vertreiben wir uns die Zeit mit einem gehaltvollem „Café Deneuvre“, der Bestellung von einem Baguette sowie zwei Croissants für das morgige Frühstück und einer anschließenden Platzbesichtigung. So ein bißchen stellt sich dabei die Frage, ob wir uns wirklich in Frankreich befinden. Nicht nur die Besitzer sind

 
 

Holländer, die überwiegende Mehrheit der Gäste auch. Regen hin, Regen her, wollen wir unser Zelt noch bei Tageslicht aufbauen, muß es langsam sein. Nach einigem „Streß“ steht es dann auch – und als will uns Petrus eins auswischen, schließt der Himmel kurz danach seine Schleusen. Später genießen wir ein schmackhaftes kleines Menü und stoßen mit einer Flasche Wein auf den heiß ersehnten morgigen Start unser Tour an.              

 

 Sonntag, 15.07.2001    Von Châtel-de-Neuvre bis Moulins

 

Abfahrt  10:35 Uhr in Châtel-de-Neuvre/Rast  11:45-12:30 Uhr kurz vor Autobahnbrücke/Ankunft  14:30 Uhr in Moulins            

 

Wetter: sonnig bis bewölkt, z. T. Gegenwind       

 

 

Ich kann’s kaum glauben – kein leichtes Trommeln auf dem Zelt stört die morgendliche Ruhe. Es regnet wirklich nicht! Wir genießen ohne Eile die ersten französischen Croissants. Anschließend wird das übliche Chaos in eine mehr oder weniger übersichtliche Ordnung gebracht, um es im Canadier zu verstauen. Ca. drei Wochen Paddeltour liegen vor uns, dieses Mal ohne Tourenplanung. Mal sehen, wie weit wir kommen. Wir legen ab und lassen den Campingplatz schnell hinter uns. Einsam windet sich der Allier durch die Landschaft. Läßt der Gegenwind einmal etwas nach, gönnen wir auch unseren Muskeln eine Ruhepause und genießen treibend diese Stille. Ab und zu schlängelt sich der Fluß an Steilwänden vorbei, in denen u.a. auch Uferschwalben ein Zuhause gefunden haben. Schon am Nachmittag taucht vor uns die Silhouette von Moulins auf. Da uns hier eine umständliche Portage bevorsteht, landen wir am Campingplatz an, um dort zu übernachten. Bei einer Tasse Café Creme freuen wir uns darüber, daß sich die Wetterfrösche zum Glück auch irren können. Trotz „nasser“ Vorhersage ist

bisher noch kein Tropfen Regen gefallen. Die Besichtigung der Brücke bestätigt, durchfahren können wir sie nicht. Späteren evtl. Rückenschäden vorbeugend, nehmen wir lieber Abstand von dem Gedanken, den beladenen 17er-Canadier über die Stufen an der rechten Seite zu heben. Links die Fischtreppe mit ihren Kurven würde uns das Boot wohl übelnehmen. Uns wird das Umtragen nicht erspart bleiben. Ein Bummel durch die Stadt lenkt uns von dieser Situation zunächst einmal ab. Das Zentrum hat sich in einen großen Rummelplatz  mit Jahrmarktsbuden und Karussels verwandelt, an denen reges Treiben herrscht. Auffallend ist ein besonderer Service der Kinderkarusselbetreiber, die auch für den Anhang ihrer Kundschaft sorgen. Während die Kleinen ihre Runden drehen, können die Großen auf bereit gestellten Stühlen Platz nehmen. Sitzen die Großen bequem, drehen die Kleinen vielleicht noch eine weitere Runde? Versorgt mit den nötigen Zug-/Busverbindungen von Moulins nach Châtel-de-Neuvre, kehren wir schließlich hungrig zurück. Neugierig auf die „Spezialität des Hauses“: „Fritt d’eperlans“ (frittierte Stints), bestellen wir die im Restaurant des Campingplatzes. Etwas seltsam wird uns aber, als diese serviert werden. Auf dem Teller häuft sich etwas, was mehr Ähnlichkeit mit Würmern als mit Fischen hat. Mit viel Einbildung läßt sich aber ein leicht fischiger Geschmack feststellen. Man kann es tatsächlich essen, aber einmal reicht!

 
 

Montag, 16.07.2001     Start von Moulins: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

 

Abfahrt  10:30 Uhr in Moulins/Rast  12:10 -13:50 Uhr/Ankunft  15:30 Uhr/ Wetter: sonnig bis bewölkt, z. T. Gegenwind

 

Vorm Einstieg steht uns jetzt Schwerstarbeit bevor. Es dauert schon eine Weile, bis sich eine gerade passende Lücke zwischen zwei Autos zeigt, um die Straßenseite wechseln zu können. Schnell ziehen wir das Boot über den Kreisverkehr, nicht unbedingt darauf vertrauend, daß die signalrote Farbe des Canadiers die übrigen Verkehrsteilnehmer zum Bremsen veranlassen könnte. Nach zweimaliger, schweißtreibender Portage können wir endlich ablegen. Teilweise gegen den Wind kämpfend, trägt uns die Strömung trotzdem schnell voran. Keine Schwälle oder Baumleichen beeinträchtigen auf dieser Etappe den ruhigen Flußverlauf. Fast unscheinbar hockt eine kleine Schildkröte auf einem am Ufer gestrandeten Baumstamm und scheint die angenehme Wärme der Sonne zu genießen. Ein anderer Baum dient einem Storchenpaar und seinem Nachwuchs als Quartier. Hoch oben auf dem astlosen,  kahlen, schlanken Stamm haben sie ihr Nest gebaut. Eine friedliche Ruhe liegt hier über dem Flußtal. Um sich einmal die Beine zu vertreten, steuern wir eine der vielen, schönen Sandbänke an. Wir genießen gerade unseren fast schon rituellen Imbiß  Baguette, Ziegenkäse und Rotwein , als ein lauter Knall die Stille durchbricht. Eine Explosion? Ein Schuß? Weit und breit weist aber nichts auf etwas Ungewöhnliches hin.

 

 

Bunter Nudeltopf

> Nudeln mit Brühwürfel kochen

> Schalotte, Knoblauchzehe + Schinkenbeißer kleinschneiden, in Öl anbraten

> Paprika, Möhre, Champignons, Tomaten kleinschneiden, zugeben

> Brühwürfel, italienische Kräuter zufügen

> mit Salz, Pfeffer, Paprikacreme würzen

> Ziegenfrischkäse + Nudeln unterheben

Ohne böse Vorahnung paddeln wir weiter und suchen uns im Laufe des Nachmittages eine lauschige Insel als Lagerplatz. Beim Entladen des Bootes offenbart sich die Ursache des Knalls: Einer der Reifen des Bootswagens hat sich verabschiedet. Nun ziert ihn ein langer Riß. Die Portagen in Moulins sind wohl doch zu viel gewesen. Nach bewältigter Trauerarbeit sinnieren wir beim Abendessen, wer wohl die meiste Plackerei beim Umtragen haben wird. Michaels Ansicht nach, natürlich er! Der heutige warme Tag inspiriert regelrecht zu einem Bad im Allier. Selbst Michael, der Wasser lieber von oben als von unten sieht, zieht es in den Fluß. Mich bremst die Kälte des Wassers sofort – Gänsehaut! Ein Glas Rotwein kommt danach zum Aufwärmen gerade recht.

 

Dienstag, 17.07.2001    Von Insel zu Insel

 

Abfahrt   12:15 Uhr/Rast: Regenpause bei Mornay-sur-Allier/Ankunft  18:30 Uhr /Wetter: sonnig, leichte bis heftige Regenschauer

 

 

Reistopf

> Reis mit Brühwürfel ca. 10 Min. kochen, danach quellen lassen

> Schalotte, Knoblauchzehe + gek. Schinken kleinschneiden, in Öl anbraten

> je 1 kl. Dose Kidneybohnen, grüne Bohnen + Mais zugeben

> Brühwürfel, italienische Kräuter zufügen, etwas Flüssigkeit

> mit Salz, Senf, Paprikacreme würzen

> Ziegenfrischkäse + Reis unterheben

Sieben Uhr morgens: Es ist kalt! Wo ist der Sommer? Die äußerst frische Luft läßt uns ganz schnell wieder in unsere noch wohlig warmen Schlafsäcke kriechen. Als wir drei Stunden später wieder einen Blick nach draußen wagen, lacht uns die Sonne ins Gesicht. Wir lassen uns Zeit, genießen unser Frühstück im Sonnenschein und legen erst in der Mittagszeit ab. Je weiter wir uns von der Insel entfernen, desto weiter entfernt sich auch die Sonne. Trotzdem paddeln wir noch entspannt durch die schöne Flußlandschaft. Lange sind wir aber noch nicht auf dem Wasser, da schlägt das Wetter um. Es beginnt mit leichtem Regen, der sich im Laufe des Nachmittages immer mehr steigert. Daß ein blauer Müllsack durchaus auch nutzungsfremde Qualitäten haben kann, können wir praxisnah begutachten, als wir Diepholzer Kanuten treffen. Der als „Regenjacke“ umfunktionierte Müllsack ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber durchaus praktisch. Die willkommene Gelegenheit zu einem kleinen Plausch geht allerdings zu Lasten der Konzentration beim Paddeln. Der Allier strömt ruhig in seinem breiten Bett, und keiner achtet so richtig auf seinen weiteren Verlauf. Durch Baumleichen und Sandbänke verengt sich die Strömung plötzlich extrem,  und sechs Boote drängen sich auf kleinstem Raum auf dem breiten Allier. Wir paddeln noch ein Stück gemeinsam, tauschen noch ein paar Erfahrungen aus, dann trennen sich wieder unsere Wege. Im Gegensatz zu der im Kanuführer vorgeschlagenen rechten Durchfahrt der Brücke bei Veurdre entscheiden wir uns für den linken Bogen, der gut fahrbar ist. Kleine Regenpausen zwischendurch lassen uns immer wieder hoffen, jetzt sei es vorbei, aber weit gefehlt. Der Regen macht jedes Mal nur eine kleine Verschnaufpause, um kurz darauf umso heftiger wieder loszulegen. Schließlich flüchten wir uns doch in Ufernähe, um etwas vor den Güssen in Deckung zu gehen. Sowie der Regen nach läßt, werden wir wieder aktiv, bis zur Brücke bei Mornay-sur-Allier. Die bietet etwas mehr Schutz vor der herabgießenden Nässe, die sich auch ihren Weg von der Brücke bahnt. Faszinierend beobachten wir, wie sich die anfänglichen Rinnsale in kürzester Zeit in heftige Sturzbäche verwandeln. Unsere Vorräte müssen eigentlich noch nicht aufgefüllt werden, aber die im Kanuführer angekündigte Einkaufsmöglichkeit wollen wir nutzen. Nur leichter gesagt als getan. Das Geschäft existiert nicht mehr, an seiner Stelle steht ein Restaurant, welches natürlich gerade geschlossen ist (Mittagspause von 15 – 17 Uhr). Weit  ist der Weg in den Ort nicht, aber er gleicht eher einer olympischen Disziplin. Alle paar Meter rettet nur ein Weitsprung in den Graben vor den vorbeirauschenden Lastwagen. Unverrichteter Dinge kehre ich doch lieber wieder unter die sichere Brücke zurück. In der nächsten  „Trockenphase“ legen wir wieder ab. Die hält zumindest so lange an, bis wir eine Insel zum Lagern gefunden, unser Zelt aufgeschlagen und etwas im Kochtopf haben. Danach wieder Regen, Regen, Regen. Frustration breitet sich aus. Wo ist der Sommer?

 

Mittwoch, 18.07.2001   Vom Allier in die Loire

 

Abfahrt  10:30 Uhr/Rast  12:00 Uhr in Apremont/ Bec d’Allier  17:35 Uhr /Wetter: Sonne, leichte bis heftige Regenschauer

 

Kein verdächtiges Tröpfeln stört am Morgen. Außer Vogelgezwitscher ist nichts zu hören. Nur die aufziehenden Wolken kündigen schon wieder Unheil an, obwohl sie die Sonne noch nicht ganz verdrängt haben. Der nasse Gruß läßt auch nicht allzu lange auf sich warten. Kaum haben wir abgelegt, öffnet der Himmel wieder seine Poren. In mehr oder weniger trübe Gedanken versunken, achten wir einen Moment lang nicht auf den Fluß. Etwas motivationslos lassen wir uns treiben. Bis uns eine Baumleiche in die Quere kommt. Michael reagiert schnell und steuert den Canadier gerade noch so vorbei. Idyllisch liegt Apremont am Ufer des Alliers. Es ist Mittag, Zeit, eine Pause einzulegen. Sicher wirkt der kleine Ort mit seinen engen Gassen im Sonnenschein noch atmosphärischer, aber selbst bei trüber Witterung vermittelt er mit seinen alten, adretten

 
 

Steinhäusern noch eine heimelige Beschaulichkeit. In sehr guter Erinnerung wird uns das „Restaurant du Parc“ bleiben, in dem wir zu einer guten Flasche Rotwein  ein vorzügliches Menue serviert bekommen. Kurz hinter dem Städtchen kündigt schon ein Rauschen das nächste Wehr an. Kein sichtbarer Hinweis deutet an, daß sich das Wasser an der linken Uferhälfte steil in die Tiefe stürzt. Nach Erkundigung der Lage stellen wir erleichtert fest, daß die Steinplatten des rechts verlaufenden Schrägwehres teilweise trocken sind, so daß wir das Boot leicht hinüberheben können. Beim derzeitigen Wasserstand sind die Steine und Pfähle der folgenden Eisenbahnbrücke gut überspült. Der zweite linke Bogen sieht fahrbar aus. Während ich bei der Durchfahrt nichts bemerke, meint Michael, wir seien etwas über die Stufe gerutscht. Was am letzten Wehr so einfach gewesen ist, gestaltet sich am Aquädukt des Loire-Seitenkanals um so mühsamer. Wie sehr vermissen wir unseren Bootswagen! Gepäck und Canadier müssen allein per Muskelkraft transportiert werden, und der Weg ist nicht gerade kurz. Etliche vor uns werden hier schon entlang gegangen sein, denn so eng und kurvig wie im Kanuführer beschrieben, ist der Weg nicht mehr. Als wir uns dem Becken des Alliers nähern, schweifen meine Gedanken ab. Fast genau vor einem Jahr blickten wir noch in der Nähe von Nevers auf diese schöne Flußmündung hinab und träumten davon, einmal dort entlang zu paddeln. Jetzt sind wir hier und münden mit dem Allier in die Loire. Ein wenig erschöpft steuern wir die nächste große Insel an. Unseren Lagerplatz müssen wir allerdings mit anderen Bewohnern teilen. Für die Mücken sind wir zwar willkommene Gäste, das beruht absolut nicht auf Gegenseitigkeit! Erprobt wie wir sind, haben wir aber gut vorgesorgt. Bevor sich die Plagegeister versehen, kringelt Rauch von der „Mückenabwehrspirale“ herauf und hält sie in respektvollen Abstand. Der direkt nach dem Zeltaufbau heftige Regenschauer vertreibt schließlich auch den Rest der Blutsauger, die eine Hoffnung auf eine feine Mahlzeit immer noch nicht aufgegeben haben.

 

 

Donnerstag, 19.07.2001 Unnötige Wege

 

Abfahrt  11:40 Uhr / Rast  12:40-16:00 Uhr in Fourchambault / Ankunft  18:00 Uhr

 

Wetter: sonnig bis bewölkt, leichte bis heftige Regenschauer

 

Es ist zum Verzweifeln! Wieder begrüßen uns morgens Regenschauer, so daß uns fast die Lust am Frühstücken vergeht. Demzufolge sind unsere Bewegungsabläufe auch stark verlangsamt. Es ist fast schon Mittag, als wir von der Insel Abschied nehmen. Der ständige Regen hat nur einen Vorteil. Die Loire führt reichlich Wasser, welches die meisten Kiesbänke gut überspült. Bereits nach einer Stunde erreichen wir die Brücke von Fourchambault, deren erstes und zweites linkes Joch gut fahrbar sind. Wir paddeln durch den ersten Bogen, um dahinter am rechten Ufer anzulanden. Inzwischen schaut die Sonne aus den Wolken heraus und begleitet uns zum Einkaufen. Leider wird daraus erst einmal nichts. Weit und breit ist weder ein Schlachter noch ein Lebensmittelgeschäft zu sehen, außer einer Bäckerei ist im Centrum kein Geschäft zu finden. Laut einem Hinweisschild ist der nächste Supermarkt 800 m entfernt. Was hilft’s – die Vorräte müssen aufgefüllt werden! Den Gedanken an den Rücktransport verdrängend, machen wir uns auf den Weg – nur um dort zu lesen: Mittagspause von 12:15 – 15:00 Uhr. Also vertreiben wir uns die Zeit, indem wir uns etwas umsehen. Gelobt sei die Zwangspause! Sonst hätten wir wahrscheinlich gar nicht bemerkt, daß der Intermarché fast direkt am Ufer der Loire liegt. Keine weite Schlepperei, keine „langen Arme“! Nur unser Canadier liegt jetzt weit entfernt und wartet an der Brücke. Als sich Michael aufmacht, diesen zu holen, setzt ein heftiger Schauer ein (unsere Regensachen liegen selbstverständlich im Boot). Vierzig Minuten später steuert er ans Ufer. Eine „Kletterpartie“ über den steilen, stufig ausgetretenen Trampelpfad der Böschung erspart den Weg zur weiter flußabwärts gelegenen Rampe. Die inzwischen eingetretene Trockenperiode nutzen wir mit einem kleinen Picknick. Versorgt mit Lebensmitteln und Wein können wir anschließend in aller Ruhe unserer nächsten Insel entgegen paddeln. Zwei Stunden später meinen wir, eine gefunden zu haben. Das erste, was mir ins Auge fällt, sind die vielen türkisfarben leuchtenden, flackernden Punkte an den Gräsern. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich diese als kleine, eifrig umherschwirrende Käfer – fast unscheinbar, aber sehr schön. Als wir die Insel weiter erkunden, sehen wir uns plötzlich Auge in Auge einem Reh gegenüber, welches uns genauso irritiert anschaut wie wir das scheue Waldtier. Diese Begegnung haben wir am allerwenigsten erwartet und sind überzeugt: der Inselanschein

 

 

Nudeln in Tomatensauce

> Nudeln mit Brühwürfel kochen

> Schalotte, Knoblauchzehe, Möhre, Schinken kleinschneiden, in Öl anbraten

> je 1 kl. Dose Champignons + Pizzatomaten zugeben

> Brühwürfel, Oregano, Basilikum zufügen

> mit Salz, Pfeffer, Paprikacreme, Tomatenmark würzen

 trügt, es muß hier eine Landverbindung geben. Da uns eine „echte“ Insel lieber ist, machen wir uns weiter auf die Suche. Bald darauf, in der Nähe von Marseille-de-Aubigny, entdecken wir sie: eine klitzekleine Insel nur für uns allein, in der Mitte eine kleine Sandfläche, gerade passend für unser Zelt, rechts und links davon ein paar Büsche und Bäume.

 

 

Freitag, 20.07.2001     Bis Pouilly-sur-Loire

 

Abfahrt  11:10 Uhr               /Rast:  La Charité-sur-Loire/Ankunft  17:30 Uhr in Pouilly-s.-L. /Wetter: sonnig-bewölkt, z.T. kräftiger Gegenwind

 

Beim Aufwachen beherrscht mich nur ein Gedanke: „La Charité“! Heute ist es soweit. Die Brücke von La Charité-sur-Loire mit ihrem Schwall liegt vor uns. Bloß nicht mehr daran denken, wie wir im letzten Jahr dort durch einen dusseligen Fahrfehler gekentert sind! Aber Gedanken lassen sich nicht so einfach wegdrängen, und so legen wir mit einer gewissen inneren Unruhe und besonders sorgfältig gesichertem Gepäck ab. Trotz der vergangenen Regenfälle ist der Wasserstand der Loire über Nacht etwas gesunken. Ein gutes oder schlechtes Zeichen für den Schwall? Wir werden sehen. Jetzt müssen wir uns erst einmal auf den Fluß konzentrieren und dem zeitweise kräftig auftretenden Gegenwind die Stirn bzw. die Paddel bieten. In La Marche wollen wir die Gelegenheit nutzen, unser Trinkwasser aufzufüllen. Leider gibt es die im Kanuführer angegebene Möglichkeit nicht mehr. Andererseits bietet die kleine Rast eine willkommene Ruhepause für unsere Armmuskulatur, bevor es gilt, wieder gegen den Wind anzukommen. Als die Silhouette der alten, schönen Steinbogenbrücke von La Charité im Sonnenschein auftaucht, steigert sich meine Nervosität mit jedem Paddelschlag. Portage oder Passage? Um das zu erkunden, landen wir zunächst am linken Ufer an. Ein Blick der bewußten Brücke, zwei Personen, ein Gedanke: „Wir fahren!“ Die Podeste der Brückenpfeiler liegen dieses Mal unterhalb der Wasseroberfläche, und der Schwall verläuft wesentlich „harmonischer“. Beruhigter als bei unserer Ankunft legen wir wieder ab. Selbst Michael gibt jetzt zu, etwas nervös gewesen zu sein. Langsam paddeln wir auf die Brücke zu (ein leichtes Kribbeln in der Magengegend macht sich bemerkbar), richten das Boot auf das mit „Canoe“ beschilderte zweite Joch vorbildlich aus (ein kurzer Adrenalinstoß), dann geht alles ganz schnell. Vom Sog des Wassers erfaßt, zieht der Canadier durch den hohen Schwall, kostenlose Dusche inbegriffen. Geschickt steuert Michael durch den zweiten kleineren Schwall. Geschafft! Fast noch im Taumel des Glücksgefühls legen wir an der folgenden Sandbank unterhalb der „Bar de la Plage“ zum Mittagessen an. Unser letztjähriges Mißgeschick gehört nun endgültig der

 

Vergangenheit an. Nachdem wir hinter der Bar noch unser Trinkwasser auffüllt haben, geht`s weiter. Da wir uns bis Pouilly-sur-Loire im Naturschutzgebiet befinden, soll der dortige Campingplatz unser Ziel sein. Problemlos läßt sich rechts der zweite Bogen der Brücke von Pouilly fahren. Von den zwei Möglichkeiten, zum Campingplatz zu kommen, entscheiden wir uns zunächst für den direkten Weg. Der Wasserstand des rechten Seitenarmes ist allerdings noch so seicht, daß wir mit unserem vollbeladenen Canadier nicht sehr weit kommen. Uns bleibt nichts anderes übrig, wir müssen zurück auf den Hauptarm, um die Insel herum und ein kleines Stück den rechten Arm wieder hoch paddeln.

 

Die praktische Durchführung erweist sich hierbei einfacher als die Beschreibung (im Kanuführer) vermuten läßt. Ohne besondere Anstrengung läßt sich der rechte Seitenarm aufwärts paddeln, und das Ende des erhöht liegenden Campingplatzes ist schnell zu sehen. Die Mühe, Boot und Gepäck über den kleinen Trampelpfad nach oben zu bringen, lohnt sich auf jeden Fall. Der Platz ist nicht nur schön, er hat auch einen besonderen Service zu bieten: hier kommt der Chef persönlich, um Bestellungen für Baguettes, Croissants u. ä. entgegenzunehmen. Das Chaos ist einigermaßen geordnet, das nächste Frühstück gesichert, jetzt genießen wir in aller Ruhe ein Gläschen Rotwein. Dabei wendet sich

 

Michael unseren Zeltnachbarn zu, die ebenfalls mit einem Canadier unterwegs sind: „Bis wohin wollt ihr denn noch fahren?“ Die Antwort: „Nach Bordeaux!“ hat ein prustendes Lachen aus deren Zelt zur Folge. Michael: „Da seid ihr aber auf dem falschen Fluß!“ Kurze Sprachlosigkeit seines Gegenübers, dann die Berichtigung: „Ach nee, nach Nantes!“ Das ist unsere erste Begegnung mit Horst aus Frankfurt und Horst aus Düsseldorf, auch „Monsieur genannt. Zusammen verbringen wir noch einen äußerst genußreichen Schlemmerabend im Zentrum von Pouilly, wo wir uns zufällig für dasselbe Restaurant entschieden haben. Hier entdecken wir außer dem Spaß am Canadierfahren noch andere Gemeinsamkeiten: die Freude am guten Essen und den Genuß

 

eines guten Weines. Schnell vergehen die Stunden, wir haben uns viel zu erzählen. Dabei stellt sich heraus, daß unsere Tour teilweise parallel verlaufen ist. Während wir die Wehre und einige Brückendurchfahrten auf dem Allier umtragen haben, sind sie mit ihrem weniger beladenen 15er Gatz alle gefahren, wobei ihnen unser roter Canadier das ein oder andere Mal schon aufgefallen ist. Immer noch nicht müde, sitzen wir später noch lange auf der äußersten Spitze des Campingplatzes, unter uns der Fluß, über uns ein sternenklarer Himmel, ein Glas Wein in der Hand – was will man mehr?

 

 

Samstag, 21.07.2001    Unter Reihern

 

Abfahrt  11:50 Uhr / 1. Rast  13:00-14:30 Uhr bei St. Thibault und Insel / 2.  Rast  16:00-17:00 Uhr in Cosne-sur-Loire /Ankunft  18:00 Uhr / Wetter: Sonne     

 

 

Endlich Sommer! Endlich ein gemütliches Frühstück im Sonnenschein, ohne daß ein Wölkchen am Himmel dabei stört! Unsere beiden Zeltnachbarn haben es auch nicht besonders eilig, und erst gegen Mittag legen wir gemeinsam ab, in weitaus gehobener Stimmung als noch ein paar Tage zuvor. Nur einmal fahren wir uns in dem seichten Wasser fest, schnell ist der Canadier aber wieder befreit, und kurz danach sind wir im sicheren Fahrwasser des Hauptstroms. Da weder Baumleichen noch Steine die Strömung behindern, lassen wir die Paddel ruhen und treiben entspannt auf dem Wasser, bis die beiden Horst aufgeholt haben: „Guck ´mal, ich racker mich hier ab, und Michael tut fast gar nichts und ist trotzdem noch schneller!“ Der Wein ruft! Deshalb müssen wir in St. Thibault kurz anlanden, damit diese Vorräte nicht ganz zur Neige gehen. Da die Geschäfte hier mittags schließen, macht sich Michael etwas angespannt auf die Suche. Bei seiner Rückkehr präsentiert er stolz den gerade noch so erworbenen Rotwein. Ein wenig Abwechslung nach dem heutigen bisherigen Flußverlauf bieten die zwei kleinen Schwälle an der linken Seite der Brücke von St. Thibault, die beide ohne Schwierigkeiten zu fahren sind. Kurz hinter dem Ort lädt eine lauschige Insel zur Rast ein, die schon von Horst und Monsieur in Besitz genommen worden ist. Wir gesellen uns dazu, picknicken gemeinsam und paddeln anschließend zusammen weiter. Wir nähern uns Le Port Aubry. Jubelnde Menschenmassen am Hafenkai scheinen uns zuzuwinken. Woher wissen die, daß wir kommen?  Welch eine Ehre! Doch die gilt gar nicht uns, sondern den historischen Booten, die - von Jubel begleitet - aus der Schleuse vom Canal de Briare in die Loire fahren. Immerhin – wir werden auch fröhlich begrüßt. Nach dem Trubel sind wir wieder allein, nur von einem Kormoran begleitet. Er fliegt uns bis kurz vor Cosne-sur-Loire voraus, sich ab und zu auf einem der vielen Steine niederlassend, als ob er uns durch diesen Parcour lotsen wolle. In diesem Jahr befinden sich die meisten Steine allerdings unterhalb der Wasseroberfläche.Als wir am Campingplatz von Cosne vorbei paddeln, fällt uns das erste Mal die steile Rampe auf, die zum Platz führt. Wäre das dahinter liegende Restaurant wieder unser Ziel gewesen, hätten wir heute mit einer Anlandung Pech gehabt. Die in den Vorjahren unterhalb des Restaurants freiliegenden Sandbänke sind als „Bootsparkplatz“ unbrauchbar, da sie voll überspült sind. Der Wunsch nach einem Kaffee läßt uns trotzdem anlanden, nur dieses Mal am rechten Ufer kurz vor der Brücke. Die beiden Horst paddeln weiter und so trennen sich wieder unsere Wege. Nach einer Woche Einsamkeit (von einigen Ausnahmen abgesehen), müssen wir uns an den regen Verkehr, der hier in den Straßen herrscht, erst wieder gewöhnen. Fußgänger haben gegenüber den motorisierten Verkehrsteilnehmern keine guten Chancen, schon gar nicht am Zebrastreifen. Nur Schnelligkeit zählt! Desto erstaunter sind wir, als wir, in einem kleinen Straßencafé sitzend, beobachten, daß alle Autofahrer brav am Zebrastreifen halten. Ungewöhnlich in Frankreich! Des Rätsels Lösung: ein Stopschild! Nachdem wir noch ein paar frische Lebensmittel für unser Abendessen besorgt haben, paddeln wir weiter bis es Zeit wird, nach einer Insel Ausschau zu halten. Kurz hinter Myennes gefällt uns eine: zwischen einem Wäldchen lugt ein Sand-Kieselstein-Fläche einladend hervor. Was uns aber beim Anlanden entgegen schallt, können wir zuerst gar nicht deuten. Lautes blechernes Knarren,

 

 

Paprika-Reis

Vorspeise: Mozzarrella-Tomaten m. Baguette

> Reis mit Brühwürfel garen

> Zwiebelwürfel, marinierte Paprikastreifen in Öl andünsten

> gek. Schinkenwürfel, Champignons zugeben

> Tartarkäse + Reis unterrühren

Klappern und Kreischen ertönt aus den Bäumen. Erst beim genaueren Betrachten der

Geräuschquellen sehen wir, was da vor sich geht. Dicht sind die Baumwipfel mit Graureihernestern belegt und z. Zt. ist gerade Fütterung, die allerdings mehr einer Raubtier- als einer Vogelfütterung gleicht. Kommen die Alten mit ihrer Beute, geht die Balgerei der Jungen sofort los. Ein Wunder, daß keines dabei aus dem Nest fällt.

 

Der Hunger muß groß gewesen sein. Es dauert ca. fünf Stunden, bis auch der letzte Schnabel endlich still steht. Diese Stille ist fast spürbar, bis leise Wasserbewegungen hörbar sind. Kaum in der Dunkelheit zu sehen, gleitet stolz ein schwarzer Schwan vorbei, der uns überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt. Danach hat es jemand sehr eilig, durchs Wasser zu kommen. Ein Otter? Eine Wasserratte?  Wir können’s nicht erkennen. Wieder kehrt Ruhe ein – aber nicht lange. Ein Rumpeln hinter uns läßt mir eine leichte Gänsehaut über den Rücken jagen. Michael geht auf die Suche, kann aber die Ursache nicht entdecken. Letztendlich dringen noch Böllerschüsse zu uns herüber. Gott sei Dank nur ein Feuerwerk, denn wir sind nicht weit vom nächsten Kernkraftwerk entfernt. Aber den Gedanken verdränge ich ganz schnell wieder.

 

Sonntag, 22.07.2001    Bis Gien

 

Abfahrt   11:15 Uhr / 1. Rast  12:35-13:20 Uhr am Wehr kurz vor Neuvy-sur-Loire / 2. Rast in Briare / Ankunft  19:05 Uhr in Gien

 

Wetter: Sonne, mittags etwas bewölkt

 

Ruhe liegt über der Insel, als wir erwachen. Während wir frühstücken, regt sich nichts in den Nestern über uns. Als wir die Insel bei strahlendem Sonnenschein wieder verlassen, ist von den Jungreihern immer noch kein Laut zu hören. 

 

Noch bevor das Wehr des Kernkraftwerkes zu sehen ist, warnen schon die ersten Schilder davor. Es gibt zwei Möglichkeiten, zur Rampe am rechten Ufer zu gelangen:

 

1.      bis zum Ende der dem Wehr vorgelagerten Insel zu paddeln und sofort dahinter zum rechten Ufer,

 

2.     vor der Insel in den direkt zur Rampe führenden rechten Seitenarm fahren, der aber bei NW teilweise trocken ist.

 

Die erste Variante sind wir bisher immer gefahren. Aufgrund des Wasserstandes paddeln wir dieses Mal in den Seitenarm und folgen somit dem ersten Hinweisschild. Oh, wie trügerisch! An einigen Stellen rutschen wir gerade noch über den Grund und erreichen trockenen Fußes das Wehr. Rampen kurz davor und dahinter machen ein Überwinden relativ einfach. Noch leichter wäre es natürlich, sich schleusen zu lassen. Aber schön nach der Devise: >Wer paddelt kann auch umtragen und die Füße bewegen<, werden nur schwere Boote geschleust. Wenigstens Petrus zeigt etwas Mitgefühl. Während der Schlepperei schiebt er mal kurz eine Wolke vor die Sonne, so daß der Flüssigkeitsverlust sich etwas in Grenzen hält. Bis Briare liegen mehrere kleine Ortschaften direkt an der Loire. Eine der kleinen Sandbänke in Ufernähe zeugt vom französischen „Dolce Vita“. Frei nach dem Motto: „Jedem Franzosen seine Insel!“ ist sie zum „Sommersitz“ (mit Tisch und Stühlen) geworden. Bei Ousson-sur-Loire ist zu unserem Bedauern das Naturwehr des linken Seitenarmes immer noch durch Steine total verblockt, so daß wir die Insel rechts umfahren müssen. Gegen ein unfreiwilliges Landen auf der Insel hilft nur eins: Kräftig gegen den Linksdrall der Strömung steuern.  Irgendwann ist es soweit. Das angewärmte Wasser klebt regelrecht am Gaumen. Nur noch ein Gedanke frißt sich fest: „Eisgekühlte Getränke!“ Gerade recht kommt Briare in Sicht. Das Anlanden lohnt sich auf jeden Fall, denn das Aquädukt des Loire-Seitenkanals (Pont Canal) aus dem 17.Jh. ist sehenswert. Nach einem kleinen Bummel durch den Hafen mit seinen vielen Motorbooten und den ersehnten kalten Getränken gleiten wir

mit ausgeglichenem Flüssigkeitshaushalt wieder in die Strömung. Ein Rauschen kündigt schon von Weitem die Schwallstrecke mit den großen Steinen an, die bei Niedrigwasser wie ein Felsenmeer aus dem tosenden Wasser herausragen. Heute liegen die meisten Steine unterhalb der Wasseroberfläche, so daß diese Passage relativ

 

leicht zu fahren ist. Gleiches gilt auch für die bald darauf folgende scharfe Rechts-Links-Kurve. Kurz vor Gien ist es mit der Ruhe auf dem Fluß vorbei. Der motorisierte Wassersport hat inzwischen auch die Loire erreicht. Innerhalb einer markierten Strecke ist es Jetski-Fahrern erlaubt, ihrem nicht gerade umweltschonenden Vergnügen nachzugehen. Da sie sich aber keineswegs an die Absperrung halten und nicht unbedingt den Eindruck vermitteln, daß sie ihr Gerät unter Kontrolle haben, ziehen wir es vor, so weit entfernt wie möglich an ihnen vorbei zu paddeln. Froh, sie endlich hinter uns zu haben, passieren wir mit dem Schwall den zweiten rechten Brückenbogen. Von den folgenden kleinen Stromschnellen ist diesmal weder etwas zu sehen noch zu spüren. Noch ein paar Paddelschläge und die Einfahrt zum Campingplatz liegt vor uns. Obwohl der Platz relativ voll ist, finden wir noch in Ufernähe ein Fleckchen für unser Zelt. Selbst im „Rive Gauche“, der kleinen Pizzeria kurz vor

 

der Brücke, herrscht großer Betrieb, so daß wir recht lange auf die Speisekarten warten müssen. Vom anderen Ufer weht leise Musik eines Konzertes zu uns hinüber und lenkt damit wenigstens etwas von der Wartezeit und dem unmutig knurrenden Magen ab.

 

 

Montag, 23.07.2001     Zurück nach Châtel-de-Neuvre

 

Abfahrt  8:57 Uhr in Gien / Ankunft  14:30 Uhr in Châtel-de-N. / Wetter: Gewitter, Sonne, 30°C

 

Zugverbindungen: ab Gien 8:57 Uhr/ an Nevers 10:10 Uhr / ab Nevers 10:32 Uhr / an Sainzaise  10:41 Uhr / ab Sainzaise 10:46 Uhr           / an Moulins  11:18 Uhr

Früher als gedacht, sind wir schon auf dem Weg, unser Auto nachzuholen. Der grau verhangende Himmel über uns verkündet dabei nichts Gutes. Kaum sitzen wir im Zug, entladen sich auch schon die dunklen Wolken zu einem kräftigen Gewitter. Bis zu unserer Ankunft in Moulins hat sich die Wetterlage aber wieder beruhigt und ins Gegenteil verkehrt.

 

So warten wir in der brütenden Hitze auf den Bus nach Châtel-de-Neuvre. Ein Bus nach dem anderen passiert die Haltestellen, ein Busfahrer nach dem anderen schüttelt auf unsere

 

Nachfrage verneinend den Kopf. Nach ca. eineinhalb Stunden suchen wir schließlich etwas entnervt ein Taxi. Schnell sind wir handelseinig. Obwohl der Taxameter am Zielort mehr Francs als ausgehandelt anzeigt, bleibt der Fahrer bei seiner Vereinbarung und wünscht uns noch zum Abschied eine schöne Tour. Die ersten Gedanken bei unserer Rückkehr nach Gien kann wohl jeder nachvollziehen: Reifen kaufen für den Bootswagen! Deshalb achten wir auch nicht so genau auf die gerade anlandenden Paddler. Glücklich kehren wir mit neuen Reifen zurück, wofür man bei uns laut Michael einen nagelneuen Bootswagen inklusive zwei Reifen bekommen hätte. Aber egal, unser alter ist wieder einsatzbereit, und die Tour kann weitergehen. Jetzt können wir uns auch in aller Ruhe unseren neuen Nachbarn, ebenfalls Paddler, zuwenden. „Komm, das sind Deutsche, die quatschen wir an.“ Kaum hat Michael die Worte ausgesprochen, ertönt von gegenüber im typischen, rheinischen

 

Slang: „Mensch, euch kennen wir doch!“ Groß ist die Überraschung! Heide und Roland aus Bonn, die wir im letzten Jahr hier kennengelernt haben. Wir sitzen noch lange zusammen. Es gibt viel zu erzählen, wobei die Weinflaschen eifrig herumgereicht werden.

 

 

Dienstag, 24.07.2001    Mit dem Auto nach St. Ay

 

Abfahrt   12:40 Uhr in Gien                / Ankunft  15:30 Uhr in St. Ay / Wetter: Sonne, 26°C

 

 

Wie nutzen wir noch unsere restlichen Urlaubstage? Da unser Bootswagen auch wieder voll funktionsfähig ist, beantwortet sich die Frage fast von selbst. Noch ist unser ursprüngliches Ziel Tours erreichbar. Bis kurz vor Orléans  windet sich die Loire zwischen Dämmen dahin und verliert dadurch viel an ihrer Attraktivität. Da wir diese Strecke nicht noch einmal paddeln wollen, ist der Entschluß schnell gefaßt. Hinter Orléans werden wir wieder einsetzen und soweit paddeln wie wir kommen. Heide und Roland wollen sich uns noch bis Beaugency anschließen. Die nötigen Einkäufe sind schnell erledigt, die Bewältigung des folgenden technischen Problems dauert etwas länger. Vor der Weiterfahrt wollen wir auf die Schnelle noch einen Cappuccino vom Supermarkt-Automaten trinken. Der verlangte Franc steckt im Automat. Aber wo kriegen wir einen Becher her? Einer vom Wassertank wird’s wohl auch tun, denken wir. Also stellen wir den unter die Öffnung des Kaffeeautomaten und drücken erwartungsvoll die entsprechende Taste. Was nun

 

passiert, könnte einer Comedyserie entnommen sein. Der Automat spuckt selber einen Becher aus, schiebt unseren rigoros zur Seite, füllt seinen mit Cappuccinopulver, will ihn zurücksetzen, zerquetschte dabei den schon vorher deponierten Becher und läßt schließlich das heiße Wasser ins Leere laufen. Soviel dazu, noch auf die Schnelle einen Cappuccino trinken. Dank unserer Lernfähigkeit klappt es beim zweiten Versuch. Orléans: Hitze liegt über der Stadt, die Straßen sind voll. Eine gute Beschilderung läßt uns trotz der vielen Ampeln einigermaßen zügig durch das Zentrum kommen. Gerade setzt sich die Autoschlange nach einer Rotphase an einer der vielen Brücken von Orléans wieder in Bewegung, da erregt links auf dem Fußweg etwas meine Aufmerksamkeit. Ich traue meinen Augen kaum. Springt doch tatsächlich Horst winkend auf dem Bürgersteig auf und ab! Keine Chance, irgendwo zu halten, so können wir ihm nur noch zurufen: „St. Ay!“ Dort erwartet uns ein sehr schöner Campingplatz mit einer großen, gepflegten Zeltwiese. In unmittelbarer Nähe der guten Einstiegsstelle bauen wir unser

 

Zelt auf und warten gespannt, ob die beiden Horst uns wirklich verstanden haben. Ungefähr zwei

 

Stunden später taucht in der Ferne ein Canadier mit zwei Personen auf. Groß ist die Freude über das

 

unverhoffte Wiedersehen und die Begrüßung fällt auch dementsprechend aus. Die beiden können es ebenso kaum fassen, daß wir uns

 

 
 

 ausgerechnet in Orléans wiedergetroffen haben, bei einer ihrer Brückenerkundigungen. Ein gutes Abendessen im „Restaurant L’Orangeraire“ im Ort und zwei, drei.... Gläschen Rotwein am Ufer der Loire beschließen einen überaus ereignisreichen Tag.

 

Skurriles am Rande - Ein kleiner Erfahrungsaustausch mit einem Canadierfahrer aus Bitburg, der bei einer seiner Loiretouren beinahe sein Boot selber versenkt hätte. Wie es dazu kam? An der Loire liegen viele schöne Steine. Er ist Bildhauer und konnte einfach nicht an diesen Steinen vorbei fahren. Also lud er einen nach den anderen ein, ohne an die Belastungsgrenze seines Canadiers zu denken. Nur der Protest seiner Frau hatte schließlich Schlimmeres verhindert.

 

 

Mittwoch, 25.07.2001   „Insel der Freiheit“

 

 

Abfahrt  11:15 Uhr in St. Ay               / 1. Rast  13:15-14:30 Uhr in Beaugency / 2. Rast  14:40-15:20 Uhr kurz hinter Beaugency /Ankunft  18:50 Uhr Insel zwischen Muides-sur-Loire und St.-Dyé-sur-Loire /  Wetter: sonnig, schwül

Logistik ist alles! Erst wird gefrühstückt, danach werden die Zuständigkeiten verteilt: Horst und ich erledigen die Einkäufe im „Aldi“, der Rest packt die Sachen. Als wir zurückkommen, werden wir schon ungeduldig erwartet. Schnell sind die Boote zu Wasser gelassen und die restlichen Sachen verstaut.

 

Bis Beaugency durchfahren wir zwei schöne Schwälle. Die im Kanuführer erwähnten Kiesschrapper gefährden unsere Tour nicht. Nur einer steht passiv am Ufer. Als die Brücke von Beaugency am Horizont auftaucht, bin ich ziemlich beeindruckt von dieser alten, schönen Steinbogenbrücke, die sich weit über den Fluß spannt. Wir landen am Campingplatz an, nehmen noch einen Abschiedstrunk mit Heide und Roland an der Restauration des Platzes (wobei der etwas schusselig wirkende „Kellner“ den Eindruck machte, als sei er nicht

 

 

Nudel-Schinken-Topf

> Nudeln mit Brühwürfel kochen

> Schalotten-, Knoblauch-, Schinkenwürfel in Öl anbraten

> Paprika, Möhre, Champignons, kleinschneiden, zugeben

> pürierte Tomaten, Brühwürfel, italienische Kräuter zufügen

> mit Salz, Pfeffer, Paprikacreme würzen

> Frischkäse + Nudeln unterheben

mehr ganz alleine), dann heißt es endgültig: „Auf Wiedersehen!“ Bevor wir wieder in die Boote steigen, studieren wir noch die Brückendurchfahrt. Die empfohlene Passage durch den rechten Bogen erscheint uns etwas zu eng. Außerdem besteht die Gefahr durch  den Wasserdruck an die rechte Mauer gedrückt zu werden. Wir entscheiden uns für die Durchfahrt des dritten Bogens an der linken Seite. Etwas Vorsicht gebietet dabei der vor der Brücke liegende kleine Schwall, der durch Pfähle im Wasser verursacht wird. Erwischt man die linke der beiden Zungen und zieht dann nach links, um gerade durch den besagten Bogen zu fahren, kann nichts schief gehen. Soweit die Planung. Horst und Monsieur paddeln forsch voraus, nähern sich dem kleinen Schwall, dann ein Aufschrei: „Welche Zunge war das denn?!“  „Die Linke!“ Gerade noch rechtzeitig erwischen sie diese und vermeiden gerade noch ein Rendezvous mit dem Brückenpfeiler. Wir folgen, lassen uns vom großen Schwall unter dem Brückenbogen erfassen – prima! Gegen Spritzwasser hätten wir allerdings bei der schwülen Hitze auch nichts einzuwenden gehabt. Manchmal treiben wir nur und schonen die Armmuskeln. Ab und zu konzentrieren wir uns auf die kleinen bis mittleren Schwälle und gönnen uns zwischendurch eine kleine Ruhepause auf einer schattigen Insel. Uns geht es einfach gut! Zumindest so lange bis das das KKW St. Laurent des Eaux vor uns liegt. Doch als wir wieder auf dem Wasser sind, ist die Plackerei ist schnell wieder vergessen. Zwischen Muides-sur-Loire und St.Dyé-sur-Loire paddeln wir auf eine Insel zu, die uns zum Lagern geeignet scheint. Erst die Arbeit (Zeltaufbau), dann das Vergnügen: Hinein ins erfrischende Wasser! Vor dem Zeltaufbau muß Horst allerdings seinen Gefühlen noch ein, wenn auch vergängliches „Denkmal“ setzen und schreibt ganz groß „FREIHEIT“ in den Sand. Bald danach brutzelt das Abendessen über dem Feuer. Dazu fehlt natürlich auch nicht der Wein. Was will man mehr? Der Abend ist mild und das Wetterleuchten in der Ferne zeugt von einem Gewitter, mit dem wir hier nichts zu tun haben.

 

 

Donnerstag, 26.07.2001 Bis Chaumont-sur-Loire

 

Abfahrt  10:45 Uhr / 1. Rast  11:05-11:20 Uhr in St.-Dyé-sur-Loire / 2. Rast  14:30-15:15 Uhr am Wehr  Blois / 3. Rast  16:40-17:10 Uhr in Blois / Ankunft  19:25 Uhr in Chaumont-sur-Loire / Wetter: sonnig, schwül                                        

 

Kaum haben wir von unserer Insel abgelegt, landen wir auch schon wieder an. Getränke müssen dringend besorgt werden. Während

 

 

Horst bei den Booten bleibt, um in aller Ruhe sein Tagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen, kaufen wir in dem hübschen, kleinen St.-Dyè-sur-Loire ein. Als wir zurückkommen ist Horst zwar sehr beschäftigt, aber nicht mit seinem Tagebuch. Stattdessen studiert er eifrig die Flußkarte. Die seit einigen Tagen anhaltende drückende

 

 Schwüle inspiriert uns heute nicht besonders, das Paddel durchs Wasser zu ziehen. Lieber lassen wir uns treiben und erfrischen uns zwischendurch mit dem kühlenden Naß. Während wir in unserer Trägheit die Hauptströmung der Loire manchmal verpassen, scheint ein näher kommender Kajakfahrer damit keine Probleme zu haben. Viel tut der auch nicht in seiner „gelben Banane“, nur hin und wieder ein paar Steuerschläge. Als sich schließlich unsere Wege kreuzen, hat er wohl dankbare Opfer für ein ausgiebiges Schwätzchen gefunden. So erfahren wir z. B. beim Vorbeipaddeln am Schloß von Menars, daß dieses einst der Marquise de Pompadour gehörte und sich heute im Privatbesitz befindet. Nach  mehrmaligen Versuchen gelingt es endlich, uns von ihm zu verabschieden. Für Michael muß dieser unerschöpfliche Redefluß sehr energieraubend gewesen sein. Er braucht erst einmal etwas Augenkosmetik, derweil geht sein Paddel allein auf die Reise. Kurz vor Blois steht die nächste Portage an. Wir landen rechtzeitig vor dem Wehr an, um uns die Begebenheiten anzusehen. Froh, daß wir fast bis ans Wehr heran paddeln können, legen wir wieder ab und wecken damit wohl die Sensationslust eines Jungen. Kaum sieht er uns wieder in die Boote steigen, sprintet er zur Bootsgasse des Wehres. Leider müssen wir ihn enttäuschen, denn die ist für unsere beladenen Canadier nicht fahrbar. Außerdem ist es Zeit, unsere hungrigen Mägen zu beruhigen, und das schattige Plätzchen am Ufer lädt geradezu dazu ein. Daß wir unser Picknick in fast luxuriösen Verhältnissen genießen können, haben wir einem freundlichen Angler zu verdanken, der uns Tisch und Stühle zur Verfügung stellt. Die alte Steinbogenbrücke von Blois läßt sich im zweiten rechten Bogen gut durchfahren. Der Schwall dahinter verursacht zwar hohe Wellen, die uns aber nur ein paar willkommene Spritzer abgeben, im Gegensatz zu Monsieur, der triefend aus dem Schwall hervorkommt. Einer eventuellen Weinknappheit vorbeugend, legen wir kurz hinter der Brücke am rechten Ufer an. Michael undHorst opfern sich, um dem entgegenzuwirken. Vollbepackt und stöhnend über den  langen Fußmarsch, kommen sie nach geraumer Zeit wieder zurück. Sorgenlos (was den Wein angeht) kann’s nun weitergehen. Die kurz darauf folgende neue Brücke durchfahren wir problemlos im zweiten rechten Bogen. Anscheinend fehlt den beiden Horst dabei das kühlende Element, denn eh wir uns versehen, tobt zwischen ihnen eine regelrechte Wasserschlacht. Die Folge: Boot entwässern, bevor es absäuft.Die ab Blois parallel zur Loire die verlaufende Nationalstraße bietet

 

 dem Einen zwar einen schönen Blick auf den Fluß, andere fühlen sich aber durch den ständigen Verkehrslärm empfindlich gestört. Vielleicht liegt es auch daran, daß uns die Strecke bis Chaumont-sur-Loire so unendlich lang vorkommt. Die Arme werden immer länger, das Paddel immer schwerer, der Durst immer schlimmer, das Mineralwasser immer knapper. Michael, langsam nervös werdend, befürchtet allmählich, daß das im Kanuführer gelobte Restaurant schon geschlossen hat, wenn wir in Chaumont ankommen. Etwas orientierungslos hoffen wir hinter jeder Kurve, einen Hinweis darauf zu finden, wo wir eigentlich sind. Endlich, die Einmündung des Beuvron, nur noch vier Kilometer bis zum Etappenziel. Ungefähr zwei Kilometer dahinter ziehen sich Sandaufschüttungen quer durch das Flußbett. Wir halten uns rechts und lassen uns von dem Schwall mitziehen. Als die ersehnte Brücke auftaucht, sind wir ziemlich erleichtert. Im Wald versteckt sehen wir endlich die ersten Zelte und landen dort auch sofort an. Zum Glück, denn weiter flußabwärts erschweren große Sandbänke den Weg zum Platz. Monsieur übernimmt die Anmeldung und kommt völlig empört wieder zurück: „Ist die dusselig!“ „Wer denn?“ „Die an der Rezeption!“ „Wieso? Was hat sie denn gemacht?“ Daraufhin gibt er folgenden Dialog zum Besten: „Wollen Sie die Loire hoch paddeln?“ „Nein.“ „Die dürfen Sie nicht hoch paddeln, da dürfen sie nicht durch, weil Gasleitungen gelegt werden.“ „Wir sind aber die Loire abwärts gefahren.“ „Dazu hatten Sie auch kein Recht.“ Jetzt geht es auf die Suche nach dem Restaurant. Das steht zwar noch, hat aber allem Anschein nach seine Türen für immer geschlossen. So nehmen wir vor kleinen Pizzeria an der Hauptstraße Platz, und diese Wahl erweist sich als Volltreffer. Aus den aufgeführten Belägen kann sich jeder seine eigene Pizza zusammenstellen. Das Resultat schmeckt prima. Außerdem kümmert sich die Chefin des Hauses persönlich um ihre Gäste: „Sind sie glücklich?“ Als wir das bejahen, meint sie nur: „Ich auch!“ Spät wird es heute Abend nicht mehr. Geschafft von der Schwüle und „nur“ zwei Flaschen Rotwein sehen wir etwas dem Wetterleuchten zu, bevor sich die Reißverschlüsse unserer Zelte von innen schließen.

 

 

Freitag, 27.07.2001     Besuch im Schloß und eine Autofahrt mit Hindernissen

 

 

Wetter: sonnig, schwül, Gewitter

Während Michael und Horst die Autos nachholen, wollen Monsieur und ich den Ort erkunden und dem Jagdschloß einen Besuch abzustatten. Zur Zeit befindet sich auf dem Schloßgelände das „Festival du  Jardin“. In dieser „Garten – Kunst –Ausstellung“ haben Gärtner und Künstler faszinierende vielfältige Szenerien und Landschaften erschaffen, die eine breite Palette von fröhlich-belebenden bis unheimlich-beklemmenden Eindrücken bieten. In jeder Parzelle ist eine

 

Symbiose aus Flora und Kunst entstanden, wobei die unterschiedlichsten Materialien wie Glas- und Kunststoffsplitter, Spiegel, Glaskugeln, Holz und Metall verwendet worden sind. So kann man z. B. auf Wüstenboden durch „Palästina“ wandeln, eingerahmt von niedrigen Mauerwällen aus Kalkstein und bepflanzt mit Blumen aus dieser kargen Region. Die Hitze und die Reflektion des Sonnenlichtes auf den weißen Steinen unterstützen fast perfekt diese Illusion. Eine riesige „Erwachende Schildkröte“ streckt gerade ihre Vorderfüße aus dem Panzer, dessen Platten durch die verschiedensten Blumenarten in einer bunten Farbenpracht erstrahlt. An anderer Stelle ziehen sich Blumenstauden spiralförmig an einer Säule herunter oder wachsen aus senkrecht stehenden Kästen heraus. Zwischendurch reizt es (verbotenerweise), eine Hängebrücke aus dünnem Betonstahl zum Schwingen zu bringen. Schon beim Betreten der „Pilzlandschaft“ beschleicht mich ein komisches Gefühl. Die verbrannten Bäume auf dem schwarzen, aus Gummisplittern bestehenden Boden verursachen mir bereits eine leichte Gänsehaut. Was sich im Zelt verbirgt, läßt Wissenschaftler vielleicht vor Freude erschauern, bei mir bewirkt es das Gegenteil. Eingezwängt in Behältern reihen sich viele verschiedenartige „blühende“ Pilzkulturen in den Regalen eng aneinander. Da macht es schon mehr Spaß, durch den „Urwald“ zu streifen, auch wenn das dortige tropische Klima die Kleidung am Körper kleben läßt. Diese erschaffende Landschaft liegt in einem engen Tal zwischen dicht bewachsenen Schluchten. Für die nötige Luftfeuchtigkeit sorgen immer wieder aufsteigende Nebelschwaden, die sich wabernd über die Szenerie legt und sie in einem diffusen Licht erscheinen läßt. Anschließend widmen wir uns noch dem Schloß und lassen uns ein wenig in vergangene Zeiten zurück versetzen.Da es auf dem Gelände nur etwas für den großen und nicht für den kleinen Hunger gibt, testen wir die Brasserie des „Hotelliérie du Chateau“ im Ort. Ein Blick auf die Speisekarte des Hotelrestaurants genügt, hier gehen wir heute Abend essen. Unsere

 

Bekanntschaft hat mit einem schönen Essen begonnen, und der Abschied voneinander soll mit einem solchen auch würdig begangen werden. Natürlich müssen wir das den beiden Autoholern sofort mitteilen. Michael gibt einen kurzen Zwischenstandsbericht und meint, gegen 20 Uhr wieder zurück zu sein.  Chaumont hat zwar mehrere Restaurants, nur keine Bank. Wird das Geld knapp, muß man schon nach Ouzain, dem gegenüberliegenden Ort. Schnurgerade und eintönig zieht sich die Straße bis ins ca. zwei Kilometer entfernte Zentrum. Flimmernde Hitze erleichtert nicht gerade das Pflastertreten, und so ist es nicht verwunderlich, daß wir uns sofort in die nächste Bar stürzen. Einigermaßen erfrischt machen wir uns auf den Rückweg nach Chaumont. Und wo landen wir? Natürlich dort, wo es etwas Kaltes zu trinken gibt, in der kleinen Pizzeria von gestern. Die bisherige Flüssigkeitsaufnahme ist ja längst schon wieder verdunstet. Im Schatten sitzend erwarten wir also unser eisgekühltes Getränk, doch leider kommt das falsche. Ob an dem folgenden die Hitze

 

schuld ist oder unsere Reklamation oder beides zusammen, ich weiß es nicht. Resolut packt die Bedienung das Glas, schüttet deren Inhalt blitzschnell auf die Straße und zieht, in sich hinein brummelnd, wieder ab. Als sie mit dem richtigen Getränk wieder herauskommt, scheint sie sich aber auch genauso schnell wieder beruhigt zu haben. Auf dem Weg zum Campingplatz erreicht uns von den beiden anderen die enttäuschende Nachricht, daß sie es bis 20 Uhr nicht schaffen werden, da sie sich mitten in einem verheerenden Unwetter befinden. In den völlig überschwemmten Straßen drückt das Wasser die Gullideckel hoch, und sie kommen nur äußerst langsam vorwärts. Schade, wir haben uns den letzten gemeinsamen Abend eigentlich anders vorgestellt. Nichts desto trotz! Monsieur und ich genießen im klimatisierten Restaurant des besagten Hotels ein

 
 
 

hervorragendes Menü und einen ausgezeichneten „Tourraine Sauvignon Rabelais“. Unterdessen hört man in der Ferne schon das Donnergrollen eines herannahenden Gewitters, woraufhin der Kellner meint, es gäbe „Gewitter und Gewitter“. Die Loire sei eine natürliche Grenze, aber wenn es hier ein Gewitter gäbe, dann richtig und heftig. Wieder zurück auf dem Campingplatz, bekommen wir das auch fast zu spüren. Ganz in der Nähe toben zwei dergleichen, die uns ordentliche Regengüsse bescheren, so daß jeder fluchtartig sein Zelt aufsucht. Als Michael und Horst endlich ankommen, hat der neue Tag bereits begonnen.

 

Samstag, 28.07.2001   Auf der Loire bis Amboise

 

Autoumsetzen nach Montsoreau  8:15 – 12:35 Uhr / Abfahrt   14:00 Uhr von Chaumont-sur-Loire / Ankunft  17:30 Uhr in Amboise / Wetter: sonnig, z. T. heftiger Gegenwind, kurzer Regenschauer am Abend

 
 

Nachdem Michael und Horst unser Auto nach Montsoreau vorgefahren haben, sitzen wir das letzte Mal beim Frühstück zusammen. Ein letztes Mal stoßen wir mit einem Glas Rouge auf unsere Bekanntschaft und ein baldiges Wiedersehen auf der Weser an. Schnell sind danach die letzten Sachen im Auto verstaut, noch ein kräftiges Winken zum Abschied, dann machen auch wir uns auf den Weg. Unerwartete Hilfe bekommen wir beim Bootstransport von unserer Zeltnachbarin, die bisher mit ihrer Begleitperson nur in schriftliche Aufzeichnungen vertieft gewesen ist. Jetzt stehen beide winkend am Ufer und wünschen uns „Bon Voyage!“ Zunächst heißt aber, kräftig gegen den auftretenden Wind zu paddeln. Der trägt ordentlich dazu bei, daß wir meinen, auf dem immer breiter und träger werdenden Strom kaum vorwärtszukommen. Allerdings übertönt der sogar den ständigen Verkehrslärm der nahen Straßen. Schlag um Schlag kämpfen wir uns durch und sind froh, als wir die Brücke der D31 vor uns sehen, und somit unser Tagesziel Amboise in greifbarer Nähe liegt. Der linke Bogen der Brücke läßt sich gut durchfahren und über den linken Seitenarm erreichen wir schließlich den auf einer Insel gelegenen Campingplatz. Der Platz ist über einen kleinen Hang gut erreichbar, und wir ergattern gerade noch den letzten freien Platz direkt am Ufer (den uns fast ein Engländer streitig gemacht hätte, unseren Bedarf aber einsieht, als er den Canadier sieht). Der Campingplatz ist überraschend groß, sehr gut belegt und hat großzügige, gepflegte Sanitäranlagen, außerdem einen kleinen Lebensmittelladen und ein Restaurant. Donnergrollen hält uns nicht im Geringsten davon ab, noch ein wenig durch die Stadt schlendern und dort etwas zu Abend zu essen (Erkundung der morgen anliegenden Brückdurchfahrt inbegriffen). Bei den vielen Brasserien und Restaurants fällt es zunächst etwas schwer, sich für eines zu entscheiden. Unsere Wahl fällt schließlich auf die Brasserie „Anne de Bretagne“. Das Essen ist gut und zu sehen gibt es auch genug. Eine bunt gemischte Völkerschar

 

verschiedener Nationalitäten bewegt sich durch die festlich geschmückte Altstadt dieses schönen Städtchens. Besonders viel Trubel herrscht an den Ständen mit Produkten aus der Region, in den wir genauso interessiert eintauchen. Vor dem Zelt genehmigen wir uns noch ein Gläschen Wein vor dem Schlafengehen. In der Ferne leuchtet dazu ab und zu der Himmel auf, aber das ist weit genug weg.

 

Sonntag, 29.07.2001    Brückenbewältigungen in Tours                                 Wetter: sonnig, heiß, schwül

 

Abfahrt   11:00 Uhr in Amboise / Rast  13:30-14:00 Uhr in Vouvray / Passage Tours  14:30-17:00 Uhr / Ankunft ?         

 

 

Wie geplant durchfahren wir auf dem linken Seitenarm den rechten vierten Bogen der Brücke mit seinem schönen kräftigen Schwall. Noch brennt die Sonne nicht allzu heiß über dem breiten Flußbett, die Wärme ist noch angenehm und gut auszuhalten. Die 14-bogige Eisenbahnbrücke hinter Montlouis-sur-Loire bietet im rechten vierten Bogen mit seinem Schwall auch keine Probleme und die zwei Kilometer entfernte Brücke, über

 

die gerade ein TGV rauscht, ebenfalls nicht. In Vouvray wollen wir eigentlich anlanden, nehmen aber Abstand davon, weil uns dort zu viel Betrieb herrscht. Die Höhlenwohnungen, deren Lage man nur an den kleinen in den Fels gehauenen Fenstern erkennt, locken jährlich viele Touristen an, und z.Zt. ist gerade Hochsaison. Galten früher diese Behausungen den Ärmsten des Landes als Quartier, dürfte es heute wohl genau umgekehrt sein. Davon zeugt unter anderem auch ein Hotel, das ebenfalls in den Felsen gebaut worden ist. Jetzt liegt der Brocken des Tages vor uns: Tours! Lang zieht sich die Stadt mit ihren Brücken an der Loire hin. Die ersten drei Brücken mit ihren leichten Schwällen sind schnell durchfahren. Vor der vierten, der alten Steinbrücke legen wir jedoch rechtzeitig am linken Ufer an, um die Lage zu erkunden. Diese Rampe kurz vor Beginn ist die letzte Chance, vor der Brücke aus dem Wasser zu kommen. Danach beginnt die steile, unüberwindliche Kaimauer. Durch den linken Bogen der Brücke stürzt sich ein großer Schwall, der nicht erkennen läßt, ob sich darunter Hindernisse befinden. Der Rest ist durch Steine verblockt. Der weite Weg bis zur Einsatzstelle ist mit dem Bootswagen gut machbar. Inzwischen knallt die Sonne unerbittlich von oben herab. Schweißtriefend  lechzen wir regelrecht nach kalten Getränken. Auf der Suche danach finde ich in der parallel zur Uferstraße verlaufenden Gasse fast ein Paradies mit Bistros, Cafés, Creperien und kleine Restaurants vor. Erfolgreich kehre ich mit eisgekühlten Getränken zurück. Währenddessen ist unser Boot portagefertig.

 

Andere Leute führen ihren Hund an der Loire spazieren, wir eben unseren Canadier. Nach eineinhalb Stunden sind wir wieder abfahrbereit. Da die neben uns liegenden historischen Fährkähne noch nicht den Anschein erwecken, wieder loszufahren, legen wir vorsichtig ab. Doch just in dem Moment setzt einer der Fährkapitäne seinen Staken auch ins Wasser. Nur der Zuruf „Regardez! Canoe!“ einer anderen Fährschifferin verhindert gerade noch eine Kollision. Er läßt uns freundlicherweise zuerst passieren und überholt uns kurz danach. Als er auf die folgende Brücke zusteuert, deutet das Michael als guten Wegweiser: „Los, da fahren wir hinterher. Wo der durchkommt, haben wir auch keine Probleme.“ Der Kahn fährt durch den mittleren Bogen mit seinem leichten Schwall, wir problemlos hinterher. Als der historische Kahn auf seiner Rundtour hinter einer Insel wieder stromaufwärts fährt sind wir wieder allein. Hin und wieder treffen wir auf einige Angler in kleinen Ruderbooten, die in stoischer Ruhe auf ihre Angel starren. Irgendwo auf dieser Strecke hat ein Kahn sein letztes Grab gefunden und die Loire ihr Opfer. Ein Teil seines Gerippes steckt fest im sandigen Grund, der andere ragt aus dem Wasser heraus. Andere Paddler sind allerdings weit und breit nicht zu sehen. Die Hitze und die träge, breite Strömung treibt uns zwischendurch auf eine Insel und zur Abkühlung ins Wasser. Erfrischt können wir uns anschließend auf die Suche nach einem schönen Lagerplatz begeben. In dieser Gegend ist das aber gar nicht mehr so einfach, denn seit Vouvray sind fast alle Inseln heiß begehrt und belegt. Uns bleibt ja noch der Campingplatz hinter Pont de Bresme, denken wir. Mehrere Versuche, den zu finden, scheitern aber, und plötzlich taucht vor uns auch schon die Eisenbahnbrücke bei Cinq-La-Pilé auf, also weiter Ausschau nach einem Lagerplatz halten. Und wir haben Glück. Kurz hinter der Brücke liegt eine schöne, leicht erhöhte Insel, zum Lagern geradezu geschaffen. Als es dämmerig wird, bemerken wir, daß wir hier nicht alleine sind. Der Himmel über uns erfüllt sich plötzlich mit Leben, und  viele Fledermäuse schwirren lautlos über uns hinweg.

 

Montag, 30.07.2001     Bis Montsoreau                                        Wetter: sonnig, heiß

 

Abfahrt  10:40 Uhr / 1. Rast  12:00 – 13:00 Uhr in Bréhémont / 2. Rast in Chouzé-sur-Loire / Ankunft  17:55 Uhr                          

 

 

Wir nehmen Abschied von unserer letzten Insel und legen zur letzten Etappe auf dem Wasser ab. Bereits am Vormittag jagt die Sonne die Temperaturen derart nach oben, weswegen wir schon bald die erste „Kaltgetränkpause“ nötig haben und deshalb bereits in Bréhémont anlanden. Um frisches Baguette zu besorgen, ist es aber trotzdem zu spät, da beide Bäcker am Kai um 12 Uhr schließen. Alternativ dazu stärken wir uns eben mit einem belegten „Sandwich Fromage“, bevor wir etwas

 

überstürzt wieder aufbrechen. Die Ursache unserer Unruhe ist jemand, der sich etwas zu zielstrebig auf unser Boot zubewegt. Unser Mißtrauen ist glücklicherweise unbegründet. Dieser Jemand ist zwar tatsächlich an unserem Canadier interessiert, aber rein aus fototechnischen Gründen. Er ist ja auch schön, wie er da am Ufer liegt: Ein leuchtendes Rot im satten Grün! Kreuzfahrender Weise paddeln wir weiter, immer von einem Ufer zum anderen, um im Schatten der Bäume zu sein. Nur so können wir der inzwischen fast unerträglich brennenden Sonne entgehen. Trotzdem fallen uns immer wieder schöne Inseln auf, die als wunderbare Lagerplätze dienen könnten oder ein Auto, welches mitten im Fluß einsam vor sich hin rostet. Ständiges An- und Ablegen gestaltet den Rest unseres Tages, entweder um ein erfrischendes Bad in der Loire zu nehmen oder um unseren Flüssigkeitshaushalt mit kalten Getränken einigermaßen konstant zu halten. Manchmal ist das auch nicht mit Erfolg gekrönt wie in La Chapelle-sur-Loire. Als wir Montsoreau erreichen, landen wir an der ersten Rampe an. Eine spätere Ortsbesichtigung zeigt, daß man bis an den Campingplatz heran paddeln kann, da sich direkt davor ebenfalls eine Rampe befindet. Nach einem hervorragenden Abendessen im „Hotel de la Loire“ wollen wir noch in der Bar des Campingplatzes mit einen Ricard auf das Ende unserer Tour anstoßen. Doch der wird uns nicht gegönnt, den gibt es nur zum Essen! Der als Alternative bestellte Rosé ist kein ebenbürtiger Ersatz, aber wir haben schließlich selbst noch einen besseren Rotwein in Reserve.

 
 
 
 
 

Dienstag, 31.07.2001    Impressionen an der Loire bis Angers            Wetter: sonnig, 31 –36 °C

Wir haben noch einen Tag Zeit und nutzen diese für eine kleine Rundreise entlang der Loire bis nach Saumur und sind ganz froh, daß wir unsere Kanutour in Montsoreau beendet haben. Die Loire wird

immer breiter und behäbiger, also je mehr das Flußbett zunimmt, desto langsamer wird die Strömung.

 

Manch ein Ort hat sich besonders schön mit üppigen, z.T. sehr phantasievollen Bepflanzungen an den Brückengeländern und

Verkehrskreiseln herausgeputzt.

 

Besuch in Angers: Als erstes führt uns der Weg weiter nach Westen in die alte Hauptstadt des Anjou.

 

Besuch in Saumur: Die geschichtsreiche "Stadt der Kunst und

 

der Geschichte" bietet sich ebenfalls für einen Besuch an. Da sich auch in Montsoreau kein Geldinstitut niedergelassen hat,

 
 

füllen wir in Saumur unsere etwas knapp gewordenen Francs etwas auf, natürlich wie immer mit der üblichen Überlegung:  Wie viel brauchen wir noch? Zurück nach Montsoreau fahren wir nun durch die Weinfelder und an den teils unbewohnten, teils restaurierten, bewohnten Höhlenwohnungen vorbei. Im Tal der Loire leuchten strahlend die gelben Sonnenblumenfelder, aber in den Weinfeldern läßt diese Intensivität der Farbe deutlich nach. Während wir beim Abendessen sitzen, paddeln die mit einem Stech- und einem Kajakpaddel ausgestatteten Zwei in ihrem orangefarbenen Leihcanadier vorbei, die wir in Amboise nach ihrer Kenterung getroffen haben. Leider sind sie zu weit entfernt und reagieren nicht auf Michaels Pfiffe und winken. Schade, mich hätte schon interessiert, wie sie ohne Bootswagen durch Tours gekommen sind, denn sie sind der festen Überzeugung gewesen, Gefahrenstellen und Brückendurchfahrten seien gekennzeichnet.

 

Mittwoch, 01.-02.08.200   Über Fontainebleau wieder nach Hause

 

Abfahrt   11:00 Uhr in Montsoreau / 1. Rast  13:30 – 14:30 Uhr in Suévres / 2. Rast in Fontainebleau / 3. Rast  02.08.01  Raststätte Frechen-Süd / Ankunft  7:10 Uhr in Albaxen / Wetter: sonnig                                                         

Am Abreisetag folgt das Übliche: Frühstücken, das Gepäck-Chaos im Auto verstauen und letzte Einkäufe tätigen.Ein Blick aus dem Autofenster bei Pont de Bresme auf den nicht während unserer Kanutour nicht gefundenen Campingplatz zu sehen zeigt, daß der sehr verlassen aussieht und wahrscheinlich gar nicht mehr in Betrieb ist. Als wir am Campingplatz von Amboise vorbei fahren, wirkt der ebenfalls sehr verlassen. Kein Zelt, kein Wohnwagen o. ä. befindet sich mehr auf dem Platz, obwohl dieser sehr gut belegt war, als wir dort übernachtet haben. Gerade recht

 
 

zur Mittagspause liegt das „Relais de la Providence“ in Suèvres an unserer Route, und so bekommt in dem sehr bescheidenen Restaurant der Magen, was er verlangt.

 

Zwischenstop in Fontainebleau: Der Schloßpark, in dessen großen Teichanlagen sich außerordentlich dicke Karpfen wohlzufühlen scheinen, ist kostenlos zugänglich, Fußkranke können sich für 25,- fr durch den großen Park kutschieren lassen.

 
 

Bevor wir Frankreich

 

jetzt endgültig verlassen, suchen wir nochmals einen Supermarkt auf,  um das Kleingeld sinnvoll  auszugeben. Eine letzte Rast in

der Autobahn-Raststätte Frechen-Süd, dann geht es nur noch nach Hause.